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Eurovision Song Contest - Von Youtube auf die ESC-Bühne

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Michael Schulte kommt gut an in Lissabon. Der deutsche ESC-Teilnehmer klettert mit seinem Song "You let me walk alone" in den Wetten. Ist mal wieder eine Top Ten-Platzierung drin?

ESC 2018 - Generalprobe Michael Schulte
ESC 2018 - Generalprobe Michael Schulte
Quelle: dpa

Michael Schulte braucht nicht viel, um Eindruck zu machen. Er setzt sich in Lissabon an das Ufer des Atlantiks, packt seine Gitarre aus und singt: "I'm a dreamer". So beginnt sein Song "You let me walk alone". Der Song, der vom Tod seines Vaters handelt. Mit dem er am Samstag für Deutschland beim Eurovision Song Contest antreten wird. Und mit dem er bei vielen ESC-Gästen in Lissabon Gänsehaut auslöst. In den Online-Wetten, die in den vergangenen Jahren den Sieger ziemlich zuverlässig vorhergesagt hatten, steht Schulte auf einmal auf Platz 8. Ist etwa wieder eine Top Ten-Platzierung für Deutschland drin?

Zeit wäre es mal wieder. Der letzte deutsche Top Ten-Erfolg liegt sechs Jahre zurück, Roman Lob 2012 in Baku. Seitdem sieht die deutsche ESC-Bilanz verheerend aus. Vorletzter Platz 2017, letzter Platz 2016, letzter Platz und null Punkte 2015. Für Michael Schulte hat das die Freude am ESC kaum geschmälert: "Ich bin ja selbst ein großer Fan und habe seit ich vier bin keinen ESC verpasst", sagt er. Dass er jetzt selber in einer Reihe mit deutschen ESC-Größen wie Guildo Horn oder Roger Cicero steht - das werde er sicher noch seinen Kindern und Enkeln erzählen.

Deutscher Beitrag am Abend zum ersten Mal zu sehen

Tatsächlich wird Schulte, der 28-jährige Norddeutsche, demnächst das erste Mal Vater. Auch die Hochzeit mit seiner Freundin steht an. Bekannt ist er auch schon, aus der Castingshow "The Voice of Germany" und der ZDFneo-Serie "Neomaniacs". Seine Musikvideos wurden auf YouTube bereits 50 Millionen Mal angeklickt. Vor zehn Jahren hatte er dort sein erstes Gesangsvideo hochgeladen, eine Coverversion des Hits "Umbrella" von Rihanna. Mehr als 213.000 Abonnenten hat er inzwischen. Reamonn-Sänger Rea Garvey wurde auf die Videos aufmerksam und förderte Schulte. Obwohl seine inzwischen sechs Alben ihm bisher nicht den großen Durchbruch brachten, kann er nach eigenen Worten gut von seiner Musik leben.

Am Abend steht Schulte das erste Mal auf der ESC-Bühne, beim zweiten Halbfinale. Dort stellt er seinen ESC-Song das erste Mal einem Millionenpublikum vor. Da Deutschland als eines der großen und finanzstarken Länder bereits fürs Finale gesetzt ist, wird sein Auftritt vor der offiziellen Ergebnisbekanntgabe gezeigt. Schulte wird dann vor einer Leinwand stehen, auf der im Hintergrund Bilder von ihm und seinem verstorbenen Vater gezeigt werden. Ganz am Schluss steht er nur vor einem einzigen großen Wort: Alone. Fest steht bereits, dass Schulte am Samstag in der ersten Hälfte des Finales singen wird - ein kleiner Nachteil, weil höhere Startnummern in der Regel erfolgversprechender sind.

Alle Augen auf Norweger Alexander Rybak gerichtet

Am Abend kämpfen noch einmal 18 Nationen um die verbliebenen zehn Finalplätze. Unter ihnen ist auch der Norweger Alexander Rybak, der bereits 2009 den ESC gewonnen hatte und dem erneut gute Chancen eingeräumt werden. Sein durchgestylter Gute Laune-Song "That's how you write a song" polarisiert wie kaum ein anderer Titel in diesem Jahr. Zu gewollt, zu berechnend - so die Kritik. Aber in den Wetten steht Rybak tatsächlich sehr weit oben. Lediglich der Schwede Benjamin Ingrosso könnte ähnlich erfolgreich abschneiden. Sein tanzbarer Song "Dance you off" erinnert ein wenig an Justin Bieber und dürfte sich am Abend ebenfalls für das Finale qualifizieren.

ESC - Alexander Rybak
Alexander Rybak fiedelt für Norwegen
Quelle: ap

Dort warten dann die Top-Favoriten Zypern und Israel. Sängerin Eleni Foureira aus Zypern liefert mit ihrem Partysong "Fuego" den vielleicht passendsten ESC-Song des Jahres. Tanzbar und mit echten Flammen auf der Bühne. Doch auch Netta aus Israel muss man auf dem Zettel haben. Während ihres Songs "Toy" gackert sie wie ein Huhn, tanzt und singt immer wieder die selbstbewusste Textzeile "I'm not your toy, you stupid boy". Norwegen, Zypern und Israel könnten sich im Finale aber auch gegenseitig Punkte wegnehmen.

Auftritt vor 200 Millionen Zuschauern

Zwar kommen sie beim Publikum gut an, aber werden sie auch viele Punkte von den internationalen Jurys bekommen? Die Jurys entscheiden zu 50 Prozent über den Sieger. Und ihnen könnten die genannten Favoriten ein bisschen zu berechnend sein. Davon könnte am Ende zum Beispiel der sanfte Popsong aus Frankreich profitieren, der die Flüchtlingskrise thematisiert. Oder ja vielleicht sogar Michael Schulte? Die Tendenz für ihn ist jedenfalls positiv. Ob er schon einmal darüber nachgedacht hat, was wäre, wenn er gewinnen würde? "Nein", sagt er heute.de. Und er glaube auch nicht, dass das passieren werde. Und wenn doch? "Dann falle ich in Ohnmacht."

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