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Fußball-WM - Reus' Hoffnung auf Erfüllung

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Marco Reus steht nach viel Verletzungspech gegen Mexiko vor seinem ersten WM-Einsatz. Etwas voreilig mutet an, dass er einigen Experten schon als Hoffnungsträger gilt.

Marco Reus beim Training
Marco Reus beim Training Quelle: epa

Marco Reus hat die Szene gar nicht mitbekommen, obwohl er der Hauptprotagonist war, zumindest für diesen kurzen Moment. Den Fernseher hatte er bereits ausgeschaltet, als sein Kumpel Mario Götze und die anderen Kollegen vor vier Jahren im fernen Rio de Janeiro nach dem Tor zum Titel im Finale gegen Argentinien das Trikot von Reus präsentierten. Doch der Offensivspieler von Borussia Dortmund hatte kurz nach dem Schlusspfiff genug gesehen. Voller Freude zwar, dass die Mannschaft gerade Weltmeister geworden war. Zugleich aber auch voller Trauer, dass er daheim und ohne den wichtigsten Titel im Fußball bleiben musste.

Viel Verletzungspech

Im letzten Test vor der WM 2014 in Brasilien hatte sich Reus gegen Armenien schwer verletzt. Syndesmose-Teilriss, knöcherner Bandausriss lautete die niederschmetternde Diagnose. Vor der EM 2016 wiederholte sich die Geschichte, nur die Blessur war eine andere. Wegen einer hartnäckigen Schambein-Entzündung musste er aus dem Trainingslager der DFB-Auswahl abreisen, niedergeschlagen, mit Tränen in den Augen. Und weil er sich im Pokalfinale 2017 auch noch einen Kreuzbandriss zuzog, bestärkte dies den Eindruck, seine auch über diese drei schweren Verletzungen hinaus endlos lange Krankenakte werde ihm immer wieder einen Strich durch seine hoffnungsvollen Rechnungen machen.

An diesem Sonntag beim Auftaktspiel der deutschen Nationalmannschaft gegen Mexiko in Moskau aber muss Reus nicht vor dem Fernseher sitzen. Er wird vielmehr im Kreis der Mannschaft sein, wenn auch wohl nicht von Beginn an auflaufen. Aber mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit darf er zumindest mit einem Joker-Einsatz rechnen. 29 Jahre alt musste Reus werden, um vor seinen ersten WM-Minuten zu stehen. Wenn nicht doch noch etwas dazwischen kommt, das weiß man bei ihm ja nie.

"Ich würde lügen, wenn ich sagte, dass ich nicht daran denke", ließ er im WM-Trainingslager in Eppan noch verlauten, als es um seine Furcht vor einer neuerlichen Verletzung ging. Auch Bundestrainer Joachim Löw bangte vernehmbar, ob diesmal alles glatt geht. Doch Reus‘ Körper spielt mit, bisher jedenfalls. Alle Trainingseinheiten konnte er voll durchziehen. "Ich habe Lust auf Fußball, den Rest kann ich ohnehin nicht beeinflussen", sagt er vor seinem nun anstehenden 32. Länderspiel.

Vielen gilt Reus als Hoffnungsträger

Bei einer ständig von Rückschlägen durchzogenen Vita mutet es allerdings beinahe paradox an, dass Reus nun sogar oft als großer Hoffnungsträger der deutschen Elf bezeichnet wird. Ohne ihn waren die DFB-Auswahl Weltmeister geworden. Doch nicht wenige Experten glauben, dass es diesmal im Laufe des Turniers stark auf Reus ankommen wird. Zu diesen Experten scheint durchaus auch Löw zu gehören, wenngleich er ihn erst einmal behutsam integrieren will. Löw sagt: "Marco kann wichtige Akzente setzen und sicher seinen Beitrag leisten, dass wir hoffentlich sehr weit kommen."

Besonders hervorgehoben hat der Bundestrainer den Dortmunder zuletzt mehrfach. "Marco ist wahnsinnig geschickt, intelligent, überraschend. Es wirkt bei ihm so leicht und spielerisch. Marco ist eine Rakete", verkündete Löw. Das Bild der Rakete Reus ist gerne aufgegriffen worden, nicht nur von den Medien, sondern auch von Reus. "Der Bundestrainer erwartet, dass ich zünde", sagte er. Löw sieht in ihm ganz offensichtlich einen jener Spieler, die die Sinne der etablierten Weltmeister schärfen und sie antreiben können. Und zudem einen hochveranlagten Kicker, der den Unterschied ausmachen kann in den großen Spielen. Mit seinen Dribblings, gedankenschnellen Finten und überraschenden Pässen. Und sei es nur als Joker.

Hochbegabter mit anfälligem Körper

Im letzten und insgesamt wenig erbaulichen Test gegen Saudi-Arabien war Reus schon einmal der Lichtblick, weil er gut und engagiert spielte sowie ein Tor vorbereitete. Eigentlich Elemente, die von der gesamten Mannschaft erwartet werden dürfen. Aber bei Reus wurde sichtbar, dass er sich nicht nur durch seine besonderen fußballerischen Fähigkeiten von den meisten Kollegen unterscheidet, sondern auch durch seine besondere Motivation. Manche Experten sehen ihn von seiner Veranlagung her gar auf einer Stufe mit den kickenden Weltstars Lionel Messi (Argentinien), Cristiano Ronaldo (Portugal) und Neymar (Brasilien). Und ehemalige Nationalstürmer von Lukas Podolski bis Cacau trauen Reus zu, der herausragende deutsche Spieler dieser WM zu werden.

Doch vielleicht ist all das schon wieder ein bisschen viel Ballast für den Hochbegabten mit dem anfälligen Körper. Gegen Mexiko steht Reus ja vor seinem erst dritten Spiel bei einem großen Turnier, nach seinen beiden Einsätzen bei der EM 2012. Vermutlich ist es ganz gut, dass Reus sich nicht zu viel auf einmal vornimmt. Und dass er weiß, in seiner womöglich einzigen WM der Karriere ohnehin nicht alles nachholen zu können, was er durch seine Verletzungen verpasst hat. Er kann nun Neues schaffen, bestenfalls sogar einen neuen Titelgewinn. Er sagt es so: "Ich muss mir alles erarbeiten, umso erfüllender ist es."

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