"Bewusster einkaufen und planen"

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Lebensmittelverschwendung - "Bewusster einkaufen und planen"

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In Deutschland landen jährlich tonnenweise Lebensmittel im Müll, anderswo auf der Welt hungern Menschen. Ein Problem, gegen das jeder etwas tun kann, so Agrarökonom Matin Qaim.

makro: In Deutschland werden jährlich etwa 18 Millionen Tonnen Lebensmittel verschwendet. Wer trägt hier die Hauptverantwortung?

Matin Qaim: Rund die Hälfte dieser Abfälle ist nicht vermeidbar, weil es sich um Schalen, Knochen, Kerne usw. handelt. Wenn man das abzieht, bleibt aber immer noch eine viel zu große Restmenge. Bei den vermeidbaren Abfällen sind es vor allem die Endverbraucher sowie Großküchen und Lebensmitteleinzelhändler, die erhebliche Mengen wegwerfen.

makro: Laut Welthungerhilfe können von den weltweit produzierten Lebensmitteln zwölf Milliarden Menschen ernährt werden. Könnte also der Hunger in anderen Teilen der Welt gelindert werden, indem wir weniger Lebensmittel verschwenden?

Qaim: Verschwendung zu reduzieren ist ein wichtiger Ansatzpunkt für die Welternährung vor dem Hintergrund knapper natürlicher Ressourcen. Aber das allein wird nicht reichen, um den Hunger zu beenden. Gleichzeitig müssen auch die Produktion umweltverträglich gesteigert und die absolute Armut überwunden werden. Es werden vielfältige Ansätze benötigt, die nicht gegeneinander ausgespielt werden sollten.

makro: In Deutschland geht ein Teil der nicht verkauften Lebensmittel an die Tafeln, doch mehr als die Hälfte wird einfach weggeworfen. Französischen Supermärkten ist das Entsorgen genießbarer Lebensmittel mittlerweile gesetzlich untersagt. Müsste das nicht auch bei uns verboten werden?

Qaim: Gesetzliche Regeln werden hier kaum helfen. Supermärkte haben ja kein Interesse daran, Lebensmittel wegzuwerfen. Vielmehr ist es die Verbrauchererwartung, zu jeder Uhrzeit ein vollständiges Sortiment an Frischeprodukten vorzufinden, die dazu führt, dass erhebliche Mengen letztlich nicht verkauft werden können. Abgesehen davon werden in den Privathaushalten deutlich mehr Lebensmittel weggeworfen als in den Supermärkten. Es muss sich also vor allem das Verbraucherverhalten ändern. Wir benötigen wieder eine höhere Wertschätzung für Lebensmittel.

makro: Aber wem ist eigentlich geholfen, wenn wir weniger Lebensmittel wegwerfen?

Qaim: Die Produktion von Lebensmitteln verbraucht knappe natürliche Ressourcen - wie Ackerland und Wasser - und hat auch erhebliche negative Effekte auf die Umwelt und das Klima. Wenn wir Lebensmittel am Ende nicht essen, sondern wegwerfen, ist das eine unnötige Verschwendung dieser Ressourcen und Umweltgüter. Das ist alles andere als nachhaltig. Weniger wegzuwerfen heißt aber nicht, dass wir stattdessen mehr essen oder überschüssige Mengen verschenken sollten. Vielmehr geht es darum, bewusster einzukaufen und zu planen, so dass Überschüsse in größeren Mengen gar nicht erst anfallen.

makro: Das heißt, jeder Einzelne von uns sollte einfach reflektierter einkaufen?

Qaim: Wenn wir bewusster und damit weniger einkaufen, muss auch weniger produziert werden, und das ist gut für die Umwelt und das Klima. Aber natürlich ist das nur ein Aspekt, der alleine betrachtet nicht alle Probleme löst. Um die Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen zu erreichen, müssen wir an vielen Stellen gleichzeitig ansetzen. Änderungen im Konsumentenverhalten gehören natürlich dazu, ebenso wie nachhaltige Produktivitätssteigerungen in der Landwirtschaft und der Wertschöpfungskette für Lebensmittel.

5 Fakten zur Lebensmittelverschwendung

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