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Katrin Suder - Die nächste Frau fürs Digitale

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Erst McKinsey, dann Verteidigungsministerium - und jetzt wird Katrin Suder Vorsitzende des Digitalrats. Künftig berät sie Kanzlerin Merkel in Sachen Internet. Kann das klappen?

Katrin Suder
Ex McKinsey-Frau Katrin Suder wird Vorsitzende des Digitalrats. Quelle: dpa

Die Aufgabe hat es in sich: Drei Jahre lang soll Katrin Suder die Rüstungsbeschaffung der Bundeswehr reformieren. Waffen kaufen, als Staatssekretärin im Verteidigungsministerium. Schnell gilt sie als rechte Hand von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen. Bis sie im Mai 2018 das Ministerium wieder verlässt. Jetzt bekommt Suder, die zuvor lange bei der Beraterfirma McKinsey war, eine neue Aufgabe: Als Vorsitzende des Digitalrats. Ein zehnköpfiges Gremium, das die Bundesregierung ab morgen in Sachen Internet beraten soll.

"Die Digitalisierung hat Auswirkungen auf die gesamte Gesellschaft", sagt Suder. Sie verändere Wirtschaft, Kultur und Politik erheblich. Diese Veränderungen gelte es zu steuern. Und genau dabei wolle sie mitmachen. Am Mittwoch beschließt das Kabinett den Start des Beratergremiums offiziell. Geplant sind auch Treffen mit einigen Ministern, die sich fürs Digitale besonders zuständig fühlen. Suder nennt ihren neuen Job, ein Ehrenamt, eine "große Ehre". Nach CSU-Frau Dorothee Bär, seit ein paar Monaten Staatsministerin im Kanzleramt, wird Suder nun das nächste Gesicht der Bundesregierung fürs Digitale.

Zehn Mitglieder, vor allem Unternehmer und Forscher

Neun weitere Mitglieder sitzen im Digitalrat. Zum Beispiel die New Yorker Professorin Beth Simone Novack, die unter anderem den früheren US-Präsidenten Barack Obama beraten hat und als Expertin für Open Government gilt, also für eine offene Verwaltung. Der Schweizer Rechtswissenschaftler Urs Gasser hatte sich zuletzt großen Internetkonzernen wie Google oder Facebook entgegengestellt. Im Facebook-Skandal thematisierte Gasser die Verantwortung der Konzerne und ihrer Algorithmen. Und Ijad Madisch, Jahrgang 1980, ist Gründer des Start-ups "Research Gate", eine Art soziales Netzwerk für Forscher und Wissenschaftler.

Es sind vor allem Macher, die Angela Merkel und ihr Kabinett in Sachen Internet beraten sollen. Wissenschaftler, Unternehmer, Berater. Vier Frauen, sechs Männer. Auf den ersten Blick eher konservativ, die sogenannten Netzaktivisten mit rotem Irokesenschnitt sucht man vergebens. Keine Sascha Lobos und auch keine Markus Beckedahls. Der Mitbegründer der Digitalkonferenz re:publica fehlt in dem Gremium ebenso wie zum Beispiel Vertreter von Vereinen wie der "Digitalen Gesellschaft".

FDP: Regierung "disqualifiziert sich durch Ahnungslosigkeit"

Neu ist die Idee des Gremiums nicht. Schon Anfang des Jahres hatte Unions-Fraktionschef Volker Kauder einen Digitalrat in einem Gastbeitrag in der "Welt" gefordert und die Digitalisierung zu einem neuen "Megathema" der Großen Koalition erklärt. Kanzleramtschef Helge Braun (CDU) hatte bereits Anfang März in einem heute.de-Interview angekündigt, ein solches Gremium etablieren zu wollen. "Der Digitalrat soll uns helfen, dass wir heute schon wissen, was morgen passieren wird", hatte Braun seinerzeit gesagt. Zuletzt hatte auch Kanzlerin Merkel davon gesprochen, sich von den Experten "unbequeme Fragen" stellen lassen zu wollen und sich selbst als "Lernende" bezeichnet.

Die Kanzlerin als Lernende? Der digitalpolitische Sprecher der FDP, Manuel Höferlin, findet das peinlich: "Eine Regierung, die im Jahr 2018 immer noch Nachhilfe bei der Digitalisierung benötigt, ist nicht nur ein Trauerspiel. Sie disqualifiziert sich vielmehr selbst durch ihre Ahnungslosigkeit", sagt er heute.de. Der Digitalrat solle der Öffentlichkeit lediglich vorgaukeln, dass mit Hochdruck die Digitalisierung des Landes gestaltet werde. Ähnlich äußert sich auch die netzpolitische Sprecherin der Grünen, Tabea Rößner: "Es ist an der Zeit, endlich zu handeln, statt weitere Gremien zu bilden", sagt sie heute.de. "Wir haben kein Erkenntnisdefizit, sondern ein Umsetzungsdefizit."

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