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Sergio Mattarella im Porträt - Vom stillen Akademiker zum unbeugsamen Präsidenten

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Oft wirkt er wie ein harmloser Professor. Doch nun hat er durchgegriffen und das politische Schicksal seines Landes in die Hand genommen: Italiens Präsident Sergio Mattarella.

Sergio Mattarella in Rom
Greift durch: Sergio Mattarella
Quelle: ap

Der 76-Jährige durchkreuzte die Pläne der populistisch-rechtsextremen Koalition aus Fünf-Sterne-Bewegung und Lega, die neue italienische Regierung zu bilden - und steht damit europaweit in dem von ihm eher ungeliebten Rampenlicht.

Zunächst lehnte Mattarella am Sonntag den Euro-feindlichen Wunschkandidaten beider Parteien für den Posten des Finanzministers ab. Am Montag folgte dann der Regierungsauftrag für den Wirtschaftsexperten und Pro-Europäer Carlo Cottarelli.

Mit Linken wie Rechten regiert

Mattarella hat viel Erfahrung mit hohen politischen Ämtern. Er gehörte Regierungen der politischen Linken und Rechten an, war sowohl Bildungs-, als auch Verteidigungsminister. Während seiner 25-jährigen Zeit als Parlamentsabgeordneter verfasste er eine Wahlrechtsreform, die seinen Namen trägt. Vor seiner Wahl zum Staatspräsidenten 2015 war er ein angesehener Richter am italienischen Verfassungsgericht.

Bis heute wirkt Mattarella, als sei er eher für akademische Debatten als für politische Auseinandersetzungen gemacht. Vielleicht wäre der Rechtsgelehrte tatsächlich an der Hochschule geblieben, hätte das berüchtigte sizilianische Mafiasyndikat Cosa Nostra nicht 1980 seinen älteren Bruder Piersanti Mattarella ermordet.

Bruder starb in seinen Armen

Piersanti Mattarella hatte sich als Regionalpräsident Siziliens darum bemüht, die unzähligen Verbindungen zwischen seiner Mitte-Rechts-Partei und der Schattenwelt des organisierten Verbrechens zu sprengen. Auf dem Weg zu einem Gottesdienst wurde er am 6. Januar erschossen. Sergio Mattarella war einer der ersten am Tatort und hielt auf dem Weg ins Krankenhaus seinen sterbenden Bruder in den Armen.

Den gesamten Nachmittag desselben Tages besuchten Menschen das Haus der Familie, um dem Getöteten Respekt zu zollen. Sergio Mattarella empfing sie im vom Blut seines Bruders befleckten Hemd. Es war sein erster Auftritt in der Öffentlichkeit.

Repräsentant des "sauberen Sizilien"

1983 zog er erstmals ins italienische Parlament ein, suchte jedoch nie das Rampenlicht, sondern ließ seine Arbeit für sich sprechen. Der amtierende sizilianische Regionalpräsident Rosario Crocetta sagte vergangene Woche, Mattarella repräsentiere "das saubere Sizilien", das einen "schrecklichen Preis" für die Befreiung der Insel von kriminellen Kräften gezahlt habe.

Mattarellas Kritiker in den Reihen der Rechten sind weniger höflich. Als einen weiteren "catto-communista" (kommunistischer Katholik) bezeichnete etwa Lega-Chef Matteo Salvini den Präsidenten.

Nicht dem "Diktat" zweier Parteien unterordnen

Mattarellas guter Ruf als kompetenter und integrer Politiker ließen ihn schnell in hochrangige Ämter aufsteigen, zunächst in einer Reihe von christdemokratisch geführten Regierungen. Als Teil des linken Parteiflügels wandte sich Mattarella 1990 von der Rechten ab, als er als einer von fünf Ministern wegen eines neuen Mediengesetzes zurücktrat, welches als maßgeschneidert für Medienmogul Silvio Berlusconi kritisiert wurde.

Am Sonntag erklärte das Staatsoberhaupt, er habe "alles mögliche" getan, um bei der Regierungsbildung zu helfen. Er werde sich aber nicht einem "Diktat" von zwei Parteien unterordnen, das sich gegen die Interessen des Landes richtet.

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