Sie sind hier:

Hearing im US-Kongress - Mark Zuckerberg auf dem heißen Stuhl

Datum:

Facebook-Chef Zuckerberg muss dem US-Kongress Rede und Antwort stehen. Der Unmut über die Techkonzerne wächst, doch von strengen Regulierungen wie in der EU ist man weit entfernt.

Marc Zuckerberg
Marc Zuckerberg Quelle: ap

Lange hat er sich davor gedrückt, doch diese Woche wird Facebook-Gründer Mark Zuckerberg zum ersten Mal vor dem US-amerikanischen Kongress aussagen. Der Datenskandal rund um Cambridge Analytica hat es unumgänglich gemacht, dass sich der ansonsten öffentlichkeitsscheue CEO den Fragen der US-Politik stellt. Lange Zeit wurde den Tech-Firmen von der Politik ein Freibrief ausgestellt. Mehr noch: Sie wurden von vielen Politikern hofiert, nicht zuletzt auch von Ex-US-Präsident Barack Obama.

US-Gesellschaft horcht auf

Die Weitergabe von User-Daten an Cambridge Analytica und die fragwürdige Rolle, die Facebook, Twitter und Google im US-Präsidentschaftswahlkampf 2016 gespielt haben, hat für Teile der amerikanischen Gesellschaft jetzt aber das Fass zum Überlaufen gebracht. Von allen Seiten hagelt es seither Kritik, Kongressabgeordnete widmen sich dem Thema, das Trump-nahe rechtspopulistische Network Breitbart veranstaltet eine Konferenz zu den Gefahren von "Big Tech". Und US-Präsident Donald Trump selbst hat in seinen Tweets Amazon und dessen CEO Jeff Bezos zum Feind auserkoren.

Es entsteht der Eindruck, dass die Techkonzerne zum ersten Mal seit ihrer Gründung unter massivem Druck stehen und um ihr "Business as usual" fürchten müssen. Doch von einem Konsens darüber, ob und wie Facebook und Co. in die Schranken gewiesen werden sollen, ist die Politik weit entfernt.

Experte hält gesetzliche Regulierung für unwahrscheinlich

"Demokraten und Linke sind vor allem besorgt wegen der Beeinflussung der Wahlen und dem Datenschutz. Republikaner und Konservative kritisieren, dass Internetkonzerne Algorithmen anwenden, die liberale Sichtweisen bevorzugen. Und die Alt-Right-Bewegung ist empört, dass sie immer öfter von den Plattformen zensiert und vertrieben wird", erklärt Ethan Zuckerman, Leiter des Civic Media Lab am Massachusetts Institute of Technology (MIT).

Zuckerman geht nicht davon aus, dass die Hearings eine Reihe von Gesetzesvorschlägen für stärkere Regulierung auslösen werden. Zu groß sei die Angst, dass dadurch neue Innovationen abgewürgt würden. "Außerdem glauben viele US-Amerikaner, dass die Regierung einfach nichts von der Thematik versteht und dementsprechend die Probleme nur verschlimmern würde", sagt Zuckerman. Hinzu kommt, dass zum Beispiel Facebook just jenen Ausschüssen, vor denen nun ausgesagt wird, in der Vergangenheit viel Geld hat zukommen lassen, um für eine günstige Gesetzgebung zu lobbyieren. Und das Weiße Haus unter Präsident Trump bemüht sich derzeit, möglichst viele Regulierungen abzuschaffen.

Kongress-Auftritt als Nagelprobe

Der Auftritt vor dem Kongress könnte für Facebook trotzdem zu einer Art Nagelprobe werden - darüber, ob das Vertrauen der US-Konsumenten nachhaltig angekratzt ist, und die Angst darüber, wie private Daten eingesetzt werden, überhand nimmt. "Wir haben bisher immer darüber hinweggesehen, dass Facebook im Grunde genommen eine Werbefirma ist, die Daten verkauft", sagt Robinson Meyer, Tech-Reporter des "Atlantic"-Magazins.

Während in Europa schon seit 2011 vor den Gerichten ausgehandelt wird, welche Daten Facebook weitergeben darf, ist der Ansatz in den USA ein vollkommen anderer. Das Recht auf freie Meinungsäußerung (1. Verfassungszusatz) nimmt eine so große Bedeutung ein, dass jegliche Art von Kontrolle und Regulierung - vor allem durch die Politik - automatisch als Zensur interpretiert wird. US-Organisationen, die sich mit neuen Technologien auseinandersetzen, sind immer wieder mit diesem zweischneidigen Schwert konfrontiert: Ist die freie Meinungsäußerung ein höheres Gut als der Schutz von Daten und Privatsphäre?  

Facebook nimmt negative Seite des Geschäfts bewusst in Kauf

"Die Größe und Weite des Landes hat es historisch mit sich gebracht, dass die Privatsphäre als etwas Gegebenes angenommen wurde und nicht erkämpft wurde", erklärt Zuckerman. "Die Debatte über den Schutz privater Daten und der Privatsphäre wird hier nach wie vor nur von den Eliten geführt. Der Rest interessiert sich nicht dafür."

Neben den kulturellen Unterschieden ist auch die Weltwirtschaftskrise ein Teil der Erklärung dafür, warum Tech-Konzerne in den USA so schnell und ohne Aufsicht wachsen konnten: "Zur Zeit der Rezession 2007 gab es sehr wenige positive Geschichten über Amerika, der Aufstieg der sozialen Netzwerke war die große Ausnahme, deshalb haben wir auch so lange weggeschaut", meint Robinson Meyer.

Bei Facebook selbst hat man schon länger erkannt, dass die Plattform auch destruktive und fragwürdige Praktiken hat. In einem internen Dokument spricht Vize-Präsident Andrew Bosworth aus, dass die Firma für Wachstum auch negative Konsequenzen in Kauf nimmt: "Die hässliche Wahrheit ist, dass wir so sehr daran glauben, Menschen miteinander zu verbinden, dass alles, was uns dabei hilft, das zu tun, 'de facto' auch gut ist."

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.