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30 Jahre Mauerfall - Steinmeier warnt vor neuen Mauern

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Deutschland feiert den Fall der Mauer vor 30 Jahren. In die Freude mischen sich nachdenkliche Töne. Bundespräsident Steinmeier warnte vor neuen Mauern aus Frust und Hass.

Mit Appellen für den Erhalt der freiheitlichen Demokratie und Dank an die europäischen Nachbarstaaten ist am Samstag bundesweit der 30. Jahrestag des Mauerfalls am 9. November 1989 gefeiert worden.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier dankte vor Zehntausenden Menschen am Brandenburger Tor in Berlin den Ostdeutschen für die friedliche Revolution und den Mauerfall. "Sie, die Mutigen in der DDR, haben Geschichte geschrieben: Demokratiegeschichte, Weltgeschichte. Dafür können ihnen wir auch 30 Jahre später nicht dankbar genug sein", sagte Steinmeier

Steinmeier: Unsichtbare Mauern einreißen

Aber die Mauer sei nicht einfach gefallen. Durch die Entspannungspolitik des früheren sowjetischen Staats- und Parteichefs Michail Gorbatschow sei sie brüchig geworden und die Menschen in Polen, Ungarn, Tschechien und der Slowakei hätten sie mit ihrem Mut ins Wanken gebracht. "Wir danken Euch dafür", sagte der Bundespräsident. Steinmeier lobte zugleich die Rolle der USA.

Er rief dazu auf, die im Land neu entstandenen unsichtbaren Mauern aus Frust, Wut, Hass, Sprachlosigkeit und Entfremdung einzureißen. Diese hätten wir selbst gebaut. Und nur wir selber könnten sie einreißen. "Einheit, Freiheit, Demokratie - das haben die Mutigen damals erkämpft. Welch ein großartiges, welch ein stolzes Erbe. Machen wir was draus!"

Merkel: Jede Mauer kann überwunden werden

Die Spitzen des Staates gedachten am Samstag in der Hauptstadt auf dem früheren Todesstreifen an der Bernauer Straße des Mauerfalls. Die Bernauer Straße gilt als Symbol der deutschen Teilung. Als die Mauer 1961 hochgezogen wurde, lag die Häuserfront der Straße im Osten, der Bürgersteig im Westen.

"Der 9. November ist ein Schicksalstag der deutschen Geschichte", sagte Merkel. Sie erinnerte an die Pogromnacht der Nazis von 1938. Darauf sei das Menschheitsverbrechen des Holocaust gefolgt. Das Niederreißen der Mauer 1989 zeige: "Keine Mauer, die Menschen ausgrenzt und Freiheit begrenzt, ist so hoch oder so breit, dass sie nicht doch durchbrochen werden kann."

In einer offiziellen Botschaft von US-Präsident Donald Trump hieß es, das Schicksal der Berliner Mauer müsse eine "Lehre für repressive Regime und Herrscher überall" sein: "Kein Eiserner Vorhang kann jemals den eisernen Willen eines Volkes zurückhalten, das entschlossen ist, frei zu sein." Trump bezeichnete die Bundesrepublik als einen der "geschätztesten" Partner der Vereinigten Staaten.

Rosen für die Opfer der Mauer

Bei dem Gedenken an der Bernauer Straße steckten Steinmeier, Merkel und andere hochrangige Politiker wie Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU) und Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) für die Mauer-Opfer gelbe und orange Rosen in die Hinterlandmauer. Zur Erinnerung an den Mut der DDR-Opposition im Herbst 1989 wurden Kerzen angezündet. Auf Demonstrationen getragene Kerzen waren damals das Symbol des gewaltlosen Widerstands.

Angela Merkel steckt Rosen in die Mauerspalten.
Gedenken an die Opfer der Mauer: Kanzlerin Merkel steckt eine Rose in eine Mauerspalte.
Quelle: Kay Nietfeld/dpa

Bischof Dröge: Anschlag in Halle hat aufgeschreckt

Während einer Andacht in der ebenfalls auf dem ehemaligen Todesstreifen gelegenen Kapelle der Versöhnung sagte der evangelische Bischof von Berlin und Brandenburg, Markus Dröge, die Erinnerung an die friedliche Revolution falle in diesem Jahr nachdenklicher aus als vor fünf Jahren.

Der Anschlag auf die Synagoge in Halle habe alle aufschrecken lassen. Zudem seien die gesellschaftlichen Diskussionen schärfer geworden. Auch werde deutlicher formuliert, welch radikale Umbrüche die Ostdeutschen in Beruf und Alltag nach 1989 erlebt hätten.

Außenminister Heiko Maas (SPD) sagte in Berlin, das Erbe von 1989 gehe über die Dankbarkeit hinaus. "Es verpflichtet uns, insbesondere uns Deutsche, ein Europa zu schaffen, das den Träumen und Werten derer gerecht wird, die 1989 auf die Straße gingen."

Mit dem 9. November 1989 ging die deutsche Teilung nach rund 40 Jahren zu Ende, die Berliner Mauer selbst hatte mehr als 28 Jahre Bestand. Nach wissenschaftlichen Erkenntnissen starben an der etwa 160 Kilometer langen Mauer in der Hauptstadt mindestens 140 Menschen durch das DDR-Grenzregime.

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