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maybrit illner - "Attentäter wollten Religionen gegeneinander aufhetzen"

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Gibt es einen Krieg der Religionen?, fragte "maybrit illner". Terrorismus-Experte Neumann warnte im ZDF davor, Christchurch als Ursache für die Anschläge in Sri Lanka zu werten.

Vertreter des Zentralrats der Muslime in Deutschland (ZMD) wollen in Sri Lanka die Orte der Terroranschläge vom Ostersonntag besuchen. Sie "werden nach Sri Lanka fliegen und werden dort die Kirchen besuchen, um einfach ein Zeichen der Solidarität zu zeigen", kündigte der Vorsitzende des ZMD, Aiman Mazyek, am Donnerstagabend in der ZDF-Sendung "maybrit illner" an.

Mayzek: Spirale der Gewalt durchbrechen

Terror hat keine Religion.
Aiman Mazyek,Vorsitzende des ZMD

Laut Mazyek setzen sich die Muslime in Deutschland für Religionsfreiheit überall auf der Welt ein. Denn es gehe sie etwas an, wie es den Menschen gehe, und zwar "unabhängig davon, ob sie einer Religion angehören oder nicht". Terroristen wie die im neuseeländischen Christchurch und in Sri Lanka setzten auf eine Spirale der Gewalt. Diese müsse durchbrochen werden. Die Mission aller Religionen sei Versöhnung. "Terror hat keine Religion", konstatierte der Vorsitzende des ZMD. Er habe sich dennoch gewünscht, dass es nach dem Anschlag auf zwei Moscheen in Christchurch, bei denen 50 Menschen getötet wurden, Sondersendungen und Talkrunden gegeben hätte.

Mazyek plädierte dafür, dass man die von den Terroristen in Gang gesetzte Spirale durchbrechen müsse und auch nicht deren Sprach-Duktus übernehmen dürfe: "Terroristen setzen darauf, dass sie mit ihren Aktionen einen Teufelskreis in Gang setzen, der immer neue Rache-Akte in die Wege leitet." Auch gab er mehrfach zu bedenken, dass "Menschen die Sprache des Hasses sprechen" und man dem "Islam nichts vorwerfen kann, weil er weder Subjekt noch Objekt ist, sondern eine Religionsgemeinschaft". Es gibt Menschen, die sich laut Aiman Mazyek als religiös bezeichnen, aber entgegen den Werten der Religion handeln: "Sie versündigen sich indem sie Mord und Totschlag predigen und somit gegen die eigene Religion vorgehen."

Neumann: Christchurch nicht die Ursache für Sri Lanka

Der Terrorismus-Experte Peter Neumann hält die Anschläge in Sri Lanka nicht für die Vergeltung des Tötens von Christchurch. Man wisse, dass die Attentäter in Sri Lanka bereits vor zwei Monaten im Besitz der Detonatoren und des Sprengstoffs gewesen seien. Schon vor vier Monaten habe die Regierung in Colombo Hinweise auf das extremistische Netzwerk bekommen, das die Anschläge mutmaßlich verübte.

Christchurch sei vielleicht der Auslöser, nicht aber die Ursache für den Terror in Sri Lanka gewesen. "Die Attentäter wollten die Religionen und die Gesellschaften gegeneinander aufhetzen", erklärte Neumann.

Der Terrorismus-Experte sieht die Lösung der Problematik in einem Zitat des amerikanischen Religionswissenschaftlers Mark Juergensmeyer das besagt "Religion ist nicht das Problem, aber Religion kann problematisch sein". "Genau dieselbe Energie und Intensität, die die Leute dazu bringt, wirklich schlimme Dinge zu tun, bringt die Menschen auch dazu, wirklich Gutes zu leisten", gab Neumann zu bedenken.

Der Terrorismus-Experte erklärte, dass jedem Extremismus gemein ist, dass er die Identität reduziert: "Man ist nicht mehr Muslim oder Christ, Sohn, Deutscher und Mensch, sondern es wird sich auf eine Eigenschaft beschränkt und die Menschen genau auf diese reduziert."

Bosbach fordert mehr Prävention

Wir dürfen nicht in die Falle der Terroristen tappen, denn sie wollen, dass wir gegeneinander in Stellung gehen, damit sie uns aufhetzen können und das dürfen wir nicht zulassen.
Wolfgang Bosbach, CDU

Der CDU-Politiker Wolfgang Bosbach erklärte, dass man nicht alle Kirchen weltweit gegen den Terror schützen könne. "Wir dürfen nicht in die Falle der Terroristen tappen, denn sie wollen, dass wir gegeneinander in Stellung gehen, damit sie uns aufhetzen können und das dürfen wir nicht zulassen", warnte Bosbach. Man müsse laut dem Innenpolitiker mehr Wert auf präventive und De-Radikalisierungs-Maßnahmen legen, denn "es wird niemand als Terrorist geboren". Muslime haben ihren Platz in der deutschen Gesellschaft, aber der CDU-Politiker gab zu bedenken, dass es auch Ländern gibt, in denen der Islam Staatsreligion ist und "wo noch nicht mal ein religiöses Existenzminimum den Andersgläubigen gewährt wird". Auf die Religions-Zugehörigkeit komme es laut Bosbach bei Extremisten nur in zweiter Linie an, "entscheidend ist die Mordlust".

Die Islamwissenschaftlerin Müvet Öztürk zeigte sich sehr besorgt, wie die Religion heutzutage interpretiert und praktiziert wird: "In den vergangenen 20 bis 30 Jahren ist die Religion sehr streng und konservativ interpretiert und praktiziert worden." Ihrer Ansicht nach sind die meisten Konflikte Ressourcen- oder Markt-orientiert oder von Menschen ausgelöst worden, die die für sie notwenige Anerkennung nicht finden. "Religion wird leider für Konflikte instrumentalisiert, die ihre wahren Ursachen wo anders haben", fügte Öztürk hinzu. Es sei die Aufgabe der Menschen für eine bunte und vielfältige Gesellschaft zu plädieren und "auch wenn es sich manchmal abgedroschen anhört, einfach klar machen, dass Vielfalt das Beste ist, was man hervorheben kann, und eben nicht die Einfalt".

Möller: Hass und Rache gehört zu Religionen

Für Philipp Möller, Religionskritiker und bekennender Atheist, ist es schwierig, sich einzureden, dass religiöser Terror nichts mit Religion zu tun haben soll: "Die Leute werden nicht weniger religiös, aber sie haben keine Lust sich von einem Iman oder dem Bischof ihr Leben vorschreiben zu lassen". Seiner Meinung nach predigen Religionen nicht nur Liebe, sondern sprechen auch die Sprache des Hasses und der Rache. "In den Quelltexten von Bibel und Koran wird explizit zur Gewalt aufgerufen", fügte Möller hinzu. Der Religionskritiker erklärte, dass der Islam nicht die einzige problematische Religion sei, sondern auch im Namen des Christentums gemordet und gefoltert wurde.

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