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Nobelpreis für Krebsforscher - Das steckt hinter der Sensations-Entdeckung

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Moleküle hemmen, die eine Krebsheilung verhindern: Das ist der Ansatz der beiden Forscher Allison und Honjo. Für die neue Art der Krebsbekämpfung bekamen sie jetzt den Nobelpreis.

Zwei Immunologen veränderten Zellen so, dass sie bestimmte Tumore attackieren und vernichten. Es ist ein Meilenstein für neue Krebstherapien.

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Schon Kleinkinder kennen das Prinzip: Wenn man auf die Bremse drückt, bleibt das Auto stehen. Löst man die Bremse, fährt das Auto weiter. Mit diesem Vergleich hat die Jury des Nobelpreis-Komitees heute in Stockholm versucht zu erklären, welche bahnbrechende Entdeckung in der Krebstherapie sie heute ausgezeichnet hat. Neu ist der Vergleich nicht: Einer der Preisträger, Tasuku Honjo, hat sie selbst bereits mehrfach in der Vergangenheit genutzt, um die Komplexität seiner Entdeckung zu beschreiben.

Moleküle als Bremsen

Und darum geht es: Honjo und sein Team haben bereits 1992 das Molekül PD-1 entdeckt. Dabei stellten sie fest, dass PD-1 wie eine Art Bremse wirkt. Durch diese Bremse kann sich das Immunsystem nicht gegen Tumorzellen wehren. Löst man jetzt die Bremse, also das PD-1, dann werden die sogenannten T-Zellen aktiv. Sie haben nicht mehr und nicht weniger zu tun, als sich auf den Tumor zu stürzen.

Auch der zweite Preisträger, James P. Allison, hat eine ähnliche Methode entwickelt. Er entdeckte das Molelkül CTLA-4, das ebenfalls wie eine Bremse wirkt. Der große Traum, der hinter diesen Methoden steht: Der Körper kann sich selbst gegen den Tumor wehren. Viele sprechen daher bereits von der vierten Säule in der Krebstherapie neben der Entfernung des Tumors, der Strahlentherapie und der Chemotherapie. Für Andreas Radbruch, Wissenschaftlicher Direktor des Deutschen Rheumaforschungszentrum in Berlin kommt die Vergabe des Preises nicht überraschend: "Das was sie gefunden haben, war ja eine echte Sensation damals", so Radbruch. "Und es hat jetzt schon seinen Weg in die Klinik gefunden, das ist beeindruckend."

Große Erfolge, aber auch Nebenwirkungen

Die ersten Patienten, die mit dieser sogenannten "Checkpoint-Hemmung" behandelt wurden, waren Hautkrebs-Patienten. Seit knapp zehn Jahren profitieren immer mehr Patienten mit Lungen-, Leber- oder auch Nierenkrebs von den Methoden.

Doch die "Checkpoint-Hemmung" ist nicht folgenlos für viele Patienten. Nebenwirkungen spielen eine große Rolle, vor allem Autoimmunerkrankungen. Die Nobelpreis-Jury nahm dazu auf Nachfrage auch Stellung und erklärte, dass man sich dessen durchaus bewusst sei, aber 60 Prozent der Patienten würden mit dieser Methode überleben und so würde da doch "der positive Nutzen" überwiegen. "Das ist der Preis dafür", sagt auch Radbruch. "Die Patienten müssen darüber aufgeklärt sein. Man kann Autoimmunerkrankungen heute auch besser behandeln als noch vor vielen Jahren."

Forschung geht weiter

Radbruch kennt Honjo schon seit mehr als 30 Jahren. Als Präsident der Europäischen Immunologen wird er ihm und auch Allison zum Preis gratulieren. "Der Preis verdeutlicht, dass es sich auszahlt, in immunologische Forschung zu investieren und sie fokussiert zu betreiben, um wichtige Krankheiten wie Krebs, Rheuma, Diabetes, Allergien etc. ‚biologisch‘ zu behandeln, mit den Waffen des Immunsystems."

Honjo sagte bereits in einer ersten Reaktion zu Reportern, dass er auf jeden Fall weiter forschen möchte. "So dass die Immuntherapie noch mehr Krebspatienten helfen kann."

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