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Reise zu Prozess in die Türkei - Mesale Tolu will "starkes Zeichen" setzen

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Der Prozess gegen Mesale Tolu in der Türkei wird fortgesetzt. Zwei Monate nach ihrer Ausreise will die deutsche Journalistin dabei sein und selbst für einen Freispruch kämpfen.

Die Journalistin Mesale Tolu bei einem Interview in Ulm.
Die deutsche Journalistin Mesale Tolu ist in der Türkei wegen angeblicher Terrorpropaganda angeklagt.
Quelle: dpa

Die deutsche Journalistin Mesale Tolu hat sich mit ihren Anwältinnen besprochen und mit ihrer Familie. Vor ein paar Tagen erst hat sie sich entschieden, in das Land zu fahren, in dem sie wegen "Terrorpropaganda" und "Mitgliedschaft in einer Terrororganisation" im Gefängnis saß. "Ich fahre nicht leichtsinnig in die Türkei", sagt Mesale Tolu, "wenn ich fahre, dann aus einem sehr guten Grund".

Sie will bei der Fortsetzung ihres Prozesses an diesem Dienstag vor dem Gericht in Caglayan persönlich anwesend sein. Trotz aller Bedenken und möglicher Gefahren, wieder festgenommen zu werden.

"Ich bin sehr angespannt"

"Meine Anwältinnen sehen keine Gefahr", sagt sie, trotzdem: "Ich bin sehr angespannt!" Wird die Einreise am Flughafen klappen? Wird sie das Gericht nach der Verhandlung problemlos wieder verlassen und nach Deutschland zurückkehren können? Sie hat die Willkür in der Türkei unter Präsident Erdogan selbst erfahren.

Auch wenn im Verhältnis zwischen Deutschland und der Türkei zurzeit Entspannung angesagt ist, bleiben immer Ängste und Zweifel. Doch sie will ein starkes Zeichen setzen, will zeigen, dass sie sich nicht unterkriegen lässt. "Mir ist Unrecht widerfahren, und ich möchte mit dieser Zeit abschließen können", sagt Mesale Tolu. Sie will weiter selbst vor Gericht für ihren Freispruch kämpfen, obwohl sie weiß, dass es bis zu einem Urteil vielleicht noch Jahre dauern kann.

Tolus Mann weiter in türkischer Haft

Vor allem aber kommt sie zurück in das Land Ihrer Eltern, um ihren Mann Suat Corlu wiederzusehen. Er ist aus den gleichen Gründen angeklagt wie seine Frau. Doch im Gegensatz zu Mesale Tolu wurde seine Ausreisesperre bislang nicht aufgehoben. Nun hoffen beide, dass ihr Besuch in der Türkei und ihr Wille zur Kooperation das Gericht bewegen könnte, auch sein Reiseverbot aufzuheben. "Denn unsere gemeinsame Zukunft", meint Mesale Tolu, "sehen wir in Deutschland". Ihren Sohn hat sie bei der Familie in Neu-Ulm zurückgelassen, wo er seit ihrer Rückkehr nach der Aufhebung des Ausreiseverbotes Ende April in den Kindergarten geht.

Sie hofft, dass ihre Popularität sie vor einer erneuten Verhaftung schützen wird. Denn seit ihrer Rückkehr nach Deutschland besuchte sie sehr viele öffentliche Veranstaltungen, gab zahllose Interviews, war Gast in diversen Talkshows. Und ganz allein wird sie nicht im Gerichtssaal sitzen.

Auch Grünen-Politikerin dabei

Neben ihrem Mann wird auch die medienpolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag, Margit Stumpp, die Verhandlung beobachten. Sicher ist sicher. Und irgendwie freut sich Mesale Tolu auch darauf, wieder in der Türkei zu sein, in dem Land, in dem ihre Mutter begraben liegt.

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