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Mittelmeer-Routen - So viele Menschen sterben auf der Flucht

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Immer weniger Flüchtlinge kommen nach Europa - gleichzeitig wird die Flucht selbst immer gefährlicher: Auf einer Route starb 2019 jeder elfte Migrant. Die Fakten im Überblick.

Die Flucht über das Mittelmeer ist gefährlicher geworden.
Die Flucht über das Mittelmeer ist gefährlicher geworden.
Quelle: Olmo Calvo/AP/dpa

Wie viele Migranten kommen über das Mittelmeer nach Europa?

Die Zahl der Flüchtlinge, die nach Europa kommen, ist insgesamt kleiner geworden. Die überwiegende Mehrheit kommt über das Mittelmeer. Während im Jahr 2015 noch mehr als eine Million Menschen über das Mittelmeer flüchteten, waren es im vergangenen Jahr laut UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR 116.647 Menschen.

Wie viele Migranten sterben im Mittelmeer?

Im vergangenen Jahr sind insgesamt 2.277 Menschen im Mittelmeer ertrunken, so die Zahlen des UNHCR. Für dieses Jahr wurden bis zum 1. Juli 584 Tote und Vermisste gezählt.

Die Zahl der Toten sinkt zwar, doch die Flucht über das Mittelmeer wird immer gefährlicher: Im Jahr 2015, als die meisten Flüchtlinge nach Europa kamen, ertrank jeder 269. Mensch bei der Flucht über das Mittelmeer. Mittlerweile hat sich das Verhältnis drastisch verschlimmert: Jeder 47. Migrant, der in diesem Jahr über das Mittelmeer nach Europa wollte, starb auf der Flucht. "Es ist heute deutlich gefährlicher geworden, über das Mittelmeer zu kommen", sagt Chris Melzer vom UNHCR.

Die Route über das zentrale Mittelmeer ist am gefährlichsten: Auf dem Weg von Libyen nach Italien und Malta starb im Jahr 2018 jeder Fünfzehnte. In diesem Jahr kamen bisher 2.755 Menschen nach Italien und 1.048 in Malta. 341 Migranten starben auf dem Weg dorthin. "Das bedeutet, dass auf der Route Libyen-Italien jeder elfte Migrant und Flüchtling stirbt", erläutert Melzer.

Das "Missing Migrants Project" der Internationalen Organisation für Migration sammelt Informationen über Tote und Vermisste auf der Flucht. In diesem Jahr registrierte das Projekt bis Ende Juni 597 tote Migranten im Mittelmeer. Allein im Januar starben demzufolge 208 Menschen auf der Route. Dass die Zahlen leicht von den Zahlen des UNHCR abweichen, liegt an unterschiedlichen Messmethoden. Die interaktive Karte zeigt, wo in diesem Jahr Menschen bei der Flucht gestorben sind oder als vermisst gemeldet wurden.

Wieso wird die Flucht über das Mittelmeer immer gefährlicher?

Im Mittelmeer gibt es immer weniger Seenotretter. Die Hilfe war schon deutlich größer: 2014 initiierte die italienische Regierung das Programm "Mare Nostrum" und rettete damit innerhalb eines Jahres 140.000 Menschen. Auch die EU-Missionen "Triton" und "Sophia" bargen tausende Flüchtlinge auf dem Mittelmeer. Doch "Mare Nostrum" und "Triton" wurden eingestellt.

Nach einem Streit zwischen Italien und der EU ist auch die Operation "Sophia", die 730.000 Flüchtlingen half, faktisch beendet. Italien hat das Oberkommando und verweigerte zuletzt die Seenotrettung, setzte die deutschen Kriegsschiffe im Einsatz nur noch außerhalb der Flüchtlingsrouten ein. Das deutsche Mandat wurde deshalb nicht verlängert. Gestern beschloss die Bundesregierung, auch die zehn im "Sophia"-Hauptquartier verbliebenen Soldaten abzuziehen. "Es findet keine EU-Seenotrettung mehr statt", kritisiert UNHCR-Sprecher Melzer. "Europa hat aber die Pflicht, tätig zu werden."

Die EU setzt in Sachen Seenotrettung stattdessen auf die libysche Küstenwache. Europa unterstützt sie mit Booten, Schulungen und Zugriff auf das eigene Sicherheitssystem. Die libysche Küstenwache holt die Flüchtlinge aus dem Meer und bringt sie zurück nach Libyen - in Lager, die von Menschenrechtlern stark kritisiert werden. Auch UNHCR-Sprecher Melzer kritisiert diese Praxis: "Es gilt das Prinzip: Retten und in den nächsten sicheren Hafen bringen. Und Libyen hat keine sicheren Häfen."

Wie funktioniert Seenotrettung auf dem Mittelmeer noch?

Die meisten Flüchtlinge kommen durch Seenotretter nach Europa: Private Hilfsorganisationen, aber auch Handels- und Kreuzfahrtschiffe, die Flüchtlinge in Seenot retten. "Die Boote, die Schlepper zur Verfügung stellen, sind so schlecht, dass sie die Fahrt über das Mittelmeer in der Regel nicht überstehen", erklärt Chris Melzer von UNHCR. Bootsflüchtlinge sind daher auf Hilfe angewiesen.

2017 waren dreizehn private Seenotrettungsschiffe auf dem Mittelmeer, darunter viele deutsche Hilfsorganisationen wie "Sea-Watch" oder "Lifeline". Dann begannen die Blockaden durch Italien und Malta. Schiffe wurden beschlagnahmt und festgesetzt. Gegen den "Lifeline"-Kapitän Claus-Peter Reisch wurde eine Strafe von 10.000 Euro verhängt. Seit dem vergangenen Jahr war zeitweise kein einziges privates Rettungsschiff im zentralen Mittelmeer unterwegs.

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