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Urteil des Bundesgerichtshofes - Kundin ist nicht gleich Kunde

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Marlies Krämer will in Vertragstexten als "Kundin" erkennbar sein - nicht nur als "Kunde". Sie klagte gegen ihre Sparkasse, heute entscheidet der Bundesgerichtshof.

Mann, pardon, Frau, das kann doch nicht wahr sein, mag sich manch einer bei diesem Verfahren denken, das der Bundesgerichtshof (BGH) nun entscheiden muss. Doch Marlies Krämer ist es bitterernst, zu lange fühlt sie sich als Frau benachteiligt. Der rüstigen 80-Jährigen geht es ums Prinzip. Seit Jahrzehnten ist sie Kundin der Sparkasse Saarbrücken. Auf den Formularen des Kreditinstituts wird sie jedoch immer "Kontoinhaber", "Kunde", "Sparer" oder "Einzahler" genannt - angesprochen fühlt sie sich nicht, denn sie möchte als das wahrgenommen werden, was sie ist - als Frau.

"Generisches Maskulinum" contra "Generisches Femininum"

Also: Warum sehen die Vordrucke denn nicht "Kundin", "Einzahlerin", "Kontoinhaberin" oder "Sparerin" vor? Der Deutsche Sparkassen- und Giroverband reagiert überrascht auf die Aufregung, argumentiert mit dem sogenannten "generischen Maskulinum", das verallgemeinernd, also geschlechtsneutral, verwendet werde. Oftmals beinhalteten die Formulare meist rechtlich komplexe Texte, die dann mit entsprechenden Anreden noch komplizierter würden, meint der Verband.

Außerdem habe das Bundesverfassungsgericht vor ein paar Monaten das "dritte Geschlecht" anerkannt - was das für Formulare bedeuten würde, mag man sich noch nicht vorstellen. Und in persönlichen Schreiben würde man selbstverständlich die Kundin auch persönlich als Frau anreden. Die bekennende Feministin Marlies Krämer sieht sich trotzdem benachteiligt und hält dagegen: Wie wäre es stattdessen mit dem "generischen Femininum"? Denn bei "Bürgerin," "Journalistin", "Kundin" oder "Lehrerin" sei die männliche Form bereits enthalten.

Klage in Vorinstanzen ohne Erfolg

Die Klage von Marlies Krämer hatte in zwei gerichtlichen Vorinstanzen allerdings keinen Erfolg. Zuletzt sah das Landgericht Saarbrücken in der über 2.000 Jahre gewachsenen Tradition des generischen Maskulinum - eine historisch gewachsene Übereinkunft über die Regeln der Kommunikation - keine Diskriminierung. Das sieht Frau Krämer anders: Sprache, die seit 2.000 Jahren falsch rübergebracht wurde, sollte nicht noch die nächsten 2.000 Jahre falsch rübergebracht werden.

In der Verhandlung vor dem VI-Zivilsenat des BGH, besetzt mit zwei Richterinnen und drei Richtern, wurden Zweifel an den Erfolgsaussichten der Klage deutlich, denn auch die Gesetzessprache würde die männliche Form geschlechtsneutral verwenden.           

Sollte der BGH ihre Klage abweisen, dann will Marlies Krämer den juristischen Weg weitergehen, das Bundesverfassungsgericht einschalten, vielleicht auch den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR). Sie sei bei allem nicht verbissen, aber gefallen lassen müsse sie sich das nicht.

Auf das Urteil darf Man(n), pardon, Frau, gespannt sein.

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