Sie sind hier:

Impfdebatte - USA: Hunderte Masernfälle in diesem Jahr

Datum:

Hierzulande wird über eine gesetzliche Impfpflicht diskutiert, in den USA dürfen ungeimpfte Kinder zum Teil nicht in die Schule. Ein Bezirk ruft den Masern-Notstand aus.

Masernimpfung
Masernimpfung
Quelle: dpa

Angesichts eines Masern-Ausbruchs hat ein Bezirk im US-Bundesstaat New York den Notstand ausgerufen und radikale Maßnahmen ergriffen: In Rockland County dürfen sich ungeimpfte Kinder und Jugendliche unter 21 die nächsten 30 Tage nicht an öffentlichen Orten aufhalten. "Wir müssen alles in unser Macht Stehende tun, um diesen Ausbruch zu beenden", sagte Landrat Ed Day. Im Landkreis Rockland County mit seinen rund 300.000 Bewohnern wurden 153 Fälle von Masern registriert.

Wir müssen alles in unser Macht Stehende tun, um diesen Ausbruch zu beenden
Ed Day, Landrat Rockland County

Ursprüngliches Ziel der Weltgesundheitsorganisation (WHO) war es, die Masern bis 2020 vollständig auszurotten, wie beispielsweise schon mit den Pocken geschehen. Das wirksamste Mittel dagegen: eine Impfung im frühen Kindesalter. Grundsätzlich gibt es in den USA keine gesetzlich vorgeschriebene Impfpflicht, die Regularien variieren allerdings je nach Bundesstaat.

Generell werden Impfungen sehr empfohlen und Babys routinemäßig gegen Krankheiten wie die Masern oder Keuchhusten geimpft. Staatliche Einrichtungen wie Kindergärten oder Schulen schließen sogar nicht geimpfte Kinder vom Unterricht aus. Jedoch kann man sich von diesen Routine-Impfungen befreien lassen, beispielsweise wenn Kinder allergisch sind. In einigen Staaten ist eine Befreiung auch aus religiösen oder philosophischen Gründen möglich, was ein kleiner, aber wachsender Prozentsatz an Eltern in Anspruch nimmt.

Hunderte Fälle in drei Monaten

Bevor 1963 der Impfstoff für Masern auf den Markt kam, erkrankten jährlich zwischen drei und vier Millionen Amerikaner an der extrem ansteckenden Krankheit, knapp 500 starben jedes Jahr daran. Vor allem mittels einer Impfung konnte diese Zahl extrem eingedämmt werden. Im Jahr 2000 erklärte die US-Regierung die Masern als "eliminiert". Laut WHO bedeutet das, dass sich mindestens zwölf Monate oder länger keine Masernfälle gehäuft hatten. Von einer solchen Häufung spricht man, wenn mehr als drei Personen erkrankt sind. Bis zum Jahr 2008 gab es 557 Fälle in den gesamten Vereinigten Staaten.

Laut den Centers for Disease Control and Prevention (CDC), einer US-Behörde zum Schutz der öffentlichen Gesundheit, erkrankten im Jahr 2019 bisher bereits 314 Menschen an den Masern, verteilt auf 15 Bundesstaaten. 2018 waren es insgesamt 372 und im Jahr 2016 lediglich 86 Fälle. Den letzten Todesfall aufgrund von Masern gab es laut CDC im Jahr 2015. Die Zahl der Masernfälle in den USA ist verglichen mit Deutschland bezogen auf die Gesamtbevölkerung recht gering. So wurden hierzulande im Jahr 2018 laut Robert Koch-Institut 543 Erkrankungen erfasst.

In den USA ist die Impfquote bei Babys stabil. So waren im Jahr 2011 lediglich 0,9 Prozent der Kinder unter zwei Jahre nicht geimpft, im Jahr 2017 waren es rund zwei Prozent. Dennoch stufen die CDC diese Zahlen als besorgniserregend ein, da die Gründe für die Impfverweigerung in den wenigsten Fällen medizinischer Natur sind. Sie seien vor allem auf eine steigende Zahl von Impfgegnern und auf eine unzureichende Krankenversicherung zurückzuführen. Viele würden nicht wissen, dass Krankenhäuser auch Nicht-Versicherte umsonst gegen bestimmte Krankheiten impfen.

US-Regierung eher impfkritisch

Die aktuelle US-Regierung unter Präsident Donald Trump ist eher impfkritisch eingestellt. Trump berief sich in der Vergangenheit wiederholt auf eine seit langem widerlegte Studie des Impfkritikers und Mediziners Andrew Wakefield, der 1998 behauptete, einen Zusammenhang zwischen der Masern-Mumps-Röteln Impfung (MMR) und Autismus gefunden zu haben. Wakefields Artikel wurde jedoch schon kurz nach seiner Veröffentlichung zurückgezogen und er selbst verlor seine Approbation.

Der Rücken eines an Masern erkrankten Kindes

Debatte um Masern-Impfpflicht -
Kein Kinderkram
 

Die Bundesregierung prüft eine Impfpflicht gegen Masern, für Impfgegner eine Katastrophe. Wie gefährlich sind Masern heute noch? Und wie sinnvoll ist eine Impfpflicht für Babys?

von Jacqueline Vieth

Das  hielt Präsident Trump nicht davon ab auf Twitter weiterhin Zweifel zu schüren: "Gesundes Kleinkind geht zum Arzt, wird mit massiven Dosen von Impfstoffen vollgepumpt, fühlt sich nicht gut und verändert sich - AUTISMUS. Es gibt viele solcher Fälle!" In den vergangenen Jahren zweifelten immer mehr Menschen in den Vereinigten Staaten am Nutzen einer Schutzimpfung. Die Zahl der Kritiker, besonders an der Westküste, ist immer weiter gestiegen.

Im Januar dieses Jahres riefen örtliche Behörden in Portland, Oregon, den medizinischen Notstand aus: 53 Menschen, die meisten davon Kinder unter zehn Jahren und ungeimpft, hatten sich innerhalb von wenigen Wochen mit Masern infiziert. Seither wurden auch in umliegenden Bundesstaaten kleinere Ausbrüche der Krankheit gemeldet, bis hin zum am Mittwoch verhängten Notstand im Bundesstaat New York. Das Gros der Bevölkerung zweifelt nach wie vor nicht am Nutzen von Impfungen - die Diskussion hat aber in den vergangenen Monaten an Schärfe gewonnen.

Masernfälle in den USA
Jahr Fälle
2019 (bis 21. März) 314
2018 372
2017 120
2016 86
2015 188
2014 667
2013 187
2012 55
2011 220
2010 63
Quelle: CDC, März 2019
Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um dir ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier kannst du mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.