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Dinge erleben, die sonst nicht möglich sind

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Malteser Jugend-Sommerlager - Dinge erleben, die sonst nicht möglich sind

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Es ist ein ganz besonderes Sommerlager: 500 junge Menschen aus 24 Ländern. Nichtbehinderte helfen Behinderten und erleben ein vielfältiges Programm. Die Kulisse - Kloster Ettal.

Malteser Sommerlager im Kloster Ettal
Endlich da! Aus 24 Ländern der Welt kommen die jungen Menschen, die diese Woche im Kloster Ettal am Malteser-Sommerlager 2019 teilnehmen.
Quelle: Daniela Gabler

Es ist einzigartig, was Ehrenamtliche und Menschen mit Hilfebedarf derzeit im Kloster Ettal erleben: Ein einwöchiges gemeinsames Jugendlager für Menschen mit Handicap und für viele Helfer.

Markus Degenfeld mit seinem Betreuer Philipp Grave und ZDF-Redakteurin Daniela Gabler
Markus Degenfeld mit seinem Betreuer Philipp Grave und ZDF-Redakteurin Daniela Gabler
Quelle: Daniela Gabler

Auf dem Programm stehen ein Besuch auf Schloss Herrenchiemsee, ein Hubschrauberflug, Exkursionen u.a. nach München – sowie Rodeln, Klettern, Tanzen, Rafting und sogar Paragliding. Was schon für Menschen ohne körperliche Einschränkungen aufregend ist, ist für den Rollstuhlfahrer Markus Degenfeld ein atemberaubendes Ereignis: "Ich liebe Tandem-Fallschirmspringen. Mit dieser großartigen Hilfe und Unterstützung so vieler Menschen hier ist es viel leichter, einzigartige Dinge zu erleben."

Clemens Schmidt, 28, aus Krefeld freut sich besonders auf die "Silence Night": Bei der nächtlichen Prozession wird nicht gesprochen. Das helfe ihm, intensiv an Menschen zu denken, die ihm lieb und wert sind.

Weltweit größte Freizeit für Menschen mit und ohne Handicap

Etwa 500 junge Menschen aus 24 Ländern nehmen an der einwöchigen Freizeit teil. Das Malteser Sommerlager ist das größte internationale Jugendlager für Menschen mit und ohne Behinderung weltweit. Jedes Jahr findet es in einem anderen Land statt. Letztes Jahr zum Beispiel in Großbritannien, nächsten Sommer ist Italien an der Reihe. Die meisten Teilnehmer kommen aus Europa, viele aber auch aus Ländern Nordamerikas, Afrikas und des Nahen Ostens. Sie verständigen sich auf deutsch, englisch oder mit Zeichensprache.

Gekocht wird von ehrenamtlichen Helfern in der Kloster eigenen Küche
Gekocht wird von ehrenamtlichen Helfern in der Kloster eigenen Küche
Quelle: Daniela Gabler

Über 40.000 ehrenamtliche Stunden erbringen die Helfer und Helferinnen. Sie sind zwischen 18 und 35 Jahren alt: Die Gruppe teilt sich auf in "Gäste", also Menschen mit Handicap, in "Helfer", die eine Person unterstützen, zum Beispiel beim Essen, beim Ankleiden oder durch Rollstuhlschieben. Außerdem gibt es das "Staff-Team", das tatkräftig Rampen gebaut hat oder das tagsüber in der klostereigenen Küche kocht und abends Schichten in der Disco im Keller des Klosters übernimmt. Das gesamte barocke Benediktinerkloster Ettal wurde vom Staff-Team barrierefrei mit Rampen ausgestattet. 

Ich versuche, alles zu tun, dass diese Personen Dinge erleben können, die sie alleine nicht erleben könnten.
Valentin Elverfeldt

"Projekte mit Menschen mit Handicap oder mit solchen, die bedürftig sind, machen mir sehr viel Spaß. Ich versuche, alles zu tun, dass diese Personen Dinge erleben können, die sie alleine nicht erleben könnten. Durch die eins zu eins Betreuung (also eine Person mit Handicap und ein Helfer) freundet man sich an. Es ist für mich jedesmal ein einmaliger Spirit auf den Malteser Sommerlagern," so der 23-jährige Valentin Elverfeldt, der schon zum dritten Mal als Helfer teilnimmt.

Gast, Helfer, Staff: Alle arbeiten zusammen im Team

So nah und selbstverständlich wie in dieser Woche erleben Menschen mit und ohne Handicap sich gegenseitig selten. 24 Stunden sind sie zusammen, machen alles gemeinsam und übernachten auch in eigens gebauten Stockbetten in großen Schlafräumen: Unten schläft der Mensch mit Handicap, die betreuende Person klettert ins Bett darüber.

Sämtliche Exkursionen sind so vorbereitet, dass auch Rollstuhlfahrer teilnehmen können. Die Kosten für diese barrierefreie Infrastruktur sind immens: Etwa 500.000 Euro verschlingt diese eine Erlebnis-Woche. Und das, obwohl Jeder, also auch die ehrenamtlichen Helfer, einen Beitrag für Essen und Unterkunft zahlen. Rund dreiviertel der Kosten konnten über Spenden abgedeckt werden - "ein gewaltiger Kraftakt an Crowdfunding war das", so Organisatorin Amelie von Aulock.

Die Freude zu sehen bei der Person, der ich helfe, ist ganz besonders und intensiv beglückend.
Conni Schmidt

Fragt man die Teilnehmer, so hat sich der Aufwand auf jeden Fall gelohnt: "Diese Malteser-Woche ist das Tollste, was ich je gemacht habe", sagt Conni Schmidt aus Krefeld. "Die Freude zu sehen bei der Person, der ich helfe, ist ganz besonders und intensiv beglückend - viel schöner, als nur für sich selbst zu sorgen."

Am Sonntag ist das Sommerlager zu Ende. Was bleibt, sind eindrucksvolle Erinnerungen und Freundschaften übers Internet, die barrierefrei gepflegt werden können – bis zum nächsten Sommerlager 2020: Dann in ltalien.

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