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Besuch in Wuhan - Merkel im selbstbewussten China

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Gute Laune, schöne Bilder: Zum Abschluss ihrer China-Reise steht für Merkel die wirtschaftliche Zusammenarbeit im Mittelpunkt. Um Menschenrechte geht es auch - aber nur diskret.

Angela Merkel lässt sich bei einer Betriebsbesichtigung die Fertigung von Schiebedächern erklären,
Angela Merkel bei einer Betriebsbesichtigung: Auf ihrer China-Reise geht es Merkel vor allem um Investitionen und Kooperationen, kurz: um die gemeinsame Zukunft.
Quelle: dpa

An Höflichkeit lassen es die Chinesen nicht mangeln: Als ihre Maschine in Peking anrollt, um Angela Merkel zum zweiten Teil ihres Besuches nach Wuhan zu bringen, stehen drei Rollfeldarbeiter in der Morgensonne und winken. China legt Wert darauf, bei öffentlichen Anlässen um jeden Preis die Form zu wahren.

Dabei hatten die Kanzlerin und mit ihr die deutsche Presse genau das am Vortag aus Sicht der chinesischen Regierung nicht getan, als sie vor laufenden Kameras die Hongkong-Proteste ansprach und später auch eine Frage dazu beantwortete. Zu gerne hätte Peking die bilateralen Gespräche ausschließlich für Erfolgsmeldungen genutzt. Die Zeitung "Global Time", ein Sprachrohr der chinesischen Regierung, machte das in scharfen Worten noch am Freitagabend klar.

Merkel im selbstbewussten China

Tatsächlich liegt der Fokus der Gespräche nicht auf den Sorgen Hongkonger Bürgerrechtler. Elf Wirtschaftsverträge unterschrieb die hochrangige Delegation deutscher Unternehmensführer gleich am ersten Morgen. Das gemeinsame Bekenntnis zum raschen Abschluss eines europäischen Investitionsschutzabkommens signalisiert den Willen, auch langfristig deutsch-chinesischen Geschäften den Weg zu ebnen.

So ist es nicht verwunderlich, dass auch an Tag zwei die Spitze der deutschen Wirtschaft mit der Kanzlerin reist. Zwar ist die Runde deutlich geschrumpft, doch mit den Chefs von Daimler, Infineon, Siemens, Deutsche Bank und Allianz noch immer ein Aushängeschild. Von der Spitzentechnik bis zur Finanzbranche ist alles dabei, was in China Interessen hat und Interesse weckt.

Die Missstimmung vom Vortag ist nach Wuhan nicht mitgereist. Die Stadt am Jangtsekiang ist ein Wissenschaftszentrum mit 80 Universitäten. 1,3 Millionen Studierende lernen hier für Chinas Zukunft an der Weltspitze. Welche Kooperationen die Kanzlerin anbieten könne, wollen die Studierenden der Huazhong-Universität von Merkel nach ihrer Rede wissen. Welche Veränderungen sie im Laufe ihrer zwölf Besuche in China beobachtet habe und was denn aus traditionellen Branchen werden solle, wenn sich die Künstliche Intelligenz, an der sie hier forschen, bald durchsetzen werde? Es ist das selbstbewusste China, das hier vor ihr steht. Männer und Frauen, die die deutsche Bundeskanzlerin auch beklatschen, weil sie in ihr eine sehen, die Chinas Entwicklung und Potential ernst nimmt.

Diskrete Gespräche mit Menschenrechtlern

Grund genug dafür gibt es. Während sich Deutschlands Anteil am globalen Bruttoinlandsprodukt seit 1989 halbiert habe, sei Chinas Anteil von drei auf 16 Prozent gestiegen, ist aus der Delegation der Kanzlerin zu hören. Selbst in der aktuellen Krise liegen die Wachstumszahlen deutlich über denen der Industrienationen. Mit China keine Geschäfte zu machen, heißt in Zukunft womöglich, gar keine Geschäfte zu machen.

So blieb es am Samstag bei dem, was sich Chinas Führung für die ganze Reise gewünscht hatte: Gute Laune, schöne Bilder und freundliche Gespräche. Dass Merkel am Vorabend in Peking noch sehr diskret Gespräche mit chinesischen Menschenrechtsanwälten und -aktivisten geführt hatte, wurde nicht mehr erwähnt. Wer in China die Form wahren will, darf eben nicht immer über alles reden.

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