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Stimmung in den USA - Nordkorea-Konflikt: "Wie bei einem Boxkampf"

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Das Säbelrasseln ihres Präsidenten macht die Amerikaner nervös. 82 Prozent fürchten sich laut aktuellen Umfragen vor einem Atomkrieg mit Nordkorea. So nah sei die Welt seit der Kubakrise 1962 nicht mehr an einer nuklearen Katastrophe gewesen, meinen Experten.

Chinas Präsident Xi hat in einem Telefonat mit US-Präsident Trump zur Mäßigung im Nordkorea-Konflikt aufgerufen. Einig sei man sich aber, dass Pjöngjang sein „provokatives und eskalierendes Verhalten“ beenden müsse.

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"Ich will kein Schwarzseher sein, aber wir werden alle sterben", mit diesen Worten eröffnete Comedian Stephen Colbert seine Late Night Show. Das Publikum im Saal lachte zwar, aber den meisten Amerikanern bleibt derzeit das Lachen im Hals stecken. Ihr Präsident, der eigentlich gerade Urlaub auf dem eigenen Golfplatz macht, hat Nordkorea vergangene Woche mit "Feuer und Zorn" gedroht.

Laut einer aktuellen Umfrage fürchten 82 Prozent, dass Amerika in einen Nuklearkrieg mit Nordkorea hineingezogen werden könnte. Zweidrittel halten Nordkorea für eine "ernsthafte Bedrohung". Und: 61 Prozent haben ein ungutes Gefühl damit, wie Präsident Trump die Krise mit Nordkorea handhabt. Uneinig sind sich die Amerikaner darüber, ob die USA militärisch aktiv werden sollen oder nicht.

Brutale Worte für eine brutalen Diktator

Alice Stewart, rechtskonservative Kommentatorin beim Fernsehsender CNN, findet, Präsident Trump hat Recht. "Brutale Worte sind genau das, was ein brutaler Diktator wie Kim braucht. Jahrelange Diplomatie, Sanktionen und Verhandlungen mit dem Wahnsinns-Regime haben nicht funktioniert", so Stewart. Jetzt sei es an der Zeit, Ernst zu machen mit dem "Regen des Verderbens".

Regen des Verderbens ("rain of ruin") - mit diesen Worten hatte Präsident Harry S. Truman 1945 die Bombardierung Hiroshimas angekündigt. "Regen des Verderbens" - "Feuer und Zorn", die Rhetorik klingt ähnlich. Wie ernst ist die Nordkoreakrise 2017? "Todernst", schreibt Charles Lipson, Professor für internationale Beziehungen an der University of Chicago in einem Kommentar für Realclearpolitics. "So nah ist die Welt seit der Kubakrise 1962 nicht mehr an einer nuklearen Katastrophe gewesen."

Krise mit offenem Ausgang

Lipson glaubt, dass Präsident Trump seinen Ton gegenüber dem Regime in Pjöngjang ganz bewusst eskaliert hat. "Es war eine vorsätzlich geplante Strategie. Die Regierung beschreitet damit einen gefährlichen Weg." Allerdings sei die lauwarme Diplomatie der letzten Jahre ähnlich gefährlich gewesen. Nordkorea habe die Zeit genutzt und atomar aufgerüstet. "Jetzt stecken wir mitten in einer nuklearen Krise mit offenem Ausgang."

Für David Ignatius, Kommentator der Washington Post, ist Donald Trump alleine schuld an der Eskalation. "Er hat beschlossen, eines der rücksichtslosesten, riskantesten Regimes der Welt herauszufordern. Wenn das hier eine Hollywood-Geschichte wäre, würde es eine Mischung aus 'The Art of the Deal' und 'Dr. Strangelove' sein. Trump spricht wie der Promoter bei einem Boxkampf." Seine Rhetorik destabilisiere die Partner der USA möglicherweise mehr als die Gegner, so Ignatius. Dabei könnten USA weder im Krieg noch im Frieden einen Alleingang machen.

Drohungen als Ablenkungsmanöver?

Jean H. Lee, die lange Zeit als Korrespondentin in Korea gearbeitet hat und heute am Woodrow Wilson International Center for Scholars forscht, schreibt in der New York Times: "Die Kader in Pjöngjang freuen sich höchstwahrscheinlich über die verbalen Attacken von Präsident Trump, denn die spielen ihrer Propaganda perfekt in die Hände." Nordkorea sehe sich selbst seit Jahren als kleines Land, das von den USA schikaniert werde. Das Regime nutze die Drohungen aus Amerika, um den weiteren Ausbau ihres Nukleararsenals zu rechtfertigen. Und um den Zusammenhalt im Land zu stärken. "Womöglich hat sich Trump eine Scheibe von Kims Strategie abgeschnitten: Er schürt Angst, um die Amerikaner von seinen Fehlern und Problemen abzulenken."

Tatsächlich hat Trump nach einer Woche des Säbelrasselns Richtung Nordkorea immerhin eines erreicht: Seine Beliebtheitswerte steigen wieder. Anfang August hatten gerade einmal 39 Prozent der Befragten dem Präsidenten bescheinigt, gute Arbeit zu leisten. Am Freitag waren es immerhin 45 Prozent.

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