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"maybrit illner" zum Datenklau - Mayer: Keine bewusste Nutzung von IT-Sicherheitslücken

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Was sind die Lehren aus dem Datenklau-Skandal? Innenstaatssekretär Mayer warnte im ZDF vor einer "Vollkasko-Mentalität" und wies Vorwürfe zurück, IT-Sicherheitslücken zu nutzen.

"Wir müssen uns darauf einrichten, dass es viel schlimmer kommen wird", prognostiziert die Publizistin Miriam Meckel bei "maybrit illner".

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Der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesinnenministerium, Stephan Mayer (CSU), hat Vorwürfe zurückgewiesen, der Staat nutze Sicherheitslücken im Netz. Er wolle Argumenten "deutlich entgegentreten", "dass die Bundesregierung die Sicherheitsbehörden ertüchtigt, sich bewusst Sicherheitslücken zu Nutze zu machen", sagte Mayer in der ZDF-Sendung "maybrit illner". Es würden "nicht irgendwelche backdoors bewusst genutzt, um die Bürger auszuspähen".

Kritik an Staatstrojanern

Bei den umstrittenen so genannten Staatstrojanern gehe es "um ganz spezifische Einzelfälle", sagte Mayer. Es müsse den Sicherheitsbehörden etwa bei Terrorverdacht oder Kapitalverbrechen möglich sein, mittels eines Staatstrojaners "in die IT der betreffenden Person einzugreifen". Das bedeute aber nicht, dass Millionen anderer Menschen gefährdet werden. Mayer warnte vor einer "Vollkasko-Mentalität". Vieles liege in der Hand der User, um sich besser gegen Datenklau zu schützen.

Anderer Meinung war die Netzaktivistin Anke Domscheit-Berg. Das spezifische Vorgehen der Behörden sei nur mit einer Sicherheitslücke möglich, "die alle anderen Hacker, die diese Sicherheitslücke kennen, auch nutzen können". Domscheit-Berg, die parteilos für die Linke im Bundestag sitzt, warf dem Bundesnachrichtendienst vor, "Sicherheitslücken auf dem schwarzen Markt aufzukaufen". Das sei "eine bodenlose Frechheit" und unterminiere "unser aller Sicherheit". Als abschreckendes Beispiel nannte Domscheit-Berg den amerikanischen Geheimdienst NSA, der jahrelang eine Windows-Sicherheitslücke genutzt habe, um Daten auszuspähen - statt Microsoft die Sicherheitslücke mitzuteilen und schließen zu lassen.

Barley: Datenschützer gelten als "Spaßbremse"

Hintergrund der Debatte bei "maybrit illner" war das Vorgehen eines 20-Jährigen aus Hessen, der Daten von Politikern, Journalisten und Prominenten ins Netz geladen hatte. Zu den Betroffenen des Datenklaus gehört auch Bundesjustizministerin Katarina Barley (SPD). Sie sprach im ZDF von einem "sehr unangenehmen Gefühl, wie wenn bei einem eingebrochen wird". Doch selbst ohne Hackerangriffe würden viel zu viele Daten in die falschen Hände geraten. Barley kritisierte, Datenschützer würden oft als "Spaßbremse" wahrgenommen - solange eben kein Skandal passiere. Es gehe nicht darum, Daten zu schützen, sondern Menschen.

Wie schwierig es Opfer von Cybercrime haben, schilderte der IT-Fachanwalt Peter Hense. Es gebe oft keine Handhabe, etwa kompromittierendes Material auf ausländischen Servern zu löschen. Dies gleiche bisweilen einer "Sisyphos-Arbeit". Zum Teil würden Daten nur gelöscht, wenn dafür Geld geboten werde - Geld, das sich nicht jeder Betroffene leisten könne.

Meckel: "Das kann Menschen kaputt machen"

Die Kommunikationswissenschaftlerin Miriam Meckel warnte vor einer "modernen Form des Prangers". Im digitalen Zeitalter könnten Menschen mit Daten erpresst werden. Die oft moralisch aufgeladene Diskussion stelle das Verhältnis von Privatheit und Öffentlichkeit auf den Prüfstand. "Das kann Menschen kaputt machen", warnte Meckel. Im Fall des 20 Jahre alten Hackers sei der Datenklau "noch ganz gut ausgegangen". Allerdings erleide die Wirtschaft jährlich 50 Milliarden Euro Schäden durch Hackerangriffe.

Der Wissenschaftsjournalist Ranga Yogeshwar forderte "eine neue Art, mit dem Internet umzugehen", und brachte eine Art Internet-TÜV ins Spiel. Die Bürger würden "an zu vielen Stellen über den Tisch gezogen", kritisierte Yogeshwar. Ein "echtes demokratisches Problem" entstehe dadurch, dass Großkonzerne die besten IT-Spezialisten mit einem durchschnittlichen Jahresgehalt von 300.000 Dollar köderten - Behörden könnten da nicht mithalten. Der Staat müsse seiner Fürsorgepflicht nachkommen und die Unternehmen dazu bringen, die User besser zu schützen. Aus dem "Spiel des Internet" sei "Ernst geworden", sagte Yogeshwar.

IT-Sicherheit statt Hacken

Zu den Gewinnern der Datenklau-Debatte dürften IT-Spezialisten gehören, denn deren Job-Aussichten sind besser denn je - und schon jetzt sind viele Stellen unbesetzt. Oder, wie es Miriam Meckel bei "maybrit illner" auf den Punkt brachte: "20-Jährige sollten nicht zuhause bei ihren Eltern rumhacken, sondern etwas mit IT-Sicherheit machen, denn sie haben eine lebenslange Anstellungsgarantie bei hohem Gehalt."

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