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Bomben in Kirchen und Hotels - Mehr als 200 Tote nach Explosionen in Sri Lanka

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Innerhalb einer halben Stunde treffen Explosionen drei Kirchen und drei Luxushotels in Sri Lanka. Mehr als 200 Menschen sind getötet worden, auch Ausländer sind unter den Opfern.

Anschläge auf Sri Lanka
Rettungskräfte sind nach der Explosion in der St Anthony's Church in Colombo vor Ort.
Quelle: Reuters

Bei einer Reihe von Explosionen in Hotels und christlichen Kirchen sind am Ostersonntag in Sri Lanka mindestens 207 Menschen getötet worden. Unter den Opfern seien mindestens 12 Ausländer. Betroffen waren drei Luxushotels und eine Kirche in der Hauptstadt Colombo sowie zwei weitere Kirchen unweit von Colombo und im Osten des Landes. Regierungschef Ranil Wickremesinghe sprach von "feigen Angriffen".

Mehr als 450 Menschen wurden verletzt, einige von ihnen schwebten in Lebensgefahr. Die Explosionen erschütterten die drei Kirchen, während die Gläubigen die Ostermesse feierte. Unter den Todesopfern waren nach ersten Krankenhausangaben offenbar US-Bürger, Briten und Niederländer. Ob auch Deutsche darunter waren, versuche die Botschaft in Sri Lanka "mit Hochdruck" aufzuklären, erklärte Außenminister Heiko Maas (SPD).

Der Erzbischof von Colombo hat die Regierung Sri Lankas aufgefordert, eine unabhängige Untersuchung einzuleiten. Bisher haben die Behörden noch keine Ermittlungsergebnisse erzielt.

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Polizei berichtet von Explosionen in drei Luxushotels

Nach der Anschlagserie ist eine landesweite Ausgangssperre in Kraft getreten. Die Regierung sperrte zudem vorübergehend den Zugang zu sozialen Medien, wie Vize-Verteidigungsminister Ruwan Wijewardene bei einer Pressekonferenz in der Hauptstadt des Inselstaates, Colombo, erklärte. Er gab an, die für die Anschläge Verantwortlichen seien identifiziert worden. Er sprach von einem "terroristischen Vorfall" und sagte, die Regierung werde künftig verhindern, dass religiöse Extremisten in Sri Lanka agierten.

Die ersten Explosionen wurden in den Kirchen St Anthony's Church in Colombo und St. Sebastian in Negombo gemeldet. Auf der Facebook-Seite der Kirche St. Sebastian war von einem Bombenangriff die Rede.

Kurze Zeit später berichtete die Polizei von weiteren Explosionen in drei Luxushotels von Colombo und einer dritten Kirche in Batticaloa. Eines der Hotels, das Cinnamon Grand Hotel, liegt in der Nähe der Residenz des Regierungschefs. Dort wurde nach Angaben eines Hotelmitarbeiters ein Mensch bei einer Detonation im Restaurant getötet. Laut Auswärtigem Amt sind möglicherweise auch das Shangri La und das Kingsbury Hotel betroffen.

Mehrere Stunden später informierte die Polizei über zwei weitere tödliche Explosionen: In einem Hotel in Dehiwala, einem Vorort der Hauptstadt Colombo, wurden bei einer Detonation mindestens zwei Menschen getötet, wie die Polizei mitteilte. Das Hotel war das siebte Ziel der Anschlagsserie und das achte Ziel lag in einer Wohngegend in Dematagoda, einem Vorort der Hauptstadt Colombo. Es gab hier zunächst keine Angaben über Opfer oder weitere Einzelheiten.

Hintergründe zunächst unklar

Die Hintergründe der Explosionen waren zunächst unklar. In einem Schreiben vom 11. April an führende Sicherheitsvertreter hatte Polizeichef Jayasundara jedoch vor Plänen der radikalislamischen Gruppe NTJ gewarnt, Selbstmordanschläge auf Kirchen sowie auf das Indische Hochkommissariat (Botschaft) in Colombo zu verüben. Er berief sich dabei auf Informationen eines "ausländischen Geheimdiensts". Die NTJ war im vergangenen Jahr durch die Beschädigung buddhistischer Statuen in Sri Lanka bekannt geworden.

Nur sechs Prozent im mehrheitlich buddhistischen Sri Lanka sind Katholiken. Zu ihnen gehören Mitglieder der tamilischen Minderheit und der singhalesischen Mehrheit.

Merkel: "Terrorismus, religiöser Hass und Intoleranz dürfen nicht siegen"

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) reagierte entsetzt "über die Nachricht, dass Christen auf Sri Lanka während der Ostermessen angegriffen und getötet wurden". Wie sie über ihren Sprecher Steffen Seibert erklären ließ, trauere die Regierung um die Opfer. "Wir beten für die Verletzten und Familien. Terrorismus, religiöser Hass und Intoleranz dürfen nicht siegen."

Maas erklärte, "diese niederträchtige Tat richtete sich offenbar gezielt gegen Menschen, die sich am Ostersonntag in der Kirchen dem Gebet und der Besinnung widmeten, sowie gegen Reisende".

Auswärtiges Amt richtete einen Krisenstab ein

Deutsche, die sich in Sri Lanka aufhalten, sollten sich von den Anschlagsorten fernhalten und den Anweisungen der Behörden Folge leisten, erklärte Maas. Das Auswärtige Amt richtete demnach einen Krisenstab ein. Besorgte Angehörige können sich unter der Telefonnummer 030-50000 melden.

Karte: Sri Lanka - Colombo
Karte: Sri Lanka mit der Hauptstadt Colombo
Quelle: ZDF

Das Auswärtige Amt rief in seinen aktualisierten Sicherheitshinweisen alle Reisende dazu auf, die Anschlagsorte weiträumig zu meiden, die lokalen Medien zu verfolgen, engen Kontakt zu Reiseveranstaltern und Fluggesellschaften zu halten und Anweisungen von Sicherheitskräften Folge zu leisten. Mit weitreichenden Sicherheitsmaßnahmen wie Absperrungen, aber auch Einschränkungen im Flugverkehr und verstärkten Kontrollen vor dem Betreten des Flughafengebäudes und dem Abflug sei zu rechnen.

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