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Nervöser Ölmarkt - "Öl und Gas sind wieder hoch politisiert"

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So teuer war Tanken seit Jahren nicht mehr. Auf dem Ölmarkt herrschen Unsicherheiten. Über die Nervosität und ihre Gründe sprach 3sat-makro mit dem Energiexperten Andreas Goldthau.

Die Opec lebt, wiederbelebt durch Russland. Ölexperte Prof. Andreas Goldthau sagt, viel werde davon abhängen, ob und wie lange der Schulterschluss zwischen Riad und Moskau anhält.

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makro: Die Preissprünge auf dem Ölmarkt sind heute extremer als in früheren Jahren. Wie erklären Sie sich das?

Andreas Goldthau: Der Ölmarkt war schon immer schwankend, die Zeiten stabiler Ölpreise sind eher die Ausnahme als die Regel. Denken wir doch einmal an die 1970er Jahre, als zwei Ölschocks die Weltwirtschaft nahezu zum Erliegen brachten. Oder an 1986, als die Ölpreise dagegen auf ein Rekordtief stürzten und nebenbei die Sowjetwirtschaft von der Devisenzufuhr abgeschnitten wurde.

In jüngerer Zeit hatten wir dann ein Allzeithoch von knapp 150 Dollar pro Barrel in 2008, gefolgt von Preisniveaus um 30 Dollar wenige Monate später. Das Problem ist also nicht neu. Aber heute hat die Geopolitik mehr Einfluss auf den Ölmarkt als früher. Öl und Gas sind wieder hoch politisiert. Ein schönes Beispiel sind Tweets von US-Präsident Donald Trump, die gern zu Preisausschlägen im Markt führen - egal ob Nachfrage oder Angebot sich bewegen.

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makro: Welchen Einfluss hat denn heute noch die OPEC auf den Ölpreis?

Goldthau: Die OPEC hat es geschafft, seit dem nunmehr fast legendären Treffen im November 2016 den Ölpreis nicht nur zu stabilisieren, sondern von der 30-Dollar-Marke auf 70 Dollar anzuheben. Dies konnte sie jedoch nur im Zusammenspiel mit einem wichtigen weiteren Spieler erreichen: Russland. Als Teil der sogenannten "OPEC+" ist Russland damit zu einem zentralen Akteur im Management des Ölmarktes geworden. Diese Zusammenarbeit funktioniert erstaunlich gut, weil Saudi-Arabien effektiv die alleinige Führungsrolle in der OPEC übernommen hat. Viel wird also davon abhängen, ob und wie lange der Schulterschluss zwischen Riad und Moskau anhält.

makro: In den USA sind im Herbst Kongresswahlen. Donald Trump hat den amerikanischen Wählern billigen Sprit versprochen. In der Tendenz aber ist der Ölpreis bisher gestiegen. Kann Trump den Preis noch drücken?

Goldthau: In der Tat hat Trump bei den Kongresswahlen den Ölpreis im Blick. Er hat die OPEC bereits beschuldigt, den Markt zu manipulieren. Außerdem will er zur Not sogar die strategischen Ölreserven des Landes anzapfen, um die Spritpreise zu senken. Dabei ist es aber für die Preisentwicklung wenig hilfreich, die iranische Ölproduktion vom Markt zu nehmen, wie es die Trump-Administration mit ihren geplanten Sanktionen anstrebt. Allein die so gern beschworene heimische US-Schieferölproduktion wird es nicht richten, Trump ist also auf die Hilfe der großen Produzentenstaaten angewiesen, auf OPEC+.

Saudi-Arabien hat -  zusammen mit Russland - bereits angekündigt, die Versorgung des Ölmarktes zumindest stabil zu halten. Wir sehen auch erste Anzeichen, dass sich die Weltwirtschaft abkühlt. Das könnte für Entspannung sorgen, weil weniger Öl nachgefragt wird. Am Ende wird sich diese Entspannung auf dem Ölmarkt dann Trump als seinen Erfolg auf die Fahnen schreiben. Der geopolitische Unsicherheitsfaktor der Trumpschen Nahostpolitik bleibt aber hoch.

makro: Vor kurzem überraschten Trump und der russische Präsident Wladimir Putin mit einer erstaunlichen Einmütigkeit im Hinblick auf gemeinsame Ölinteressen. Welche Strategie steckt dahinter?

Goldthau: Russland hat ein prinzipielles Interesse an kalkulierbaren, an stabilen Ölpreisen. Trump hingegen ist in der Zwickmühle. Zwar braucht auch er einen akzeptabel hohen Ölpreis für die US-Schieferölindustrie, damit die profitabel arbeiten kann. Gleichzeitig aber ist Trump auch auf einen niedrigen Ölpreis angewiesen, schließlich sollen die Spritkosten in den USA nicht weiter steigen und seine Wähler zufrieden sein. Bei einem Ölpreis von etwa 60 Dollar pro Barrel treffen sich die Interessen beider Staaten. Der Kreml schreibt mit seinen Ölexporten eine schwarze Null, die US-Schieferölindustrie ist ausreichend profitabel und der Preis an den amerikanischen Zapfsäulen steigt nicht zu hoch. 

makro: China hat eine eigene Ölwährung angekündigt, eine Art "Petro-Yuan". Müssen wir auf dem Ölmarkt mit einem neuen selbstbewussten Akteur rechnen?

Goldthau: Als weltweit größter Importeur ist China bereits ein selbstbewusster Akteur im Markt und agiert geschickt. Ein Beispiel sind die geplanten US-Sanktionen auf iranische Ölexporte. China wird davon profitieren. Zum einen preislich, da es angekündigt hat, auch weiterhin iranisches Öl abzunehmen. Das bringt China gegenüber Teheran in eine günstige Verhandlungsposition. Zum anderen wird es nun auch vermehrt verlangen können, in Yuan zu zahlen statt in US-Dollar, der Währung, in der traditionell der globale Ölhandel abgewickelt wird. Den "Petro-Dollar" durch den "Petro-Yuan" zu ersetzen, passt auch in Chinas Strategie, seine Währung als eine globale Alternative zum Dollar aufzubauen.

Das Interview führte Eva Schmidt.

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