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Besonderer Besuch - Merkel zum ersten Mal in Auschwitz

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Zum ersten Mal besucht Kanzlerin Merkel das KZ Auschwitz. Sie kommt nicht mit leeren Händen: Merkel stellt 60 Millionen Euro für den Erhalt der Gedenkstätte zur Verfügung.

Das frühere Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau
Das frühere Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau
Quelle: picture alliance / NurPhoto

Nur zwei Bundeskanzler waren bislang in Auschwitz. Helmut Kohl (1989 und 1995), davor Helmut Schmidt (1977). Besonders einer von Schmidts Sätzen wirkt 42 Jahre danach noch hochaktuell: "Eigentlich gebietet dieser Ort zu schweigen", sagte er damals, "aber ich bin sicher, dass der deutsche Bundeskanzler hier nicht schweigen darf".

Wenn nun Angela Merkel Auschwitz besucht und dort eine Rede halten wird, werden viele Polen jedes ihrer Worte verfolgen. Kein Land hat so unter den Deutschen gelitten wie Polen. Bis heute ist das Leid des Zweiten Weltkriegs ein Trauma des Nachbarn im Osten. Die Vergangenheit ist hier allgegenwärtig. Auschwitz steht weltweit für eine Maschinerie des Mordens durch die Deutschen. Ein Ort der deutschen Schuld.

Auschwitz-Besuch persönliches Anliegen für Merkel

Es sei Angela Merkel ein persönliches Anliegen, hieß es im Vorfeld des Besuches, zum ersten Mal überhaupt nach Auschwitz zu reisen. Auch den polnischen Ministerpräsidenten Mateusz Morawiecki wird sie in Auschwitz treffen. Und so hat der Besuch eine historische und eine aktuelle politische Dimension.

Das Verhältnis zwischen Deutschland und Polen war seit dem Amtsantritt der nationalkonservativen PiS-Regierung 2015 abgekühlt, zuletzt aber wieder etwas besser geworden. Wohl auch, weil zwei historische Gedenkbesuche in Polen aufmerksam und wohlwollend verfolgt wurden.

Dritter Besuch nach Maas und Steinmeier

Merkels Besuch ist also der dritte wichtige politische Besuch in diesem Jahr aus Deutschland, der sich mit der Rolle der deutschen Vergangenheit und Kriegsschuld beschäftigt. Sie folgt einer Einladung der Stiftung Auschwitz-Birkenau aus Anlass deren zehnjährigen Bestehens, das die Stiftung mit einem Festakt begehen möchte.

60 Millionen für Erhalt der Gedenkstätte

An der sogenannten schwarzen Wand wird sie eine Gedenkminute abhalten. Bei dem Festakt wird als erstes ein Überlebender sprechen. Es wird sicherlich der bewegendste Moment an diesem Tag. Danach sprechen Morawiecki und Merkel. Auch ein Rundgang durch das ehemalige Vernichtungslager Birkenau ist geplant.

Merkel kommt nicht mit leeren Händen. Sie möchte 60 Millionen Euro von Bund und Ländern zur Unterstützung der Stiftung Auschwitz-Birkenau zur Verfügung stellen. So soll die Gedenkstätte erhalten werden. Baracken, Gaskammern und Zäune sind bis heute das sichtbare Zeugnis der deutschen Verbrechen. 

Schon im Januar kommt der nächste Besuch aus Berlin, der Bundespräsident. Am 27. Januar jährt sich zum 75. Mal der Tag der Befreiung von Auschwitz - dem größten deutschen Vernichtungslager im damals von Hitler-Deutschland besetzten Polen. Mehr als eine Million Menschen wurden hier gequält und grauenhaft ermordet. Ein Mahnmal für jeden deutschen Besucher. Für jeden, nicht nur die Staatsspitze.

Natalie Steger leitet das ZDF-Studio Warschau.

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