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Chancen für zweites Brexit-Referendum

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maybrit illner - Chancen für zweites Brexit-Referendum

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Ein harter Brexit oder doch eine Fristverlängerung durch die Europäische Union? Ein Labour-Abgeordneter sieht gute Chancen für ein zweites Referendum.

Laut dem Labour-Abgeordneten Ben Bradshaw würden alle Zeichen auf ein zweites Referendum hindeuten. Der Politiker sehe darin für Großbritannien "den einzigen Ausweg aus dieser Krise". Er bezog sich dabei auf britische Medienberichte, nach denen sich Premierministerin Theresa May mittlerweile offen gegenüber einer zweiten Volksabstimmung zeige.

85 Prozent der Labour-Abgeordneten wollten keinen Brexit. Daher war sich Bradshaw sicher, wenn es nur die Wahl zwischen einem ungeordneten Brexit und einem zweiten Referendum gebe, dass letzteres die bessere Wahl sei und deshalb auch von genügend konservativen Abgeordneten mitgetragen werden würde. Das würde aber nur mit einer deutlichen Verlängerung der Austrittsfrist einhergehen können, folgerte Bradshaw am Donnerstagabend in der ZDF-Sendung maybrit illner.

Auf die anstehende Europawahl angesprochen, erklärte der Labour-Politiker, dass Großbritannien daran teilnehmen müsse und sich auch bereits auf die Wahl vorbereite. Denn laut Bradshaw sei es unvorstellbar, dass die Brexit-Krise innerhalb der letzten verbleibenden Wochen gelöst werden könne, nachdem man sich zweieinhalb Jahre nicht einig geworden sei. Auch befürwortete Ben Bradshaw, dass die Verlängerung an Bedingungen wie Neu-Wahlen oder eine Volksabstimmung geknüpft werden müsse.

Irische Grenze: Laschet warnt vor "El Dorado der Kriminalität"

Armin Laschet, der stellvertretende CDU-Vorsitzende und nordrhein-westfälische Ministerpräsident, widersprach Bradshaw und warnte, den Briten ein zweites Referendum als Bedingung für eine Fristverlängerung aufzuzwingen. "Ich halte es nicht für klug, dass wir von außen aus der Europäischen Union die Briten in diese Situation bringen", sagte Laschet. Weiterhin gab er zu bedenken, dass die Folgen eines harten Brexits nicht abschätzbar seien. Als Beispiel führte er die Lehman Brothers-Pleite an, deren Nachwirkungen ungeahnte Ausmaße angenommen hatten. Armin Laschet sprach zudem die EU-Außengrenzen an. Durch einen harten Brexit würde sich in Irland eine offene EU-Außengrenze befinden und der CDU-Politiker erklärte, dass man diese nicht offenlassen könne, da es sich sonst zu einem "El Dorado der Kriminalität" entwickeln würde. "Für mich steht das Karfreitagsabkommen auf dem Spiel", fügte Laschet hinzu.    

Der ehemalige britische Botschafter Sir Peter Torry stimmte seinem Landsmann Bradshaw zu, dass Großbritannien bei der Europawahl dabei sein werde, denn "Corbyn und May werden auf die Schnelle keine Lösung finden". Er hoffe, dass die EU die Frist um mindestens ein Jahr verlängere, damit die Briten Zeit zum Umdenken haben. Er gab zu bedenken, dass das Land in sich gespalten und der Brexit "die schlimmste Krise seit dem zweiten Weltkrieg" sei. Der ehemalige britische Botschafter befürchte darüber hinaus, dass es bei einem harten Brexit auf beiden Seiten zu Problemen und Reibungen kommen könnte. Deshalb hoffe er auf eine "Lösung im letzten Moment".

Wirtschaftsforscher: Großbritannien zahlt hohen Preis

Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratscher, erklärte, dass es drei Richtungen in Großbritannien gebe: hart raus, bleiben oder irgendwas dazwischen. "Dass seit drei Jahren keiner eine Mehrheit hat, zeigt, wie schwierig die Lage ist", betonte Fratscher. Er sprach sich für klare Bedingungen aus, an die eine Fristverlängerung geknüpft werden müsse. Gleichzeitig gab der Präsident des DIW zu bedenken, dass eine schnelle Lösung für die Wirtschaft besser sei. Denn die EU-Staaten würden einen harten Brexit gut verkraften, da "den hohen Preis für einen ungeordneten Austritt Großbritannien zahlt".

Jetzt realisieren viele Briten, dass viele Probleme in Großbritannien gar nichts mit der EU zu tun haben, sondern hausgemacht sind.
Marcel Fratscher, DIW-Präsident

Fratscher führte zudem an, dass vielen Briten auch nicht bewusst war, was der Brexit tatsächlich für sie bedeute. Denn die britischen Politiker hatten vor der Volksabstimmung die EU als Sündenbock abgestempelt. "Jetzt realisieren viele Briten, dass viele Probleme in Großbritannien gar nichts mit der EU zu tun haben, sondern hausgemacht sind", fügte der DIW-Präsident hinzu.

Gespaltene Stimmung in Großbritannien

Die ehemalige MTV-Moderatorin Kristiane Backer, die seit 1989 in London, lebt, stimmte Fratscher in diesem Punkt zu. Gleichzeitig verwies sie aber auch auf die Unzufriedenheit der Briten mit der aktuellen Situation und erklärte, dass wenn man mit Briten spreche, es von morgens bis abends nur um den Brexit gehe. Auch Backer befürwortete ein zweites Referendum, denn sie sei sich sicher, dass ein "remain" das Ergebnis sein werde.

Christian Schulte-Loh, ein in London lebender deutscher Komiker, setzte dem entgegen, dass ein zweites Referendum nicht so klar ausgehen werde, wie alle es hoffen. "Europa macht derzeit viele Ansagen und das kommt bei den Briten nicht gut an", erklärte Schulte-Loh.

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