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Datenschutz - Mehr Kontrolle über Cookies und Co.

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Acht von zehn Webseiten sammeln eifrig Nutzerdaten. Anti-Tracking-Software soll den User schützen. Während die Werbebranche Verluste befürchtet, gibt es Rückenwind von der EU.

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Adblock Quelle: imago

Beim Surfen ist niemand allein. Acht von zehn Webseiten spionieren ihren Nutzern zu Werbezwecken nach. Am eifrigsten sind die Werbesysteme von Google und Facebook. Auf zwei von drei Webseiten wird der User von Google überwacht, so das Ergebnis einer Studie der Anti-Tracking-Firma Ghostery und des deutschen Browser-Entwicklers Cliqz. Facebooks Datenspione sind auf 27 Prozent aller Seiten aktiv.

Nutzer wird gleich mehrfach überwacht

Auf den meisten Webseiten werden gleich mehrere Überwachungssysteme eingesetzt. Meist handelt es sich um sogenannte Drittanbieter-Cookies, also um Cookies, die nicht der Seitenbetreiber, sondern die Werbebranche setzt, sowie um Tracking-Programme, die in die Webseiten eingebettet werden und das Surfverhalten protokollieren. Die meisten Betreiber solcher Tracking-Systeme kommen aus den USA und unterliegen dem dortigen, eher laschen Datenschutz.

Die Tracking-Systeme werden im Auftrag der Online-Werbebranche auf die Nutzer angesetzt. Die Branche versorgt die Webseiten mit Werbeanzeigen, die möglichst passgenau auf den Surfer zugeschnitten sind. "Die starke Vernetzung innerhalb dieser Branche führt dazu, dass mit dem Laden einer einzigen Anzeige gleich mehrere Tracker ins Spiel kommen", heißt es in der Studie.

Privatsphäre in Gefahr

Werbetracker wurden nicht nur auf kommerziellen Webseiten, sondern zum Beispiel auch auf den Infoseiten eines Krankenhauses gefunden, das über HIV-Tests informiert. „Auch hier lesen zahlreiche Tracker mit, wer die Infoseite aufruft“, sagen die Experten von Ghostery. Besonders problematisch sei, dass die Tracker auch erführen, wer sich über die Seite für einen HIV-Test anmelde.

Die Nachteile für den Nutzer liegen auf der Hand. Tracking-Programme verlangsamen den Rechner und stellen ein erhebliches Risiko für die Privatsphäre dar. Außerdem würden die Daten in aller Regel ohne Wissen und Zustimmung des Nutzers gesammelt. Welche Daten erfasst und mit wem sie geteilt würden, sei in den meisten Fällen völlig unklar, schreibt Ghostery.

Datensammler sollen draußen bleiben

Programme wie Ghostery oder Werbeblocker wie Adblock Plus sollen vor den digitalen Datensammlern schützen. Sie arbeiten mit schwarzen Listen bekannter Tracking-Systeme und blockieren sie. Unbekannten Trackern will Ghostery mit künstlicher Intelligenz an den Kragen gehen. Deren gesammelte Daten werden mit Zufallswerten überschrieben, sodass der User nicht mehr zu identifizieren ist, so Jean-Paul Schmetz von Ghostery zu heute.de.

Die großen Werbenetzwerke seien mittlerweile so mächtig, dass sie das Internet kontrollieren, sagt Ghostery. "Sie bestimmen, wie Websites aussehen, wie schnell sie laden und wie viele Daten sie sammeln." Mit Anti-Tracking-Software würden die Nutzer wieder selbstbestimmt surfen. "Je mehr User dies tun, desto größer wird der Druck auf die Branche, ihre Methoden so zu verändern, dass sie die Nutzer, deren Recht auf Privatsphäre und den Anspruch auf ein störungsfreies Web-Erlebnis respektieren", heißt es bei Ghostery.

Werbebranche fürchtet Verluste

Die Werbebranche und kommerzielle Webseitenbetreiber sehen das natürlich völlig anders. Sie finanzieren sich über personalisierte Werbung und fürchten, ihre Haupteinnahmequelle zu verlieren. Viele Seitenbetreiber sind deshalb bereits dazu übergegangen, Nutzer mit installiertem Werbeblocker von ihren Inhalten auszuschließen. Stattdessen wird ein Hinweis mit der Bitte angezeigt, den Werbeblocker abzuschalten.

Rückenwind bekommen die Herausgeber von Anti-Tracking-Software dagegen von der EU. In Brüssel wird an einer neuen Datenschutzverordnung, der E-Privacy-Verordnung, gearbeitet. Sie soll den Einsatz von Tracking-Verfahren auf Webseiten EU-weit verbindlich regeln. Tracking ohne ausdrückliche Zustimmung des Nutzers soll verboten werden.

EU will Nutzer schützen

Bereits jetzt dürfen Cookies nicht ohne Zustimmung des Nutzers gesetzt werden. Die geplante Verordnung geht aber noch einen entscheidenden Schritt weiter. Internetbrowser und Smartphone-Betriebssysteme sollen Cookies von Drittanbietern künftig bereits in ihren Voreinstellungen blockieren. Der Nutzer muss also von sich aus aktiv werden und die Einstellungen ändern, wenn er solche Cookies zulassen will.

Das EU-Parlament hat dieser Regelung bereits zugestimmt. Nun sind die Mitgliedsstaaten am Zug. Sie müssen sich auf eine gemeinsame Position einigen. Anschließend geht der Entwurf in den sogenannten Trilog. Hier verhandeln EU-Kommission, Parlament und Rat über den Inhalt der Verordnung. Mit einer Einigung ist nicht vor Mitte nächsten Jahres zu rechnen.

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