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maybrit illner - "Kinder sind keine kleinen Langzeitarbeitslosen"

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"Jedes Kind ist gleich viel wert", sagt Ministerin Giffey in der ZDF-Sendung "maybrit illner", daher solle das SPD-Kindergeld nicht auf Hartz IV angerechnet werden.

Kinder als Armutsrisiko? In den meisten Fällen, reicht der klassische Alleinverdiener schon lange nicht mehr aus, um die ganze Familie versorgen. Wie lassen sich Familie und Beruf vereinbaren und was hilft armutsgefährdeten Kindern wirklich?

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Die von der SPD geplante Kindergrundsicherung soll nach Angaben von Familienministerin Franziska Giffey nicht auf Hartz-IV-Leistungen angerechnet werden. Ihre Partei wolle, "dass jedes Kind gleich behandelt wird, egal, ob die Eltern im Sozialleistungsbezug sind oder nicht", sage die SPD-Politikerin am Donnerstag in der ZDF-Sendung "maybrit illner".

Ministerin will Kinder aus Hartz IV rausholen

Ziel des Konzeptes sei es, die Kinder aus Hartz IV rauszuholen. "Kinder sind keine kleinen Langzeitarbeitslosen", betonte die Ministerin. Nach den Vorstellungen der SPD werde mit Einführung des neuen Kindergeldes jedes der 17,8 Millionen Kinder und Jugendlichen bis 25 Jahre in der Familienkasse sein und werde Anspruch haben auf einen "verlässlichen Grundbetrag" in Höhe von 250 Euro monatlich. Dieser werde abhängig vom Einkommen der Eltern bis maximal 478 Euro monatlich ergänzt. Keinen Zweifel ließ die Ministerin allerdings daran, dass die Kindergrundsicherung nicht mehr vor der nächsten Bundestagswahl eingeführt werde. "Ja, in der Tat, das ist ein Konzept, was über diese Legislatur hinausreicht", sagte sie.

Franziska Giffey bei "maybrit illner"

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Giffey machte sich erneut für die Abschaffung des Ehegattensplittings bei der Berechnung der Steuerlast stark. Den Preis für das Splitting zahlten im Trennungsfall häufig die Frauen. Dennoch werde seit Jahren über diese Bevorzugung des Alleinverdiener-Modells diskutiert. "Das ist ein Modell, wo wir einfach im Moment noch Menschen haben in dieser Koalition, die das favorisieren und die nicht bereit sind, davon abzurücken", sagte Giffey und fügte hinzu: "Und ich kann Ihnen sagen, es sind nicht die Sozialdemokraten."

Forscherin: Noch immer sorgen sich die Frauen um die Kinder

Die Soziologin und Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung, Jutta Allmendinger, stellte klar, dass noch immer die Frauen für die Kinder sorgen: "Deshalb sind sie auch diejenigen, die das Leid zu tragen haben und zwar für ihr ganzes Leben." Sie prangerte zudem die fehlenden Rahmenbedingungen für einen Vollzeit-Berufs-Wiedereinstieg an: "Der Staat tut viel dafür, dass Mütter zuhause bleiben". Für Allmendinger ist das Ehegatten-Splitting ein "Anreizsystem, dass der eine mehr und der andere weniger arbeitet." Deshalb sprach sie sich deutlich für die Abschaffung desselbigen aus.

Die Soziologin forderte zudem ein umdenken beim Umfang der Erwerbstätigkeit und erklärte, dass man mehr in die Richtung denken müsse, die Arbeit und Leben verträglicher mache: "Eine 32 Stunden Woche für Frauen wie Männer, die über den Verlauf des Lebens verteilt mal mehr, mal weniger arbeiten." Wenn man eine höhere Geschlechtergerechtigkeit wolle, müsse man laut Allmendinger dafür Sorge tragen, dass die Arbeit zwischen Männern und Frauen besser verteilt werde.

AfD: Wunsch der Frauen stark, die Kinder selbst zu betreuen

Die Familienpolitische Sprecherin der AfD-Landtagsfraktion von NRW, Iris Dworeck-Danielowski, betonte, dass es "selbst in den heranwachsenden Generationen es immer noch stark der Wunsch der Frauen ist, die Betreuung des Kleinkindes selbst zu übernehmen." Ihrer Ansicht nach hätten Frauen nicht die freie Wahl zu Hause zu bleiben, da der finanzielle Druck zu hoch sei. Gegen eine Betreuung in Kitas spreche laut Dworeck-Danielowski, dass die "Personallage so angespannt ist, dass der Bildungserfolg nach wissenschaftlichen Maßständen fraglich ist." Die AfD-Politikerin stellte zudem klar, dass sie die steuerlichen Entlastungen für Alleinerziehende als zu gering und den Pauschbetrag als einen Witz ansehe.

Johannes Vogel, Sprecher für Arbeitsmarkt und Rentenpolitik der FDP-Bundestagsfraktion, erklärte, dass wir "eine bessere Verteilung der Arbeit" brauchen, denn auch Männer müssten sich um kleine Kinder kümmern. Das Gute-Kita-Gesetz von Familienministerin Giffey habe zwar einen starken Namen, aber an seiner wahren Stärke zweifelte das FDP-Parteivorstands-Mitglied. "Das eine ist, dass es genug Kitas gibt. Das andere ist, dass die auch Öffnungszeiten haben, die auch zum Berufsleben passen", betonte Vogel. Er forderte einen politischen Konsens, dass es den Eltern überlassen werden soll, ob sie ihre Kinder in eine Kita geben wollen, oder nicht. Seine Vorstellung wäre neben einem höheren Kinderfreibetrag bessere Absetzungsmöglichkeiten für die Kosten der Kinderbetreuung und die "Abschaffung der Steuerklasse V".

"Mütter leisten Care-Arbeit, aber diese wird nicht als Arbeit angesehen"

Die alleinerziehende Mutter und Mitorganisatorin der Demo gegen Kinderarmut, Fee Linke, erklärte, dass Alleinerziehenden die Planungssicherheit fehle: "Ich bin teilweise mit der Familie unter dem Hartz-IV-Satz geblieben."

Sie prangerte an, dass weder Politik noch Gesellschaft Alleinerziehende als Familie wahrnehmen würden. Für Linke ist Armut zudem weiblich und deshalb seien auch Kinder von ihr betroffen: "Mütter leisten Care-Arbeit, aber diese wird nicht als Arbeit angesehen." Sie forderte, dass wie von Jutta Allmendinger angesprochen, das Vollzeit-Konzept neu über dachte werden müsse: "30 bis 32 Stunden pro Woche arbeiten ist eine gute Idee."

Ruf nach einer 30 bis 32 Stunden-Woche

Die Unternehmerin Marie-Christine Ostermann spricht dann in ihrem Unternehmen mit Mitarbeitern über Teilzeit, wenn jemand schwanger wird: "Dann reden wir aber nicht über Armut, sondern freuen uns, dass jemand ein Kind bekommt." Leider kämen Mütter nur in Teilzeit zurück, gab Ostermann zu, aber "für die Unternehmen ist es wichtig, dass Männer und Frauen Vollzeit arbeiten." Eine von der Politik vorgegebene verbindliche 30 bis 32 Stunden Arbeitswoche sieht die Unternehmerin mit Skepsis, da "Firmen das mit ihren Mitarbeiterin individuell regeln" können. Sie ist sich aber sicher, dss auch einzelne Männer daran Interesse hätten.

Kinderarmut in Deutschland

Langzeitstudie zu Kindheitsarmut - Viele arme Kinder schaffen Ausstieg aus Armut

Der Übergang ins Erwachsenenleben ist für Kinder, die in Deutschland in Armut aufwachsen, ein wichtiger Scheideweg. Das geht aus einer Langzeitstudie der AWO hervor.

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