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2016 Braunsbach - 2018 Wuppertal - Wenn verrücktes Wetter normal wird

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Einzelne Unwetter, sagen Klima-Experten häufig, haben nicht unbedingt was mit dem Klima zu tun. Die verheerenden Mai-Unwetter dieses Jahr haben das aber sehr wohl.

In Deutschland sorgen Unwetter und heftige Regenfälle für große Schäden. Weil das Tief „Wilma“ nicht weiterzieht, bleibt die Gewittergefahr bestehen.

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Erinnert sich noch jemand: vor zwei Jahren, Ende Mai? Braunsbach in Baden-Württemberg oder Simbach am Inn? Schwere Gewitter lösten Flutwellen aus. Und 2018? Ein Tornado tobt über Viersen, in Wuppertal tritt die Wupper über die Ufer, bei Bochum treffen Blitze zwei Radfahrerinnen, Hagellawinen drücken sich im Werra-Meißner-Kreis durch Türen und Fenster… Die Liste ließe sich fortsetzen.

Ist das der Klimawandel?

Und wie immer kommt die Frage: Ist das noch normal? Die Antwort lautet schlicht und einfach: Nein, das ist nicht normal. Klar kommen Unwetter dieser Größenordnung schon mal vor. Aber in dieser Häufung eher selten. Und diese Häufung ist nun genau das, was wir im Zuge der immer wärmeren Atmosphäre erwarten können.

Denn je wärmer die Luft ist, desto mehr Feuchtigkeit kann sie aufnehmen, und diese Feuchtigkeit entlädt sich in Form von heftigen Gewittern mit Wolkenbrüchen und Hagel mit zwei bis vier Zentimeter Korngröße und Sturmböen. Hagelunwetter und Gewitter mit solchen Sturzfluten sind normalerweise eher im Hochsommer zu erwarten: Dieses Jahr sind sie also früh dran.

Während es in Teilen Nordrhein-Westfalens teils heftige Unwetter gab, leidet der Nordosten Deutschlands unter extremer Trockenheit. Daran werden wir uns gewöhnen müssen, so ZDF-Wetterexperte Özden Terli.

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Aber warum hält diese Unwetterlage so lange durch?

Normalerweise sind wir gewöhnt, dass Gewitter über uns hinwegziehen. In diesem Mai aber: Fehlanzeige. Die Extremgewitter entstehen an Ort und Stelle, die Quellwolken bauschen sich in die Höhe und wachsen, bis es nicht mehr weitergeht, bis sie die Tropopause erreichen. Und dann? Entladen sie sich ziemlich genau über der Region, in der sie auch entstanden sind.

Tiefer Luftdruck über dem Westen und Süden Europas ist für diese eingefahrene Wetterlage verantwortlich. Es drückt aus Richtung Mittelmeer ständig Feuchtigkeit nach. Dazu knallt die Maisonne runter und liefert die Hitze. Die Luft wird schwül und dampfig, beste Voraussetzung für ein Gewitter. Über Nordostdeutschland weht Ostwind, der die Gewitter abbremst, die da von Südwesten ankommen. An dieser Wetterkonstellation ändert sich wenig: Nur kleine Zwischenhochs bringen für kurze Zeit mal eine Unwetterpause für einzelne Regionen.

Das heißt für Deutschland konkret?

Am Abend erreichen Gewitter Brandenburg und Berlin. Wieder können sich Unwetter entwickeln mit enormen Regenmengen und Hagel und Sturmböen. In der Nacht fallen die Gewitterwolken wieder in sich zusammen, spätestens in der zweiten Nachthälfte. Gleichzeitig beginnt es von Südwesten wieder zu gewittern.

Und am Donnerstag, wenn in Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, im Saarland, in Hessen, Baden-Württemberg und Bayern mit Fronleichnam ein gesetzlicher Feiertag ist, gewittert es kräftig weiter. Auch in Niedersachsen kann es heftige Gewitter geben.

Zum Wochenende vorsichtige Entspannung

Auch Freitag hält sich die gewittrige Wetterlage. Am Samstag freuen sich dann sicher nicht nur alle Gartenfreunde im Nordosten, wenn auch mal dort endlich Regen ankommt. Am Sonntag - endlich - sind wir die Unwetter über Deutschland wohl vorerst los. Es ist auch nicht mehr ganz so heiß mit Höchstwerten zwischen 21 und 30 Grad. In der kommenden Woche wird's sonnig und warm weitergehen, ein Temperatursturz ist vorerst einmal nicht in Sicht.

Aber immerhin passt das auch zur Jahreszeit. Denn am Freitag beginnt der meteorologische Sommer. Der beginnt - wie jedes Jahr - genau am 1. Juni. Und löst einen rekordwarmen Mai ab, der deutschlandweit mindestens zwei Grad wärmer war als im vieljährigen klimatologischen Mittel der Jahre 1981 bis 2010 zu erwarten gewesen wäre. Und in einigen Regionen im Norden war er sogar 4,5 Grad zu warm.

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