Sie sind hier:

Geplante Grenzmauer zu Mexiko - Die ersten Wände stehen in der Wüste

Datum:

"Big and beautiful", groß und schön soll die Mauer an der Grenze der USA zu Mexiko werden. Nun sind die ersten acht Prototypen fertig - und nicht jeder ist glücklich mit ihnen.

Reihe von Prototypen für die Grenzmauer zu Mexiko
Ein Reihe von Prototypen für die Grenzmauer zu Mexiko stehen zur Besichtigung bereit. Quelle: dpa

"Jede Mauer muss mindestens dreißig Minuten lang Schlaghammer, Spitzhacke, Stemmeisen und ähnlichen Geräten standhalten", heißt es in der Ausschreibung. Zusätzlich muss jeder Prototyp über so genannte Anti-Kletter-Vorrichtungen verfügen. Außerdem soll die Mauerseite, die von der US-Seite aus sichtbar ist, "ästhetisch ansprechend" gestaltet sein.

Ästhetisch ansprechend

Vor einigen Tagen konnte sich ein Team aus Journalisten und Ingenieuren die acht fertigen Prototypen in der Nähe des Grenzübergangs zwischen San Diego und Tijuana ansehen. Vier Modelle bestehen aus Stahlbeton, die anderen aus Stahl oder einem Mix aus unterschiedlichen Materialien. Ansprechend sieht keines der Mauermodelle aus, meint Curtis Patterson, ein Ingenieur aus San Diego. "Ich glaube nicht, dass man diese Mauern schöner machen kann, vielleicht wenn man Wandgemälde draufmalt."

Ein Prototyp für die Grenzmauer zu Mexiko
Prototyp im Holzlamellen-Look: Die meisten Protoypen weisen auf amerikanischer Seite ein ähnliches Design aus - auf mexikanischer Seite ist blanker Beton zu sehen.

Die Texas Sterling Construction hat es immerhin versucht: von der US-Seite sieht ihr Modell wie eine Backsteinmauer aus. Auf der Mexiko zugewandten Seite ist dagegen blanker Beton und Stacheldraht zu sehen. Ein anderes Modell aus Stahl weist bereits erste Rostflecken auf. "Es erinnert sehr an Gefängnisarchitektur", meint Ingenieur Patterson. Insgesamt sechs Firmen durften in den vergangenen Wochen ihre Mauermodelle bauen: fünf amerikanische Unternehmen und ein israelischer Konzern, der auf militärische Sicherheitstechnik spezialisiert ist. Zwischen 300.000 und 500.000 Dollar kosten die einzelnen Prototypen.

Hightech und Beton

Ingenieure und Grenzsicherungs-Experten sind sich nach der ersten Besichtigungstour allerdings einig: Es wird extrem schwierig, vielleicht sogar unmöglich, ein Design zu finden, das für die gesamte, immerhin 3.000 Kilometer lange Grenze zu Mexiko geeignet ist. "Es ist eine Sache, einen neun mal neun Meter großen Prototypen zu entwerfen. Aber es ist eine ganz andere Geschichte, wenn man ein tausende Kilometer großes Gebiet sichern muss", sagt Jayson Ahern, der unter Präsident George W. Bush für die Konstruktion des 1.000 Kilometer langen Sicherheits-Zauns entlang der mexikanischen Grenze verantwortlich war. "An manchen Stellen braucht man Hightech, an anderen genügt schlicht Beton."

Neben unzähligen Sicherheitsbedingungen und Umweltauflagen bleibt die größte Herausforderung die Finanzierung. Mehr als 20 Milliarden könnte die Mauer nach internen Schätzungen des Heimatschutzministeriums kosten. Die mexikanische Regierung weist Trumps Forderung zu zahlen, scharf zurück. Und auch der Kongress in Washington weigert sich weiterhin, Gelder für den Mauerbau zu genehmigen.

Demonstratives Schweigen statt Demonstrationen.

Areal zum Bau eines Grenzzaunes zu Mexiko
Ein Areal zum Bau eines Grenzzaunes zu Mexiko ist bereitsvorbereitet Quelle: dpa

Genau darauf setzen die lokalen Bürgerrechtsgruppen. "Diese Mauer wird es niemals geben, weil sie niemals finanziert werden wird", so Wendy Batterson von der Initiative "Indivisible San Diego". Protestgruppen haben sich während der Bauarbeiten auffallend zurückgehalten. Nicht eine einzige Demonstration hat in dem hochgesicherten Industriegebiet stattgefunden. "Das würde nur unnötige Aufmerksamkeit erregen und am Ende mehr schaden als nutzen", meint Enrique Morones, Gründer der Menschenrechtsgruppe "Border Angels". Selbst wenn nach dem Ende der Testphase eines oder mehrere Modelle ausgewählt und eine Mauer gebaut werden sollte: Das Problem illegaler Einwanderung wird man damit nicht in den Griff bekommen, sagt Reece Jones, Autor des Buches "Violent Borders: Refugees and the right to move." "Mauern, das haben Beispiele in Europa und weltweit gezeigt, sind nicht sehr effektiv und können Bewegungen an der Grenze nicht dauerhaft stoppen."

Symbolische Aktion

Die große Mehrheit der illegalen Einwanderer kommt ohnehin über legale Wege, wie zum Beispiel Touristen-Visa in die USA. Und dass Drogenimporte oder kriminelle Banden durch eine Mauer gestoppt werden können, bezweifeln Experten. "Eine Mauer suggeriert zwar Schutz und Sicherheit", meint Jones. "Tatsächlich ist der Bau von Grenzzäunen und Mauern aber nur eine symbolische Aktion, mehr nicht."

Hintergrund

Die Website verwendet Cookies, um Ihnen ein bestmögliches Angebot zu präsentieren. Nähere Informationen und die Möglichkeit, die Verwendung von Cookies einzuschränken finden Sie hier.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.