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Outing am Arbeitsplatz - Drei von vier Homosexuellen kennen dumme Sprüche

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Ein dummer Spruch, geschnitten werden von Kollegen: Drei von vier Homosexuellen haben Erfahrungen mit Diskriminierung am Arbeitsplatz. Laut einer Studie des Bundes ist ein Outing im Büro für viele Lesben und Schwule nach wie vor heikel - doch es gibt auch eine positive Entwicklung.

Laut der Studie „Out im Office“, die heute in Berlin vorgestellt wurde, ist ein Outing im Büro nach wie vor heikel. Drei von vier Schwulen, Lesben, Bisexuellen wurden am Arbeitsplatz diskriminiert – doch es gibt auch eine positive Entwicklung.

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Denise Jann kennt die Sprüche von Kollegen nur zu gut. Den Klassiker zum Beispiel: "Du brauchst nur mal einen richtigen Mann, der treibt Dir das Lesbisch-Sein schon aus." Ja, auch so etwas habe sie zu hören bekommen nach ihrem Outing am Arbeitsplatz. Denise Jann ist 25 Jahre alt, Altenpflegerin, seit anderthalb Jahren hat sie eine Freundin. Einige ihrer Kollegen hätten dafür kein Verständnis, sagt sie. Und während eines Praktikums habe sie auch schon einmal einen echten Shitstorm erlebt. "Ich wurde auch schon einmal mit einem Glas Wasser beworfen", sagt sie.

Dominik Rzepka
Dominik Rzepka ist Redakteur im ZDF-Hauptstadtstudio Quelle: Koch/ZDF

Diskriminierungserfahrungen wie diese kennen auch im Jahr 2017 immer noch drei von vier schwulen, lesbischen oder bisexuellen Angestellten, die ihre sexuelle Identität am Arbeitsplatz öffentlich machen. Das ist das Ergebnis einer Studie des Instituts für Diversity- und Antidiskriminierungsforschung, die der Bund am Mittwoch in Berlin vorgestellt hat. "Homosexuelle erleben am Arbeitsplatz leider Ausgrenzung, Mobbing und Belästigungen", so die Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, Christine Lüders. Mobbing und Erpressung kennen demnach etwa 25 Prozent der Befragten. Sexuelle Belästigung etwa 39 Prozent. Und über 43 Prozent gaben an, seit ihrem Outing von anderen Kollegen geschnitten worden zu sein.

Besonders Transsexuelle kennen Diskriminierung am Arbeitsplatz

Von den knapp 2.900 Befragten geben 2,5 Prozent sogar an, aufgrund ihrer sexuellen Identität eine Versetzung erlebt zu haben. 3,4 Prozent wurde nach eigenen Angaben deswegen sogar gekündigt. Bei Transsexuellen liegt die Diskriminierungserfahrung noch deutlich höher. Hier geben etwa 20 Prozent der Befragten an, dass Namensschilder oder Signaturen nicht angepasst oder Dokumente nachträglich nicht auf den gewünschten Namen geändert wurden. Laut den Verfassern der Studie ist jede fünfte gemeldete Diskriminierung auch strafrechtlich relevant.

Eine ähnliche Studie hatten Wissenschaftler zuletzt im Jahr 2007 vorgelegt. Im Vergleich zu damals gebe es allerdings auch eine positive Entwicklung, so Lüders: Inzwischen würden deutlich mehr homosexuelle Mitarbeiter offen über die eigene sexuelle Identität sprechen. Etwa 50 Prozent tun das im Jahr 2017 mit allen oder der Mehrheit der Kollegen. Zeitgleich sei die Zahl derer rückläufig, die aus ihrer Homosexualität ein Geheimnis machten: Sprachen 2007 etwa 52 Prozent der Befragten nur mit wenigen oder keinem einzigen Kollegen über die eigene sexuelle Identität, sind es 2017 nur noch etwa 26 Prozent.

Deutlich mehr Homosexuelle gehen offen mit dem Thema um

Insgesamt hat sich die Zahl der lesbischen und schwulen Beschäftigten, die am Arbeitsplatz offen mit ihrer Homosexualität umgehen, in den vergangenen zehn Jahren mehr als verdoppelt. "Unternehmen können und sollten das unterstützen, indem sie Diskriminierung sichtbar ahnden und eine offene Unternehmenskultur fördern", so Lüders. Laut Dominic Frohn, dem wissenschaftlichen Leiter der Studie, würden davon auch die Arbeitgeber profitieren: "Je selbstverständlicher die Beschäftigten mit ihrer sexuellen Identität umgehen können, desto höher sind ihre Arbeitszufriedenheit und Verbundenheit mit dem Unternehmen."

So ist das auch bei Altenpflegerin Denise Jann. Denn neben beleidigenden Sprüchen hat sie auch viel positives Feedback auf ihr Outing bekommen - insbesondere in dem westdeutschen Pflegebetrieb, in dem sie heute arbeitet. "Es gab auch viele Rückmeldungen von Kollegen, die es sehr positiv fanden, wie offen ich mit dem Thema umgehe und mich nach meinen Erfahrungen nach dem Outing gefragt haben", sagt sie. "Einige wollten meine Freundin auch gerne einmal kennenlernen." Die beiden planen, im kommenden Jahr zu heiraten.

Dem Autor auf Twitter folgen: @dominikrzepka

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