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"maybrit illner"-Debatte zur CDU - Merz - Lichtgestalt oder Glühwürmchen?

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In der CDU tobt ein Führungsstreit - zuletzt kräftig angeheizt von Friedrich Merz. Dessen Verhalten kommt in der Diskussionsrunde bei "maybrit illner" gar nicht gut weg.

Machtkampf in der CDU: Friedrich Merz hat eine Führungsdebatte losgetreten, indem er Kanzlerin Merkel und auch die CDU-Vorsitzende Kramp-Karrenbauer frontal angegriffen hat. Schadet er damit der eigenen Partei?

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Auf dem bevorstehenden CDU-Bundesparteitag wird nach Ansicht von Unions-Fraktionsvize Carsten Linnemann trotz des offen entbrannten Machtkampfes in der Partei niemand die Kanzlerkandidaten-Frage stellen. "Weil es Quatsch ist", sagte Linnemann am Donnerstagabend in der ZDF-Sendung "maybrit illner". Er sehe den Parteitag vor allem als Chance. Sowohl Friedrich Merz als auch Gesundheistminister Jens Spahn, der JU-Vorsitzende Tilman Kuban und er selbst planten, auf dem Kongress zu sprechen und ihre Visionen für das Land zu entwerfen. "Das ist doch super, das brauchen wir wieder in unserer Partei." Annegret Kramp-Karrenbauer sei als Vorsitzende für zwei Jahre gewählt und stehe nicht in Frage. "Wir sind eine Partei, die hält zusammen."

Carsten Linnemann bei "maybrit illner"

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"Alt oder jung oder was auch immer"

Scharfe Kritik übte Linnemann an der Reaktion seines Parteikollegen Daniel Günther auf Äußerungen von Friedrich Merz zum Zustand von CDU und Regierung. Der schleswig-holsteinische Ministerpräsident Günther hatte in diesem Zusammenhang unter anderem von älteren Männern mit nicht erreichten Karrierezielen gesprochen. Wichtig sei allein, ob jemand mit Überzeugung für etwas einstehe, nicht, "ob es ein alter Mann ist oder jung oder was auch immer", rügte Linnemann. "Das ist völlig deplatziert und hat in meiner Partei auch nichts zu suchen", betonte er.

Wir haben die GroKo gewollt, sonst hätten wir keine Regierung bekommen und jetzt müssen wir die Folgen tragen und hoffen, dass sich 2021 etwas ändert.
Bernhard Vogel

Bernhard Vogel, Ex-CDU-Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz und Thüringen, erklärte, dass Kritik zu äußern jedem zustünde, aber "die Durchschlagskraft der Kritik hängt von der Qualität ab". Problematisch am Konstrukt Große Koalition ist laut dem Ehrenvorsitzenden der CDU Thüringen, dass sich die Parteien auf eine gemeinsame Mitte einigen müssten, so das jeweilige Parteiprofil abgeschmolzen werde und damit gleichzeitig die Ränder erstarkten. "Wir haben die GroKo gewollt, sonst hätten wir keine Regierung bekommen und jetzt müssen wir die Folgen tragen und hoffen, dass sich 2021 etwas ändert", konstatierte Vogel.

Auch wenn er innerhalb der CDU derzeit Defizite sieht, stimmte der Ex-CDU-Ministerpräsident Linnemann zu, dass es keinerlei Gründe gebe, die Kanzlerfrage zu diskutieren: "Es gibt keine Regierung in den EU-Staaten, die das Land besser regiert, als in Deutschland."

Bernhard Vogel bei "maybrit illner"

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Merz ein "Fantasie-Produkt"

"Cicero"-Herausgeber Alexander Marguier hält Annegret Kramp-Karrenbauer für eine fähige Politikerin - nicht nur, weil sie sich im Kampf um den CDU-Vorsitz gegen Friedrich Merz durchgesetzt hat, sondern weil sie bereits als Ministerpräsidentin des Saarlands echte Risiken eingegangen sei: "Sie ist kein politisches Leichtgewicht." Er stellte jedoch klar, dass er die Trennung von Parteivorsitz und Kanzleramt für einen Fehler hält: "Unklare Machtverhältnisse sind nicht gut."

Für den "Cicero"-Chefredakteur sind neben Friedrich Merz auch Jens Spahn, NRW-Ministerpräsident Armin Laschet sowie der bayerische Ministerpräsident Markus Söder mögliche Kanzlerkandidaten. "Ich wundere mich nur, dass Merz so hohen Zuspruch hat, denn er war zehn Jahre aus der Politik draußen und ist ein Fantasie-Produkt."

Anja Maier, "taz"-Parlamentsredakteurin, erklärte, dass die CDU eine "Männer-Partei" sei, in der es als "widernatürlich empfunden" werde, dass Frauen so lange an der Macht seien. Problematisch ist für Maier, dass die Bilanz von Annegret Kramp-Karrenbauer als Parteivorsitzende nach gut einem Jahr nicht gut sei: "Sie ist nicht führungsstark und der Rückhalt scheint zu schwinden."

Anja Maier bei "maybrit illner"

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Politikwissenschaftlerin Ursula Münch ist sich sicher, dass Friedrich Merz mit seiner Kritik nach der Thüringen-Wahl nicht nur Angela Merkel, sondern auch Annegret Kramp-Karrenbauer treffen wollte: "Er hat noch eine alte Rechnung mit Merkel offen." Für die Direktorin der "Akademie für Politische Bildung Tutzing" stellt die "Ununterscheidbarkeit der Volksparteien" bereits seit der ersten GroKo ein großes Problem dar. Münch gab darüber hinaus zu bedenken, dass man weder eine Kanzlerin noch eine Parteivorsitzende schnell loswerde: "Zunächst braucht es jemanden, der den Mut hat. Bis jetzt haben wir nur Leute, die meckern."

"Gegen die Kanzlerin geputscht"

In den Augen des Politologen und Publizisten Albrecht von Lucke hat Friedrich Merz die Personaldiskussion innerhalb der CDU losgetreten und "gegen die Kanzlerin geputscht".

Albrecht von Lucke bei "maybrit illner"

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Laut von Lucke ist die Ironie dabei, dass Merz damit erreicht habe, dass die Reihen hinter Annegret Kramp-Karrenbauer fest geschlossen würden: "Merz ist eine Lichtgestalt, aber so wie er es jetzt macht, kann aus der Lichtgestalt schnell ein Glühwürmchen werden."

Die ganze "maybrit illner"-Sendung sehen Sie hier:

"maybrit illner" mit dem Thema "Zwischen Merkel und Merz - geht die CDU in der Mitte unter?" vom 31. Oktober 2019 im ZDF.

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