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Berlin-Hohenschönhausen - Merkel besucht ehemaliges Stasi-Gefängnis

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Hohenschönhausen - ein (W)Ort des Grauens, zumindest für die, die dort zu DDR-Zeiten im Stasi-Gefängnis saßen. Die Folter, die Gräueltaten dort - unvorstellbar für die, die heute nur das Museum kennenlernen. Die Kanzlerin war dort - "kraftvoll für Freiheit und Demokratie".

Das ehemalige Ministerium für Staatssicherheit an der Berliner Normannenstraße ist eine der größten Immobilien in der Hauptstadt. Nach 27 Jahren Leerlauf ist der Kampf um die Nutzung des einstigen Spionagekomplexes entbrannt.

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Die Bundesregierung möchte die SED-Diktatur auch weiterhin aufarbeiten und Linksextremismus bekämpfen. So besuchte Bundeskanzlerin Angela Merkel gemeinsam mit der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, Monika Grütters, das ehemalige Stasi-Gefängnis in Berlin-Hohenschönhausen.

Bei ihrem ersten öffentlichen Termin nach ihrem Urlaub informierte sich die Kanzlerin über die geplanten Baumaßnahmen in der Gedenkstätte in Hohenschönhausen. Die haben einen Umfang von 8,8 Millionen Euro - finanziert vom Bund und dem Land Berlin. Bis voraussichtlich Ende 2019 sollen alle historischen Oberflächen denkmalgerecht saniert werden. Mit ihrem Besuch sowie der finanziellen Unterstützung des Bundes bei den umfangreichen Sanierungen, soll das Ziel der Bundesregierung, die "authentischen Orte des DDR-Unrechtsregimes" zu bewahren, bekräftigt werden.

Begegnung mit ehemaligen Häftlingen

Zu DDR-Zeiten saßen in Hohenschönhausen Tausende politisch Verfolgte ein - unter ihnen die bekanntesten und wichtigsten Gegner des DDR-Regimes. Einer davon ist Arno Drefke. Damals 19 Jahre alt, unterstützte er die anti-kommunistische Jugendorganisation "Bund Deutscher Jugend". Die wurde 1953 von der DDR verboten wurde. Im selben Jahr wurde er bei einer Kurierfahrt festgenommen, verbrachte Monate in Untersuchungshaft in Hohenschönhausen und wurde schließlich wegen Spionage zu lebenslanger Haft verurteilt.

Im Innenhof des Gefängnisses treffen sich Merkel und Drefke und gedenken gemeinsam der Opfer der kommunistischen Gewaltherrschaft. Sie verharren mit gesenkten Köpfen vor dem Gedenkstein für die Opfer kommunistischer Gewaltherrschaft im Innenhof des einstigen Gefängnisses vor grauen Wänden und vergitterten Fenstern. In dem Kranz, den sie niederlegen, leuchten rote Rosen und Gerbera, gelbe Nelken und Lilien.

Seit 2006 führt Drefke selbst Besuchergruppen über das Gelände. Er berichtet von seiner Geschichte und vor allem davon, wie schwer seine ersten Führungen für ihn waren. Die Erinnerungen und Gefühle kamen am Anfang nachts immer wieder hoch.

Zu hoher Andrang - Führungen abgesagt

Einst war Hohenschönhausen ein sowjetische Speziallager, ab 1951 dann zentrale Untersuchungshaftanstalt vom Ministerium für Staatssicherheit der DDR. Das Interesse an der Gedenkstätte ist groß. Letztes Jahr kamen fast eine halbe Million Menschen hierher. Zu viele offenbar - Führungen mussten wegen des hohen Andrangs abgesagt werden.

Für dieses Problem möchte Merkel Lösungsmöglichkeiten finden und den Menschen den Zugang zur Vergangenheit der DDR und somit die weitere Aufarbeitung ermöglichen. Die Notwendigkeit, die Vergangenheit nicht in Vergessenheit geraten zu lassen, machte sie während ihres Besuches deutlich.

Bei ihrem Besuch bekam die Kanzerlin auch ein Geschenk. Es ist ein Zellenschlüssel der DDR-Haftanstalt in Bautzen. Der wird über ihren Besuch hinaus einen besonderen Platz im Bundeskanzleramt finden, berichtete Merkel. Mike Fröhnel, ein ehemaliger politischer Häftling, hatte diesen Merkel während ihres Besuches der Gedenkstätte überreicht.

Linksradikalismus bekämpfen

Auch die Dauerausstellung "Inhaftiert in Hohenschönhausen - Zeugnisse politischer Verfolgung 1945 bis 1989" erzählt von den Inhaftierten und ihren schrecklichen Erfahrungen. Nachdem der Gedenkstättenleiter Hubertus Knabe Merkel durch die Ausstellung geführt hatte, fand die Kanzlerin zum Ende ihres Besuches eindringliche Worte. Besonders die Arbeit der Gedenkstätte gegen Linksradikalismus lobte sie, "denn das sind Erscheinungsformen von heute, die wir nicht negieren können, sondern um deren Bekämpfung wir uns kümmern müssen". Diese Aussage ist sicherlich auch vor dem Hintergrund der Ausschreitungen links-autonomer Gruppen während des G-20 Gipfels in Hamburg zu verstehen.

Zum bevorstehenden Jahrestag des Mauerbaus am 13. August 1961 erinnerte die Kanzlerin noch einmal daran, wie wichtig die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit für die Gestaltung einer guten Zukunft ist, "es scheint lange her, aber es mahnt uns, heute auch kraftvoll für Freiheit und Demokratie einzutreten".

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