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Verstimmung zwischen Großbritannien und Russland - Gift-Affäre "könnte sich hochschaukeln"

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London setzt Moskau in der Gift-Affäre unter Druck. "Sehr geschickt" habe May ein Muster aufgezeigt, so ZDF-Korrespondentin Diana Zimmermann. Nun soll Putin sich erklären.

ZDF-Korrespondentin Zimmermann erwartet diplomatische Verwerfungen zwischen Großbritannien und Russland.

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Es werde "wahrscheinlich dazu kommen, dass russische Diplomaten ausgewiesen werden", berichtet ZDF-Korrespondentin Diana Zimmermann aus London. Sie rechne nicht mit einem Abbruch der Beziehungen, dies werde die britische Premierministerin Theresa May verhindern. Doch wenn Großbritannien tatsächlich Russen ausweise, könne es passieren, dass auch Russland seinerseits Briten ausweise. "Das Ganze könnte sich hochschaukeln." Die diplomatischen Verwerfungen, die jetzt zu erwarten seien, könnten auch bei der Fußball-WM dazu führen, "dass die Situation sehr aggressiv ist".

May habe bei ihrer Rede im Parlament "sehr geschickt" aufgezeigt, so Zimmermann, dass Russland in unterschiedlichen Situationen immer wieder dasselbe Verhaltensmuster an den Tag gelegt habe. "Das ist es bei Cyberhacking passiert, bei Einmischung in Wahlen, bei der Annektion der Krim - und sie hat ganz ausdrücklich auch den Hackerangriff auf den deutschen Bundestag erwähnt." Aus dem Parlament sei sofort die Forderung laut geworden, die EU, die USA und die NATO um Hilfe zu bitten, um somit wirksame Sanktionen einleiten zu können. Zudem will May den UN-Sicherheitsrat einschalten.

May: Gift "von militärischer Qualität"

May hatte Russland in ihrer Rede für den Mordversuch an dem Ex-Doppelagenten Sergej Skripal verantwortlich gemacht und ein 24-Stunden-Ultimatum bis Dienstagabend gestellt. Bis dahin müsse sich Moskau zu dem Fall erklären. Sollte Russland bis dahin "keine glaubwürdige Antwort" geben, werde der Giftanschlag als "unrechtmäßiger Gewalteinsatz des russischen Staates gegen das Vereinigte Königreich" gewertet, sagte May. Sie werde dann eine "ganze Reihe von Gegenmaßnahmen" vorstellen. "Es ist höchst wahrscheinlich, dass Russland für diese Tat verantwortlich ist", sagte sie.

Die Premierministerin äußerte sich nach einer Sitzung ihres Sicherheitsrats, bei der es um Untersuchungsergebnisse zum eingesetzten Nervengas ging. Der Anschlag sei mit einer Sorte Nervengift ausgeführt worden, die in Russland entwickelt worden sei, sagte May. Das verwendete Gift aus der Gruppe der Nowitschok-Substanzen sei "von militärischer Qualität".

Moskau: Zirkusveranstaltung in London

Die russische Regierung reagierte mit Hohn auf Mays Auftritt vor dem Unterhaus. "Das ist eine Zirkusveranstaltung im britischen Parlament", sagte Außenamtssprecherin Maria Sacharowa laut russischen Agenturen. Sie warf der britischen Regierung eine "politische Kampagne auf Grundlage von Provokationen" vor und sprach von "Märchen", die in London verbreitet würden.

Das russische Außenministerium stellte eine Verbindung zur Fußball-WM 2018 her. England habe es "Russland niemals vergeben können", dass es im Rennen um die Austragung der WM unterlegen sei, erklärte das Ministerium. Großbritannien versuche deshalb nun, "das Vertrauen in den Gastgeber dieses Sportereignisses zu untergraben".

Doppelagent kam 2010 frei

Der 66-jährige Russe Skripal und seine 33-jährige Tochter Julia waren am 4. März in Salisbury südwestlich von London bewusstlos auf einer Bank aufgefunden worden. Den britischen Strafverfolgungsbehörden zufolge wurden sie Opfer eines Mordversuchs mit einem Nervengift. Ihr Zustand wird als weiterhin lebensbedrohlich, aber stabil bezeichnet.

Skripal, ein Oberst des russischen Militärgeheimdiensts, war 2006 in Russland wegen des Vorwurfs der Spionage für Großbritannien zu 13 Jahren Haft verurteilt worden. Er soll russische Agenten an den britischen Geheimdienst MI6 verraten haben. Im Zuge eines Gefangenenaustauschs zwischen Russland und den USA kam er 2010 nach Großbritannien.

Washington verurteilt Anschlag

Die US-Regierung verurteilte am Montag den Giftanschlag. Diese "Gräueltat" sei "rücksichtslos und unverantwortlich", sagte die Sprecherin des Weißen Hauses, Sarah Sanders. Die USA stünden in dieser Lage an der Seite ihres Verbündeten Großbritannien. Der Frage, ob auch ihre Regierung Russland hinter dem Anschlag vermute, wich Sanders allerdings aus.

Für Aufregung sorgte kurz vor Mays Rede ein "verdächtiges Paket", das im Parlament entdeckt wurde. Zwei Menschen seien "vorsorglich" ins Krankenhaus eingeliefert worden, teilte die Polizei am Nachmittag mit. Ein Parlamentssprecher sagte später, die in dem Paket gefundene Substanz habe sich als ungefährlich herausgestellt.

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