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Manfred Weber - Der Mann, der aus der Provinz kam

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Von Niederbayern nach Brüssel? Dass er mal den Sprung auf die große europäische Bühne wagen würde, hatte dem eher stillen Politiker aus Niederhatzkofen wohl niemand zugetraut.

Archiv: Manfred Weber am 21.02.2018 in Rom
Manfred Weber
Quelle: ap

Manfred Webers Karriere begann unspektakulär und unauffällig als Kreisrat von Kelheim. Der Versuch, in den Landtag zu kommen, scheiterte zunächst. Erstmalig wahrgenommen wurde Weber, als er 2003 als Nachfolger von Markus Söder Landesvorsitzender der bayerischen Jungen Union wurde. Schon ein Jahr später wurde er ins EU-Parlament gewählt. In seiner niederbayerischen Heimat galt das eher als exotisches Betätigungsfeld. Doch Weber blieb auch in seiner Heimat aktiv und errang 2008 den Vorsitz des CSU-Bezirks Niederbayern.

Stille Beharrlichkeit

Mit seiner ruhigen, ausgleichenden Art zog er sowohl in seinem Bezirksverband als auch im Europaparlament die Fäden. Viele mögen ihn unterschätzt haben, aber Manfred Weber hat sich durch stille Beharrlichkeit weithin Respekt und Anerkennung geschaffen.

Dabei hat er es als Europapolitiker innerhalb der CSU wirklich nicht leicht. Für die Parteispitze um Seehofer und Söder gehört es nach wie vor zum guten Ton auf "die in Brüssel" zu schimpfen. In bayerischen Bierzelten kommt das immer gut an. Europapolitiker wie Weber führten immer ein Schattendasein im CSU-Vorstand. Akzeptiert, aber nicht weiter beachtet.                                    

Als sich die Parteispitze im Frühjahr für harte Alleingänge in der Flüchtlingsfrage einsetzte, blieb Manfred Weber einer der Mahner, der auf eine einvernehmliche europäische Lösung setzte. Gehört hat niemand auf ihn. In der öffentlichen Wahrnehmung blieb er ein einsamer Rufer in der Wüste.

Weber sieht sich als Visionär

In internen Runden kritisiert Weber oft den offiziellen Kurs der CSU. Die komplette Parteispitze sei aus Angst vor der AfD auf einen populistischen Kurs eingeschwenkt und denke nur noch an die nächsten Wahlen. Weber sieht sich selbst als Visionär, der auch in schwierigen Zeiten an der großen Idee der europäischen Einheit festhält. Ein wirtschaftlich und sozial starkes Europa sei gerade jetzt gegenüber den USA und China unabdingbar, so sein Credo.

Überhaupt sieht er in der politischen Mitte Deutschlands keine Führungspersönlichkeiten mehr, die über den Tag hinausdenken und strategische Debatten führen. Die damalige Einführung des Euro gegen zahlreiche Bedenken und Widerstände durch Helmut Kohl und Theo Waigel wäre heute kaum noch durchsetzbar.

Der Einzelkämpfer

Eigentlich redet die gesamte CSU nur über die kommende Landtagswahl in Bayern, bei der es "ums Ganze" geht. Die absolute Mehrheit scheint praktisch nicht mehr erreichbar. Es geht den Christsozialen vor allem darum, möglichst viele Wähler wieder von der AfD zurückzuholen. Die Nervosität ist groß. Da will zur Zeit niemand etwas von Europa und auch nicht von der Bundesregierung wissen.

Und just in dieser Zeit tritt Manfred Weber spektakulär als Kandidat für den EU-Kommissionsvorsitz an und versichert sich dabei auch der Unterstützung durch die bei den Christsozialen unbeliebte Kanzlerin Merkel. Aber so war es immer. Manfred Weber zieht die Fäden im Verborgenen und tritt dann unvermittelt auf die Bühne. Gewählt ist er noch lange nicht. Aber man sollte den Mann aus der niederbayerischen Provinz nicht unterschätzen.

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