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Massendemo in Selma 1965 - "Wähl oder stirb!"

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1965 schlugen Polizisten Demonstranten in Alabama brutal zusammen, weil sie ihr Wahlrecht einforderten. Joanne Bland war damals dabei. "Geht wählen", sagt sie heute.

Alabama - Plakat
"Wähl oder Stirb" steht auf einem Wahlplakat, das am Ortseingang der Kleinstadt Selma aufgestellt ist.
Quelle: ZDF/Maya Dähne

Die Straße nach Selma führt an Baumwollfeldern vorbei. Vor einem Farmhaus flattert die Fahne der konföderierten Südstaaten. Alabama, im tiefen Süden der USA, ist Dixieland. Bis 1865 schufteten hier Sklaven auf den Feldern. Die Hauptstraße führt über die Edmund Pettus Bridge, benannt nach einem Südstaaten-General und Mitglied des KuKluxKlan.

"Wähl oder Stirb" steht auf einem Wahlplakat, das am Ortseingang der Kleinstadt Selma aufgestellt ist. Ein Touristenbus hält vor dem Informationszentrum. "Willkommen in Selma, der Stadt, in der das Wahlrecht erkämpft wurde", sagt der Park-Ranger. "Und wo wir heute immer noch kämpfen", fügt eine resolute ältere schwarze Frau hinzu.

Als Elfjährige im Gefängnis

Joanne Bland war elf Jahre alt, als sie am 7. März 1965 gemeinsam mit 600 Männern, Frauen und Kindern über die Edmund Pettus Brücke marschierte. Es war nicht ihre erste Demonstration. Ihre Großmutter hatte sie öfter zu Treffen der Bürgerrechtsbewegung in ihre Kirche mitgenommen. Sie hatte auch schon mehrmals im Gefängnis gesessen.

Alabama - Frau
Joanne Bland war elf Jahre alt, als sie an der Demonstration teilnahm.
Quelle: ZDF/Maya Dähne

Aber dieser Tag, der später als Bloody Sunday (blutiger Sonntag) in die amerikanische Geschichte eingehen wird, war anders. Auch 53 Jahre später erinnert Joanne sich noch genau an die bewaffneten Polizisten auf Pferden, die mit Schlagstöcken auf die Demonstranten einschlugen. Mit Tränengas in ihren Augen stolperte Joanne über zusammengekrümmte Verletzte. Überall auf dem Straßenpflaster war Blut. "Ich dachte, sie bringen uns alle um."

Ausschreitungen in Selma, USA 1965
Der "Bloody Sunday" von Selma, 7. März 1965: "Ich dachte, sie bringen uns alle um."
Quelle: ap

Verhaftung von Wahlberechtigten

Das "Verbrechen" der Demonstranten: Sie wollten wählen. "Wählen war in Alabama lange Zeit tatsächlich ein Kampf um Leben und Tod", sagt Joanne und zeigt auf das Plakat mit der Aufschrift "Wähl oder Stirb". Wer heute in Selma wählen will, muss sich - damals wie heute - im Dallas County Court House registrieren. Es ist, neben dem Polizei-Hauptquartier, eines der wenigen renovierten Gebäude in der Stadt.

Viele Wohnhäuser entlang der Hauptstraße sind dagegen mit Brettern vernagelt oder halb verfallen. Die meisten Läden stehen leer. 41 Prozent der Bevölkerung in Selma leben unterhalb der Armutsgrenze. "Selma stirbt", sagt Joanne. 1960 lebten hier 28.000 Menschen. Inzwischen sind es nur noch 19.000. Die Mehrheit von ihnen ist schwarz.

"Die Menschen hier haben die Nase voll von den immer gleichen, leeren Versprechungen der Politiker", sagt LaTosha Brown. Auch sie stammt aus Selma. Vor zwei Jahren gründete sie den Black Voters Matter Fund, um Wähler in armen, überwiegend von Schwarzen bewohnten Städten und Gemeinden zu mobilisieren. Ihre Mitstreiter sind vor allem Frauen wie Joanne, die schon seit Jahren vor Ort in Kirchen, Schulen und Bürgerinitiativen aktiv sind. "Schwarze Frauen sind in vielen Gemeinden hier im Süden die treibende Kraft, als Wählerinnen und als Organisatorinnen. Wir sollten ihnen zuhören und sie vor Ort unterstützen, wenn wir dieses Land verändern wollen."

Alabama - Brücke Paar
Die Brücke von Selma heute - über sie marschierten 1965 die Protestler.
Quelle: ZDF/Maya Dähne

"Es liegt noch ein langer Weg vor uns"

Die Stimmen der schwarzen Wähler aus Selma sorgten bei einer wichtigen Wahl im vergangenen Jahr dafür, dass erstmals seit Jahrzehnten ein Demokrat im erzkonservativen Alabama gewann. Ein Sieg, der viele an 1965 erinnerte, als zwei Wochen nach dem Bloody Sunday, tausende Demonstranten von Selma nach Montgomery marschierten. Martin Luther King und viele prominente Bürgerrechtler waren dabei. Fünf Monate später unterzeichnete Präsident Johnson den historischen Voting Rights Act. In Alabama vervierfachte sich daraufhin die Zahl der zur Wahl registrierten Schwarzen.

"Wir sind weit vorangekommen seitdem", sagt Joanne, "aber es liegt noch ein langer Weg vor uns. Ich sage vor allen den jungen Leuten: Tut etwas, geht wählen, nutzt dieses Recht, für das andere vor euch gekämpft haben und gestorben sind."

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