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Kinderrechte im Internet - "Medienkompetenz von klein auf erlernen"

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Kinder haben Rechte. Auch im Internet. Medienkompetenz hilft ihnen, sich im Netz zu behaupten und dabei nicht alles von sich preiszugeben. Wie, das erklärt Katharina Gerarts.

Archiv: Drei Schüler lernen am 14.11.2017 in Dolgesheim, Rheinland-Pfalz, mit dem Tablet-Computer
Schüler mit Tablet-Computer (Symbolbild)
Quelle: dpa

heute.de: Was ist für Kinder wichtig, wenn es um Recht und Medien geht?

Katharina Gerarts: Drei Punkte sind wichtig. Zum einen die Privatsphäre. Gerade von Erwachsenen muss darauf geachtet werden, dass das Recht auf Privatsphäre von Kindern und Jugendlichen nicht beschnitten wird. Kinder und Jugendliche möchten dieses Recht auch gewahrt haben. Das zweite ist Kinder- und Jugendschutz in den Medien, denn Kinder und Jugendliche stoßen im Netz auch auf durchaus gefährdende Inhalte. Das dritte die Medienkompetenz. Sie müssen wissen, was hinter einer App steckt, oder was es bedeutet, die eigenen Daten weiterzugeben oder öffentlich zu posten.

heute.de: Stichwort Medienkompetenz: Wie erlernen Kinder sie?

Gerarts: Im Moment passiert das häufig während der Nutzung. Das geht auch den meisten Erwachsenen so. Idealerweise sollte Medienkompetenz von Klein auf erlernt werden. Es kann sogar schon in der Kita anfangen, dass Kinder bereits erste Medienkompetenz aufbauen.

heute.de: Wie kann das funktionieren?

Gerarts: Beispielsweise über spielerische Herangehensweisen, durch Projekte mit der Nutzung von Tablets. Das muss sich dann auch durchziehen. In der Schule ist das Thema noch nicht so verankert, dass tatsächlich Medienkompetenz entsprechend der aktuellen Medien gelehrt werden kann.

heute.de: Meist haben die Lehrer weniger Ahnung als die Kinder.

Katharina Gerarts
Katharina Gerarts ist Professorin für Kindheitswissenschaften an der Ev. Hochschule Darmstadt.
Quelle: EHD Darmstadt

Gerarts: Ganz genau. Wie bei der Kompetenzbildung müsste hier in der Lehrer-Aus- und -Fortbildung angesetzt werden. Aber ich sehe da auch Eltern und außerschulische Bildung in der Verantwortung.

heute.de: Inwiefern?

Gerarts: Es gibt ja auch Chancen durch die Neuen Medien. Viele Dinge können sich daraus positiv entwickeln. Aber es gibt auch Herausforderungen und Gefahren, über die in Schule und Familie gesprochen werden sollte.

heute.de: Wie können Kinder ihre Rechte im Netz umsetzen?

Gerarts: Das geht im Grunde über verschiedene Wege. Wenn ich mir den Bereich der Kinder- und Jugendbeteiligung anschaue, wäre eine Möglichkeit, dass sich Kinder- und Jugendliche übers Netz zusammenschließen. Sie können in den digitalen Medien Gruppen bilden, vielleicht entstehen Blogs, in denen sie sich austauschen können. Ein anderer Punkt ist, wenn Kinder und Jugendliche feststellen, dass es irgendwo Schwierigkeiten mit den Kinderrechten gibt, beispielsweise, wenn diese verletzt werden. Die digitalen Medien können dazu beitragen, dass Kinder und Jugendliche eine Online-Anlaufstelle, ähnlich eines Livechats, haben, um sich beraten zu lassen.

heute.de: Wie können sich Kinder aktiv im Netz schützen?

Gerarts: Ein erster Schritt ist, dass Kinder und Jugendliche aufgeklärt sind und sie mögliche Gefahren kennen. Sie müssen verstehen, dass viele fremde Menschen Informationen über sie bekommen, wenn sie bei Instagram oder Snapchat Fotos teilen. Hier sind die Erwachsenen gefragt, die ihnen erklären müssen, was das für Konsequenzen nach sich ziehen kann und welche Reichweite das alles hat. Das ist Kindern oft gar nicht bewusst.

heute.de: Gibt es konkrete Handlungsweisen für Kinder?

Gerarts: Sie haben die Möglichkeit, im Netz Pseudonyme zu verwenden, um so anonym zu surfen. So geben sie nicht alle Daten von sich direkt preis.

heute.de: Das ist schwierig, weil Kinder ja auch gerne sagen: "Ich hab doch gar nichts zu verbergen."

Gerarts: Es muss ein Bewusstsein dafür geschaffen werden, das passiert nicht automatisch. Das passiert dann, wenn Kinder mit Erwachsenen ins Gespräch kommen oder auch Aufklärungsclips in Medienkompetenz-Einheiten eingebunden werden. Es gibt ein interessantes Aufklärungsvideo von Unicef.

heute.de: Welche Rolle spielt die Selbstbestimmung der Kinder im Internet?

Gerarts: Das ist eine ganz große Ambivalenz. Die Kinder und Jugendlichen haben auf der einen Seite den Wunsch, selbst bestimmt agieren zu können. Die meisten fühlen sich durchaus gewappnet. Auf der anderen Seite berichten Jugendliche, wie erschrocken sie beispielsweise bei Youtube sind, wenn Werbeinhalte auftauchen, die eigentlich nicht kinder- und jugendgerecht sind. Da wird die Selbstbestimmung nicht nur in Frage gestellt, da ist direkt über eine mögliche Kindswohlgefährdung nachzudenken. Das sind dann die Grenzen der Selbstbestimmung.

heute.de: Welche Chancen ergeben sich aus den Rechten für Kinder direkt für die Kinder?

Gerarts: Ich glaube, dass wir mit der Verknüpfung von Digitalisierung und Kinderrechten eine große Chance haben. So kann man auch Kinder erreichen, die als Digital Natives aufwachsen. Für die ist es ganz selbstverständlich, dass es Smartphones und Tablets gibt. Sie sind permanent online. Ich glaube, wir müssen kompetent und bewusst mit den Medien umgehen und das unseren Kindern und Jugendlichen auch ein Stück weit beibringen.

Das Interview führte Florence-Anne Kälble.

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