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Uekermann genervt von Personaldiskussion in der SPD

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"maybrit illner spezial" - Uekermann genervt von Personaldiskussion in der SPD

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"Rezo hat einen Nerv getroffen", findet die frühere Juso-Chefin Uekermann bei "maybrit illner". Sie kritisierte die Art, wie die großen Volksparteien mit den jungen Leuten umgehen.

SPD-Präsidiumsmitglied Johanna Uekermann hat ihre Partei zur inhaltlichen Diskussion großer gesellschaftlicher Fragen aufgerufen. Youtuber Rezo habe mit seinem Video "einen Nerv getroffen", sagte Uekermann am Donnerstag in der ZDF-Sendung "maybrit illner spezial". Junge Leute hätten "keinen Bock mehr auf diese Politik des kleinsten gemeinsamen Nenners" und "diese Trippelschritte", die gegangen würden, ohne die entscheidenden Fragen anzugehen. "Ich will endlich über die Themen reden, damit junge Leute sich ernstgenommen fühlen", betonte die frühere Juso-Vorsitzende.

Auf die Frage, ob Andrea Nahles noch die richtige SPD-Chefin sei, bekannte Uekermann, von der sofort nach der Europawahl begonnenen Personaldebatte in der SPD "super genervt" zu sein. "Ich kann es echt auch nicht mehr hören", sagte sie. Bei den Fridays for Future- und Artikel-13-Demonstrationen, bei denen sie gewesen sei, habe sie "keine Schilder gesehen, auf denen irgendwie stand, die Volksparteien müssten jetzt ihre Vorsitzenden austauschen". Dort seien junge Leute mit echten Themen auf die Straße gegangen.

Kinnert: Generationsübergreifende Gespräche dank Rezo

Diana Kinnert ist Unternehmerin und CDU-Mitglied. Sie ist enttäuscht, dass die junge Generation bei den großen Parteien nicht stattfindet. Der Altersdurchschnitt bei den Volksparteien liegt bei 60plus, stellte Kinnert fest und ergänzte, dass es "nur eine Frage der Zeit war, bis sich enttarnt, dass die Jugend insgesamt von den Parteien nicht abgeholt wird." Sie findet es erschreckend, dass die Parteien bei Wahlschlappen ein Image- und Kommunikationsproblem haben und nicht zugeben können, dass sie diese erlitten haben, weil sie die junge Generation nicht einbinden konnten.

Das Youtube-Video von Rezo hat ihrer Meinung nach zu generationsübergreifenden Gesprächen beim Familienessen beigetragen. "Man diffamiert junge Menschen, wenn man behauptet, man kann sie nur erreichen, wenn man die Kommunikationsform ändert", fügte die Unternehmerin hinzu.

"LeFloid" fühlt sich von GroKo nicht vertreten

Florian Diedrich, besser bekannt als Youtuber "LeFloid", ist der Meinung, dass es nicht um Rezo und sein Video gehe: "Wir haben grundsätzlich ein Konsensproblem." Er selbst zähle sich mit 31 und zwei Kindern noch immer zur Jugend und habe auch deshalb Rezo unterstützt: "Ich habe das Gefühl, dass ich mit meinen Interessen von einer GroKo nicht vertreten werde." Zum Thema "Wahleinmischung" stellt Diedrich fest: "Wenn man sich einmischen möchte, dann vor einer Wahlperiode." Er erklärte darüber hinaus, dass in der analogen wie in der digitalen Welt dieselben Regeln gelten. Auch sehe er keine Gefahr für die Transparenz, denn dafür werde Youtube in ein enges Korsett geschnürt.

Gesine Schwan, Vorsitzende der SPD-Grundwerte-Kommission, betonte, dass die Willensbildung in den Parteien koordiniert werden müsse, damit es eine verlässliche Linie gibt. Auch stand sie Florian Diedrich zur Seite und erklärte, dass Kommentatoren selbstredend zur Nicht-Wahl aufrufen dürfen: "Das zu verbieten ist abwegig und Unsinn". Gleichzeitig lobte Schwan die "Fridays for Future"-Bewegung: "Viele Aktionen kann man nicht einfach durchsetzen in der Politik und ohne öffentlichen Druck gibt es keine Chance, zu Durchbrüchen zu kommen. Denn es gibt immer den Vorbehalt in den Parteien, ob das Machtverlust bedeuten kann." Aber Gesine Schwan mahnte auch, dass das Fragenstellen nicht neu wäre, die Problematik jedoch in der Umsetzung liege: "Die Dinge müssen auch politisch beschlossen werden und daher muss man wissen, was die nächsten Schritte bedeuten."

Rezos "Timing war das Richtige"

Der frühere CDU-Generalsekretär Ruprecht Polenz ist der Ansicht, dass die Mitglieder der klassischen Parteien viel zu wenig motiviert sind, selbst im Netz unterwegs zu sein. Sein Rat: Mandatsträger sollen sich aktiv an der Diskussion im Netz beteiligen und die Möglichkeit nutzen, im Netz für ihre politische Meinung zu werben. Polenz stellte zudem heraus, dass die Klimafrage keine sei, die nur die junge Generation betrifft, sondern sich global an alle richtet. Er setze sich für eine CO2-Bepreisung ein, mahnte aber, dass dieser Vorstoß erst einmal in der Partei auch durchsetzbar sein müsse.

Für Carla Reemtsma, Studentin und "Fridays for Future"-Aktivistin, hat Rezo auf den Punkt gebracht, was viele Menschen denken: "Sein Timing war einfach das Richtige." Die CDU habe nur völlig falsch darauf reagiert und da zeige sich für Reemtsma ein Kommunikationsproblem: "Deswegen fühlen sich viele Leute auch falsch verstanden." Ihrer Ansicht nach werden die Fragen, die diskutiert werden müssen, nicht gestellt. "Die Parteien verhalten sich abschätzig gegenüber jungen Menschen", so Reemtsma.

Jörges: AKK "muss auf die Wähler schauen"

Viele in der CDU dachten laut Hans-Ulrich Jörges vom "Stern", dass es im Herbst zu einem Wechsel im Kanzleramt kommen werde: "Aber die SPD ist zu schwach, um eine Mehrheit zu gewährleisten." In der CDU selbst hingegen habe Annegret Kramp-Karrenbauer sich zu stark bemüht, die Konservativen innerhalb der Partei zu einen, da diese von Merkels Flüchtlingspolitik enttäuscht waren. "Das war falsch, sie muss auf die Wähler schauen", betonte Jörges. Dass die aktuelle CDU-Parteivorsitzende keine Kanzlerkandidatin wird, stehe für ihn durchaus im Rahmen des Möglichen, denn "Kramp-Karrenbauer war in den letzten Tagen erstaunlich aus der Form geraten, so dass sie als Berufspolitikerin sogar den Verdacht erweckt hat, die Meinungsfreiheit einschränken zu wollen".

Die Ressortleiterin Politik der "Welt", Claudia Kade, erklärte, dass der große Fehler der SPD sei, dass sie Personalprobleme nicht hintenanstelle. Man müsse Inhalte finden und mit diesen punkten. Sonst "wird sich die Partei pulverisieren, wenn sie so weiter macht", fügte Kade hinzu. Sie ist sich ebenfalls, wie Hans-Ulrich Jörges, sicher, dass es zu Neuwahlen kommen wird, sollte SPD-Chefin Andrea Nahles ein schwaches Ergebnis einfahren. "Seit den Ergebnissen der Europawahl haben die beiden Parteien einen Tunnelblick und fragen sich, wer Schuld hat und wer deshalb büßen müsse, anstelle als Volksparteien nach den Fehlern zu suchen", sagte Kade. Sie verglich die Sprachlosigkeit der GroKo gegenüber der Jugend mit der gegenüber der AfD.

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