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Protest gegen Rechtspopulismus - "Bella Ciao" in Rom: "Sardinen" machen mobil

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Würde morgen in Italien gewählt, dann würde laut Umfragen die Rechte gewinnen. Das muss nicht so bleiben, meint eine neue Protestbewegung. In Rom zeigen die "Sardinen" ihre Stärke.

In Rom veranstaltet die "Sardinen-Bewegung" eine Großdemo gegen Matteo Salvini. In den vergangenen Wochen gewann die Protestbewegung gegen Rechtspopulismus schnell an Anhängern.

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Kleine Fische, große Fische, Sardinen aus Pappe oder aus Schaumgummi, weiß, rot, blau, gelb oder regenbogenfarben - auf der Piazza di San Giovanni in Rom ging es am Samstag bunt zu. Der Platz vor der majestätischen Papstbasilika war überfüllt, und über dem Menschenmeer wedelte und wogte das Symbol einer neuen politischen Bewegung in Italien: ein Fischlein, das gewöhnlich in großen Scharen aufzutreten pflegt. Und immer wieder ertönte aus Tausenden Kehlen "Bella Ciao", das Lied der Partisanen im Zweiten Weltkrieg.

"Wir wollen zeigen, dass wir viel mehr sind"

Einen Monat nach ihrem Entstehen erreichte die Protestbewegung der "Sardinen" am Samstag die italienische Hauptstadt. Dicht gedrängt, wie die Sardinen eben, hatten sie bei ihrer ersten Spontandemo gegen den Chef der rechten Lega, Matteo Salvini, am 14. November auf der Piazza Maggiore in Bologna stehen wollen. Das gelang, und es folgten Dutzende Kundgebungen in vielen italienischen Städten. Die "Sardinen" verstehen sich als Bewegung gegen Intoleranz, Fremdenfeindlichkeit und Hassreden. Eine Partei wollen sie nicht werden. Am Sonntag wollten sie beraten, wie sie sich künftig organisieren.

"#Romanonabbocca" - Rom beißt nicht an - lautete ein häufiger Hashtag gegen den Populismus auf Plakaten und Sardinenfiguren. Ein junges deutsch-italienisches Paar hielt zwei an Stangen befestigte, sich küssende Pappsardinen in die Wintersonne - und vollzog den Sardinenkuss gleich nach. "Wir wollen zeigen, dass wir viel mehr sind", sagte die 29-jährige Mariam Bieber aus München, die in Rom lebt. "Es ist vor allem schön zu sehen, dass es ein Italien gibt, das nicht die Lega wählt", befand ihr italienischer Freund Manuel Xueref (32).

Salvini hofft auf politisches Comeback

Lega-Chef Salvini hofft auf ein baldiges politisches Comeback. Bei einer Art Gegenveranstaltung in Mailand forderte der frühere Innenminister am Samstag einmal mehr Neuwahlen. Noch sind für ihn die Umfragen günstig. Die Lega kommt auf etwa 30 Prozent. Zusammen mit den noch weiter rechts stehenden Fratelli d'Italia und der Forza Italia des früheren Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi würde es für eine parlamentarische Mehrheit reichen. Nach einem haushohen Sieg der Rechten bei der Regionalwahl in Umbrien im Oktober hofft Salvini jetzt auf einen Triumph Ende Januar in der Emilia-Romagna, einer roten Hochburg, in deren Hauptstadt Bologna seit Jahrzehnten die Linke regiert.

"Sardinen" - so nennt sich die Protestbewegung, die gegen Matteo Salvini und seine rechtspopulistische Lega demonstriert.

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Dazu muss es aber nicht kommen, finden die "Sardinen". "Die Lega ist stark, aber sie ist nicht die wirkliche Mehrheit", sagt Xueref und verweist auf die niedrige Wahlbeteiligung. Womöglich würden nun viele Nichtwähler mobilisiert, hofft er. Eigens aus Sardinien angereist war am Samstag die 50-jährige Nina Pittailis. "Ich bin links, erkenne mich aber in keiner der Parteien mehr wieder". Acht Stunden war sie mit der Fähre unterwegs, um von der Insel, die ja vom Namen her an die "Sardinen" erinnert, zur Demo nach Rom zu kommen.

"Das, was hier passiert, ist fast ein Wunder"

Bekanntestes Gesicht der "Sardinen" ist Mattia Santori, ein 32-jähriger Wirtschaftswissenschaftler und Sportlehrer aus Bologna und einer der vier Gründer der Bewegung. Das Ziel, den Platz zu füllen, sei erreicht, sagte er am Samstag als Kundgebungsredner. Er sieht in den "Sardinen" eine Art "Antikörper" gegen den Rechtspopulismus. "Das, was hier passiert, ist fast ein Wunder", sagte er vor der Kundgebung zum unerwartet schnellen Anwachsen der Bewegung. Er verortet die "Sardinen" irgendwo auf der Linken, versichert aber, dass sie keine Politik im herkömmlichen Sinne machen wollen. Und noch eines ist im wichtig: "Die Sardinen sind cool!" Nach Ansicht des Analysten Francesco Galietti von der Denkfabrik Policy Solar ist das Aufkommen der "Sardinen" ein Hinweis darauf, dass es bei den traditionellen Parteistrukturen in Italien kriselt.

In den Tagen vor San Giovanni gab es Wohlwollensbekundungen von hoher Stelle, so von Ex-Kommissionspräsident Romano Prodi, Ex-Regierungschef Mario Monti oder Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin. Sogar Ministerpräsident Giuseppe Conte äußerte "Sympathie".

Initiiert wurde die Protestbewegung von jungen Leuten um die 30, aber auf der Piazza waren am Samstag eigentlich alle Altersgruppen vertreten. Sie sei seit 30 Jahren nicht mehr auf die Straße gegangen, sagt die Rentnerin Francesca Deseta (71), die sich als seit jeher links versteht. "Ich fühle ich hundert Prozent "Sardine", diese Jungs haben mich wieder geweckt", sagt sie.

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