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Manifest gibt Einblick - Christchurch: Der Hass des Täters

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Rassist, Kreuzfahrer und angeblich auch Umweltschützer: Der Todesschütze von Christchurch schildert auf 74 Seiten sein Tatmotiv - und nennt als Vorbild den Amokläufer Breivik.

Nach dem Angriff auf zwei Moscheen mit mindestens 49 Toten steht Neuseeland unter Schock. Premierministerin Ardern nannte es einen der "dunkelsten Tage" in der Geschichte des Landes.

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Wie der norwegische Massenmörder Anders Behring Breivik hat auch der Todesschütze von Christchurch ein Manifest verfasst, in dem er seine brutale Tat rechtfertigt und Einblick in seine hasserfüllte Gedankenwelt gibt. Das 74 Seiten starke Dokument wurde in sozialen Netzwerken im Internet unter dem Namen Brenton Tarrant veröffentlicht. Darin bezeichnet sich der 28-jährige Australier selbst als weißen Nationalisten und Faschisten, der Einwanderer hasst.

Vergeltung für Anschläge von Muslimen

Den Angriff in Christchurch am Freitag begründet er mit Vergeltung für die Anschläge von Muslimen in Europa. Er habe entschlossen, selbst zu Gewalt zu greifen, nachdem er bei einer Reise durch Europa 2017 mitbekommen habe, dass ein gebürtiger Usbeke in Stockholm in eine Menschenmenge gerast war und fünf Menschen getötet hatte, schreibt der Mann.

Auf zwei seiner Waffen standen Referenzen auf ein elfjähriges Mädchen, das bei dem Anschlag damals ums Leben kam. Er wollte Angst säen, aber auch wie so viele Massenmörder der Geschichte berühmt werden, wie nicht nur aus dem Manifest deutlich wird, sondern auch aus der Tatsache, dass er den Angriff über eine Helmkamera live im Internet streamte.

In dem Manifest schreibt er, er hoffe, die Tat zu überleben, um danach seine Ideen besser über die Medien zu verbreiten. Er wurde festgenommen, nachdem er in einer Moschee 41 Menschen tötete. Ob auch die Opfer in einer zweiten Moschee auf sein Konto gingen, war am Freitag noch nicht hundertprozentig gesichert. In dem Manifest nannte er jedoch die zweite Moschee in Linwood und auch eine dritte in der Stadt Ashburton als weitere Ziele.

Angeblich auch Umweltschützer

Der 28-Jährige gibt in dem Dokument auch eine Erklärung dafür ab, warum er ausgerechnet das liberale und weitgehend friedliche Neuseeland für seine Tat ausgesucht hat. Er habe zeigen wollen, dass kein Ort auf der Welt wirklich sicher sei und dass es selbst in entlegensten Teilen der Welt "Massenmigration" gebe. Von Massen kann allerdings keine Rede sein. Premierministerin Jacinda Ardern hatte vergangenes Jahr angekündigt, ab 2020 jährlich 1.500 Migranten ins Land zu lassen statt wie bisher 1.000.

Der junge Mann, der nach eigenem Bekunden in einer australischen Arbeiterfamilie aufwuchs, bezeichnet sich selbst nicht nur als Faschisten und Nationalisten, sonder auch als Umweltschützer. Zudem äußert er in dem Manifest Abscheu für das reichste eine Prozent der Weltbevölkerung. Dann heißt es wieder, die Nation, die am ehesten seine Werte vertrete, sei China, die Person, die ihn am meisten beeinflusst habe, die rechtskonservative US-Kommentatorin Candace Owens - die schrieb auf Twitter, sie werde gegen jeden rechtlich vorgehen, der sie als Inspiration für den Angreifer darstelle.

Angeblich Kontakt mit Breivik gehabt

Im Verlauf des gesamten Manifests kehrt der Schütze aber immer wieder zum Verhältnis zwischen europäischstämmigen Menschen mit christlichem Hintergrund und Muslimen als zentralem Thema zurück. Vor drei Monaten begann er dem Manifest zufolge mit der Planung des Anschlags in Christchurch. Er gehöre keiner Organisation oder Gruppe an, habe aber einigen nationalistischen Vereinigungen Geld gespendet und Kontakt mit einer Gruppe namens "Wiedergeborene Tempelritter" gehabt, die auch Breivik als seine Unterstützer darstellte. Der Massenmörder von Oslo und Utøya habe seine Pläne gutgeheißen, schreibt der Mann.

Breivik sitzt wegen Mordes an 77 Menschen im Jahr 2011 in Norwegen im Gefängnis. Sein Anwalt Øystein Storrvik sagte der norwegischen Zeitung "VG", sein Mandant habe nur sehr wenig Kontakt mit der Außenwelt und es erscheine sehr unwahrscheinlich, dass er mit dem Schützen von Christchurch korrespondiert habe.

Sein Ziel: Angst bei Zuwanderern schüren

In dem Manifest legte der Australier auch dar, was er mit seinem Anschlag bewirken wollte: dass aus Angst vor Gewalt weniger Immigranten kommen, dass ein Keil zwischen die Nato und die Türkei getrieben wird und dass es in den USA zu einem Konflikt über die Waffengesetze kommt, der letztlich zu einem Bürgerkrieg führt, an dessen Ende Menschen anderer Hautfarbe von Weißen getrennt würden.

Sein rechtsextremer Hintergrund wird auch aus dem Video des Angriffs deutlich. Dort ist zu sehen, dass auf seinem Gewehr die Zahl 14 steht, die als Verweis auf eine bekanne rassistische Parole mit 14 Wörtern gelesen werden kann. Auch die Schwarze Sonne, ein von vielen Rechtsextremen verwendetes Symbol, ist zu sehen. Er selbst habe seine Opfer ausgewählt, weil sie Invasoren seien, die Weiße ersetzen wollten, schreibt der Mann in dem Manifest weiter. Für ihren Tod werde er keine Reue spüren.

Zynische Sprüche

Und davon ist in dem Video tatsächlich nichts zu sehen. Stattdessen sagt er zynisch: "Lasst die Party losgehen". Dann nimmt er seine Waffe und stürmt in die Moschee, wo er das Feuer eröffnet. Vor der Tat ist in seinem Auto ein serbisches Lied zu hören, in dem dem verurteilten Kriegsverbrecher Radovan Karadzic gehuldigt wird. Danach steigt er wieder in sein Auto, wo immer noch die Musik läuft.

Offenbar auch wieder inszeniert für einen möglichst dramatischen Effekt ist es "Fire" von der englischen Rockband The Crazy World of Arthur Brown. Nachdem der Sänger singt "I am the god of hellfire!" (Ich bin der Gott des Höllenfeuers), fährt der Mann davon.

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