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"maybrit illner" zum Regenwald - Baerbock: Brasilien mit Importstopp unter Druck setzen

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Grünen-Chefin Baerbock fordert einen Importstopp für Soja und Rindfleisch von neuen Brandrodungsflächen in Brasilien. Nur so könne der Regenwald gerettet werden.

Viele Menschen schauen gebannt nach Südamerika, wo große Amazonas-Flächen in Flammen stehen. Es stellt sich immer drängender die Frage: Zerstört unsere Lebensweise den Planeten?

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Weite Teile des Regenwaldes in Südamerika stehen in Flammen. Sie werden gerodet, um Soja anzubauen oder Rinder weiden zu lassen. Nicht für den heimischen Markt, sondern um nach Europa zu exportieren. Dem müsse Einhalt geboten werden, fordert Grünen-Chefin Annalena Baerbock. Anders als im von der EU mit südamerikanischen Staaten verhandelten Mercosur-Abkommen vorgesehen, wäre ein Einfuhrstopp "ein massives Druckmittel - auch auf Herrn Bolsonaro", sagt Baerbock in der ZDF-Sendung "maybrit illner".

Forderung: Klimaschutz und soziale Standards

Baerbock kritisiert, dass in Freihandelsabkommen Klimaschutzstandards oder Fragen zu Menschenrechten nur im freiwilligen Teil verankert und nicht einklagbar seien. Handel dürfe jedoch nicht auf "immer mehr" ausgelegt, sondern müsse fair sein. Klimaschutz und soziale Standards müssten verbindlich eingehalten werden. "Das bedeutet für mich: Dieses Abkommen kann so nicht geschlossen werden", sagt die Grünen-Vorsitzende.

"Neue Geschäftsmodelle" zur Verhinderung von Brandrodungen im Amazonasgebiet fordert der FDP-Vorsitzende Christian Lindner. Treibe nicht die EU mit Brasilien Handel, täten dies "andere auf der Welt". Naheliegend wäre es, die brasilianischen Bauern zur Pflege und Aufforstung des Waldes zu bewegen. Deutschland solle nicht alles Geld zur Vermeidung von CO2 hierzulande einsetzen, sondern mit einem Teil auch Regenwald-Aufforstungen befördern, schlägt Lindner vor.

Regenwald aufforsten dauert 35 Jahre

Lindner berichtet von einer Reise nach Malaysia. Dort werde Regenwald aufgeforstet, was 35 Jahre brauche. Auch fordert Lindner statt Verboten technische Errungenschaften, um Alternativen zu CO2-intensiven Bereichen zu entwickeln, etwa beim Wohnen und Heizen. Denn hier falle der CO2-Verbrauch viel stärker ins Gewicht als beim Fleischkonsum.

Aus der grünen Lunge sei teilweise ein schwarzer Flickenteppich geworden, berichtet ZDF-Reporterin Katrin Eigendorf aus Brasilien. Sie war per Flugzeug in den Regenwald unterwegs und hat aus der Luft "viele Felder mit schwarzer, verbrannter Erde" gesehen. Trotz des Verbotes von Brandrodungen in den nächsten 60 Tagen rechnet Eigendorf nicht mit einer Wende: Es handle sich eher um "Augenwischerei". Die Agrarlobby sei zu mächtig, als dass der brasilianische Präsident Bolsonaro die Rodungen wirklich stoppen werde.

Urwald mit Sensoren kontrollieren

Laut dem Physiker Ranga Yogeshwar gibt es gute technische Möglichkeiten, den Regenwald zu kontrollieren. "Technisch ist es möglich, den Urwald mit Sensoren zu beobachten. Man kann Feuer lokalisieren", sagt Yogeshwar. Noch wichtiger sei aber die Frage: "Wieviel ist uns dieser einzigartige Planet wert?" Kein Verständnis hat der Physiker dafür, dass es in Deutschland oft billiger sei, zu fliegen als Bahn zu fahren. "Die Menschen merken, dass sich etwas ändern muss, aber jeder sagt: 'Fang du mal an'", kritisiert Yogeshwar.

Die Menschen merken, dass sich etwas ändern muss, aber jeder sagt: 'Fang du mal an'.
Ranga Yogeshwar

Arndt Günter Kirchhoff, Unternehmer-Vertreter aus Nordrhein-Westfalen, widerspricht dem Eindruck, beim Freihandelsabkommen Mercosur handele es sich um einen Kuhhandel "deutsche Autos" gegen "südamerikanisches Rindfleisch". Problematisch an der Klima-Debatte findet Kirchhoff, dass drei Bedingungen erfüllt werden müssten: Niemand wolle mehr bezahlen, die neue Technologie müsse verfügbar sein und niemand wolle überfordert werden. Trotzdem hält er die Trendwende für machbar.

Forscherin fordert "radikale Kostenwahrheit"

Claudia Kemfert, Professorin für Energieökonomie, fordert eine "radikale Kostenwahrheit". Oftmals würden die Kosten von Klima- und Umweltschäden über den Staatshaushalt bezahlt. "Nur merken wir es nicht", sagt Kemfert. Würden die CO2-Kosten stets mitberechnet, würden importierte Produkte automatisch teurer. "Wir müssen die Rechnung bezahlen für das, was wir dem Planeten antun", sagt Kemfert. Sie fordert, den Regenwald als grüne Lunge der Erde unter Denkmalschutz zu stellen und die Abholzung zu verbieten.

Obwohl er Fleisch liebt, ist der Sternekoch Nelson Müller zu einem Teilzeit-Vegetarier geworden. Er erinnert daran, dass es früher oft nur sonntags Fleisch gab. Und er verweist auf Ärzte, die vor zu viel Fleischkonsum warnen. Es gebe viele leckere Alternativen zu Fleisch, sagt der Sternekoch. Die Verzicht-Debatte mache Spaß, wenn sie emotional geführt werde - wie etwa von der Klima-Aktivistin Greta. Müller fordert ein Bewusstsein dafür, wie wertvoll der Planet sei. Sein Appell: "Wir müssen Marketing betreiben für unseren Planeten."

Die ganze Sendung hier:

"maybrit illner“ mit dem Thema "Der Regenwald brennt – zerstört unser Konsum den Planeten?" am Donnerstag, den 29. August 2019, um 22:15 Uhr im ZDF.

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