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Mediziner-Notstand in Deutschland - Kinderärzte: Arbeiten am Limit

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Mehr Vorsorge, mehr Impfungen, mehr Kinder aus schwierigen Verhältnissen: Die Wartezimmer von Kinderärzten sind überfüllt - und eine Lösung ist nicht in Sicht.

Die Arbeit der Kinderärzte hat sich massiv verändert. Viele Kinderarztpraxen nehmen keine neuen Patienten mehr auf, da sie jetzt schon am Limit sind.

Beitragslänge:
1 min
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Imole klettert auf die Liege im Behandlungszimmer von Dr. Stefan Trapp. Der Vierjährige kommt zur Vorsorgeuntersuchung - soll zeigen, was er schon kann. Er ist kerngesund, wie gut ein Drittel der kleinen Patienten, die der Arzt täglich in der Bremer Kinderarztpraxis sieht. Sie kommen zur Prävention, zur Impfung, zur Beratung.

Mehr Vorsorge, mehr Sozialmedizin

Die Arbeit der Kinderärzte hat sich in den letzten Jahrzehnten enorm verändert. Pro Kind müsse sehr viel mehr Zeit eingeplant werden, sagt Stefan Trapp: "Wir werden zunehmend für nicht medizinische Fragestellungen in Anspruch genommen, für Verhaltensauffälligkeiten und auch organisatorische Dinge, wie einen Kindergartenplatz zu besorgen." Genau den bräuchte Imole dringend, weil er kaum deutsch spricht, erklärt der Arzt den Eltern, die erst seit drei Jahren in Deutschland leben.   

Unterdessen füllt sich das Wartezimmer der Gemeinschaftspraxis, die Stefan Trapp mit drei Kollegen in Bremen-Huchting betreibt. Sie sind zuständig für etwa 6.000 Kinder aus dem Viertel, hinzu kommen Patienten aus dem niedersächsischen Delmenhorst, das gleich hinter der Stadtgrenze liegt. Dort ist kürzlich ein Kinderarzt in den Ruhestand gegangen. Einen Nachfolger gibt es nicht. Einige Kinder wechselten daraufhin zu Stefan Trapp, auch Imole und seine kleine Schwester.

Das Beispiel steht für ein demografisches Dilemma: In einer Zeit, in der es wieder mehr Nachwuchs in Deutschland gibt, gehen die Kinderärzte aufs Rentenalter zu. Und die, die noch da sind, arbeiten am Limit. Die Gemeinschaftspraxis in Bremen-Huchting ist kein Einzelfall. Überall im Land klagen Eltern über Engpässe.

Veraltete Bedarfspläne

Vor allem in den wirtschaftlich ärmeren, aber kinderreichen Orten sei die Belastung groß, sagt Trapp. Hier gehen Eltern mit ihren Kindern besonders oft zum Arzt, auch weil sie im Umgang mit Krankheiten unsicher seien. So könnten Stefan Trapp und sein Team gut einen weiteren Kollegen beschäftigen, aber die sogenannte Bedarfsplanung von Krankenkassen, Ärzten und Krankenhäusern genehmigt zusätzliche Stellen nur in Ausnahmefällen.

Denn auf dem Papier gibt es genug Kinderärzte in Deutschland. Doch das Regelwerk, das seinen Ursprung in den 1990ern hat, sei veraltet, unflexibel, kritisieren Kinderärzte. Es berücksichtige keineswegs den gestiegenen Zeitaufwand pro Patient, zum Teil infolge zunehmender chronischer und psychischer Leiden. "Diese Betrachtung, was ein Arzt 1990 in seiner Praxis in 60 Wochenstunden weggeschafft hat, einfach auf das Jahr 2018 zu projizieren, funktioniert nicht mehr", so Trapp.

Weitere Stelle zugelassen

Immerhin wurde nun - nach eingehender Prüfung - in Bremen eine weitere Stelle in einem ärmeren Stadtteil zugelassen. Auch in Hamburg und Berlin konnten sich nach einem solchen Verfahren zusätzliche Kinderärzte niederlassen. Ein erster Schritt, doch viel zu kurz gedacht, sagt Stefan Trapp, der sich im Verband der Kinder- und Jugendärzte engagiert: "Die eine zusätzliche Stelle, die für Bremen zugelassen wurde, ist ein sogenannter Sonderbedarf. Der wird nicht von den Krankenkassen finanziert, sondern aus dem Honorar der anderen Kinderärzte. Das kann keine Lösung sein."

Ein guter Plan müsse definieren, wie Kinder und Jugendliche hierzulande versorgt werden sollen, und dann berechnen, wie viele Ärzte dafür gebraucht werden. Doch an eine zeitnahe Lösung scheint er nicht zu glauben "Es scheitert daran, dass die Politik nichts entscheidet", sagt er. Dann muss er weiter, einen Verband wechseln. Während vor der Praxis Eltern und Kinder warten, reingelassen zu werden.

Experte zur Lage in Deutschland

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