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Filmmusik - Der Vater der Winnetou-Melodien wird 90

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Wie klingt das Indianer-Leben? Martin Böttcher hat als Komponist der Winnetou-Filme den Wilden Westen in Millionen von Ohren gezaubert. Mit der "Old Shatterhand"-Melodie schaffte er es sogar an die Spitze der Charts. Heute feiert Böttcher seinen 90. Geburtstag.

Karl May ist der meistgelesene deutsche Schriftsteller. Wie ist es ihm gelungen, die Schauplätze seiner Romane so realitätsnah zu beschreiben, dass seine Leser sie für wahr hielten?

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Ohne seine Musik wären Winnetou und Old Shatterhand wohl nur als halb so erfolgreiche Blutsbrüder in die Filmgeschichte eingegangen. Gelesen hat Komponist Martin Böttcher dennoch kein einziges Karl-May-Buch. "Auch wenn Moderator Frank Elstner mir mal extra den "Schatz im Silbersee" geschenkt hat", sagt Böttcher.

17 Wochen lang an der Spitze der Charts

"Aber ich habe die Geschichten so oft gesehen, da brauchte ich sie nicht zu lesen." In den Kinofilmen der 1960er-Jahre spielte neben Winnetou (Pierre Brice), Old Shatterhand (Lex Barker) und Old Surehand (Stewart Granger) seine Musik die Hauptrolle. Inzwischen ist Böttcher, der am heutigen Samstag 90 Jahre alt wird, Ehrenhäuptling.

Den Häuptlingsnamen "Großer Vater der Melodien" gaben die Karl-May-Spiele von Bad Segeberg Böttcher vor einigen Jahren. Wenn Apachenhäuptling Winnetou in jedem Sommer in den Vorstellungen erstmals in das Freilichttheater am Kalkberg einreitet, dann nicht ohne die berühmte Filmmelodie. Am Freitag stand dort die erste Präsentation einiger Szenen aus der neuen "Old Surehand"-Inszenierung auf dem Programm.

Bei der Premiere am 24. Juni wolle er dabei sein, sagt Böttcher. Zehn Karl-May-Streifen untermalte er für die Leinwand. Der Urenkel eines Weimarer Hofkapellmeisters wurde so zu einem der erfolgreichsten Filmkomponisten Deutschlands. 1962 führte seine "Old Shatterhand"-Melodie 17 Wochen lang die deutschen Charts an.

"Schon mal kurz vorm Herzinfarkt"

Auch für das jüngste große Filmprojekt rund um den Winnetou-Mythos, einen RTL-Dreiteiler, wurde teilweise auf Böttchers Thema zurückgegriffen. "Vergleichen kann man die Filme aber nicht", sagt er, "die Neuverfilmung war einfach ganz etwas anderes." Als er damals die Musik zur Karl-May-Szenerie schrieb, sei ihm dies leicht gefallen, erinnert er sich. Und natürlich gehöre sie zu seinen Lieblingsstücken. "Mit ihr hatte ich am meisten Erfolg, aber ich habe auch andere Lieblinge unter meinen Arbeiten, zum Beispiel "Lange Beine - lange Finger" mit Senta Berger."

Sein Debüt als Komponist bei einer Spielfilm-Produktion gab Böttcher 1955 in "Der Hauptmann und sein Held". Schon der zweite Film wurde ein großer Erfolg: "Die Halbstarken" (1956) mit Horst Buchholz. Unermüdlich vertonte der Musiker danach immer neue Geschichten - zunächst für das Kino, später vor allem für das Fernsehen. "13 kleine Esel" mit Hans Albers und Heinz Rühmanns "Pater Brown"-Filme gehörten ebenso dazu wie Edgar Wallace-Filme und zuletzt "Pfarrer Braun" (bis 2013).

Böttcher schrieb und schrieb - das blieb auch für seine Gesundheit nicht ohne Folgen. "Mit 35 und mit 37 war ich schon mal kurz vorm Herzinfarkt. Damals sagte mir mein Arzt: Wenn du dein Leben nicht grundsätzlich änderst, dann übernehme ich keine Garantie mehr. Ich hatte definitiv zu viel gearbeitet", erinnert er sich noch sehr genau. "Wir sind dann in die Schweiz gezogen, ich habe meinen Lebenswandel geändert - das hat geholfen." Seit zwei Jahren leben er und seine Frau wieder im Norden, in Westerrönfeld bei Rendsburg, wo auch die Tochter wohnt.

Einziger Wunsch: "Gesund bleiben"

Den Weg nach Hollywood ging er nicht. "Meine Managerin hatte mich nach Amerika geschickt, ich hätte sofort anfangen können. Aber wir waren gerade in die Schweiz umgezogen, meine Familie hätte mich umgebracht." Ob er heute bereue, es nicht in der "Traumfabrik" versucht zu haben, wisse er nicht. "Da drüben ging es ja auch hart zu." Aber es gibt Melodien zu Hollywood-Erfolgen, um die er Kollegen beneidet. "Die Stücke von Henry Mancini zum Beispiel, der unter anderem für "Frühstück bei Tiffany" komponiert hat. Und natürlich Ennio Morricones "Spiel mir das Lied vom Tod"."

Jazz-Gitarrist Böttcher, der seit einem Sturz als Kind auf einem Ohr nichts mehr hört, hatte sich während des Krieges in der Gefangenschaft das Gitarrenspiel selbst beigebracht. Nach dem Krieg führte ihn der Weg nach Hamburg, wo er im Tanz- und Unterhaltungsorchester des Nordwestdeutschen Rundfunks anfing. 1954 entschied er, der eigentlich Pilot war, sich endgültig fürs Komponieren. Heute schreibt er nichts mehr. "Ich habe genug komponiert, und es gibt doch gute Jungs, die das ebenso können."

Als "Meister großartiger Filmmusiken, die zeitlos sind", würdigte ihn die Jury des Deutschen Musikautorenpreises, als sie ihn 2016 für sein Lebenswerk auszeichnete. "Seine Musik geht direkt ins Herz." Seine Melodien besäßen enorme Ohrwurm-Qualitäten und zählten zum Allgemeingut, sagte sie über Böttcher, der sich zum 90. nur eines wünscht: "gesund bleiben".

Seit 62 Jahren verheiratet

Gefeiert wird mit der Familie - mit der ehemaligen Schauspielerin Anneliese Kaplan (84) ist er seit 62 Jahren verheiratet - und Freunden. "Ganz gut" gehe es ihm, sagt er. "Vernünftig zu leben hilft sicherlich dabei, aber bloß nicht zu vernünftig. Ein Glas Wein am Abend darf sein."

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