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Mainz feiert Tag der Einheit - Das Fest in der Festung

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27 Jahre Deutsche Einheit - das wird morgen, am 3. Oktober, groß gefeiert. Dieses Jahr gibt es in Mainz einen festlichen Staatsakt und ein zünftiges Bürgerfest mit Weck, Worscht, Woi, Musik - und Protesten.

Am morgigen Dienstag findet in Mainz ein Fest für die Republik statt. Tausende Besucher werden erwartet und es wird erhöhte Sicherheitsvorkehrungen geben. Dennoch möchte die Stadt Mainz ein entspanntes Fest zum Tag der Deutschen Einheit feiern.

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Tagelang sind die Männer der Mainzer Stadtreinigung unterwegs gewesen, um Straßenlaternen und Stromverteilungskästen von Aufklebern zu befreien und Graffitis weg zu schrubben. Wenn nötig hat man auch ganze Hauswände neu gestrichen und Straßenbeläge erneuert. Blumenbeete wurden quasi über Nacht herbstlich bepflanzt. An Metallgittern rankt jetzt plötzlich Efeu, überall stehen nagelneue Sitzgelegenheiten herum, und die Toilettenanlagen strahlen vor Sauberkeit.

Eine halbe Million Gäste

Die Stadt hat sich hübsch gemacht fürs große Bürgerfest, das heute begonnen hat. Eine halbe Million Gäste aus dem In- und Ausland werden zu den Feierlichkeiten rund um den Tag der Deutschen Einheit erwartet - und die Stadt Mainz möchte sich möglichst aufgeräumt und einladend präsentieren. Eine Herausforderung für die hochverschuldete Kommune und ein gewaltiger Kraftakt, obwohl Mainz durch den Rosenmontag viel Erfahrung hat mit Massenveranstaltungen.

Am heutigen Montag, 2. Oktober, ist alles den Bürgern gewidmet. In Großzelten und Pavillons laden die 16 Bundesländer zu einer Kurzreise durch Deutschland ein und bieten regionale Spezialitäten an. Der Landtag öffnet seine Tore, in Informationszelten präsentieren sich Bundestag, Bundesrat und Bundesregierung, anderswo dreht es sich um Druckkunst, Wissenschaft, Europa, Umwelt oder Wirtschaft.

Es gibt zahlreiche Mitmachaktionen für alle Altersstufen, eine große Abschlussshow am Rheinufer und natürlich Musik. Auf sechs Bühnen rockt unter anderem das ostdeutsche Urgestein Karat, die Münchner Freiheit, Tim Bendzko und Laith Al-Deen - eine bombastische Freiluftparty unter dem Motto "zusammen sind wir Deutschland", für die sich Mainz allerdings in den letzten Tagen in eine Festung verwandelt hat.

Zehn Minuten für Bürger-Kontakt

Ganze zehn Minuten hat das Protokoll vorgesehen für eine eventuelle Begegnung zwischen Bürgern, Kanzlerin und weiteren Politikern – bewacht von schwer bewaffneten Spezialeinheiten.

Nach den Pöbeleien bei der letzten Einheitsfeier in Dresden, mag das zwar ein Plus an Sicherheit für die geladenen Gäste bedeuten, in vielen Zeitungskommentaren wird es aber als falsches politisches Signal bewertet - besonders jetzt, nach der Bundestagswahl, die deutlich machte, dass sich viele Menschen vom Staat und seinen Repräsentanten nicht verstanden oder gar abgehängt fühlen.

"Das alles finde ich ganz schrecklich"

Wie Claudia Hafner zum Beispiel. Sie lebt mitten im inneren Sicherheitsbereich und hat wenig Verständnis für die Abschottung der Politiker: "Dass alles rund um die Staatskanzlei nur für die Prominenz ist"", sagt sie, "dieses sich-Abriegeln, das finde ich ganz schrecklich. In der Rheingoldhalle können sie ja unter sich sein, aber sie müssen sich nicht auch noch hier, auf unserem Markt, einkasteln."

Auch ihr Mann, Werner Hafner, sieht die Geduld der Anwohner auf eine harte Probe gestellt. Der Weg zur Wohnung gleiche einem Hürdenlauf. "Es soll ja eigentlich ein Fest für die Bürger sein“, ärgert er sich, "aber das ist es nicht mehr. Die Sicherheitsmaßnahmen sind derartig hoch, der Spaß wird einem genommen. Als Bürger kann ich seit Tagen an bestimmten Punkten nicht mehr spazieren gehen“."

Überwachung zu Lande, zu Wasser, aus der Luft

Überhaupt ist das Sicherheitsniveau bei dieser Einheitsfeier rekordverdächtig. Tonnenschwere Betonblöcke und LKW-Barrieren an 117 Zugängen zur Innenstadt, Videokameras, Überflugverbot für Kleinflugzeuge und Drohnen, No-Go-Zonen rund um den Dom und die Rheingoldhalle, Überwachung aus der Luft, Schnellboote auf dem Rhein.
Begonnen haben die Vorbereitungen für den Großeinsatz schon im Dezember letzten Jahres. 7.400 Polizeikräfte aus 14 Bundesländern, und schwer bewaffnete Spezialeinheiten sollen die Feiern rund um den Nationalfeiertag schützen.

Man will auf alles vorbereitet sein, denn das Fest besitze für Terroristen eine "hohe symbolische Bedeutung", erklärte der Innenminister in der vergangenen Woche. Konkrete Erkenntnisse zu möglichen Anschlagsplanungen gäbe es aber nicht. In der Gesamtbefehlsstelle der Polizei werden alle Einsätze koordiniert.

Hochsicherheitstrakt am Dom

Am morgigen Dienstag, 3. Oktober dürfte das Nervositäts-Level dann ganz oben sein. Dann nun ist  wirklich die gesamte Staatsspitze in Mainz. Der Bereich zwischen Dom und Rheingoldhalle verwandelt sich deshalb gerade in einen Hochsicherheitstrakt. Die Politiker werden bis zum Ende des offiziellen Festakts vom Volk abgeschirmt. Raum für Begegnungen und Gespräche gäbe es später in den Länderzelten, so heißt es. Trotz aller einschränkenden Maßnahmen soll es ein unbeschwertes, ein fröhliches Fest werden. Aber eben eines, das extrem gut gesichert ist.

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