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Mick Jagger wird 75 - "Ich ackere mich einfach weiter durch"

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Er tanzt, als wäre er 20. Höchstens. Er füllt weltweit die Hallen, als hätte er nicht schon 50 Jahre Rockgeschichte hinter sich. Mick Jagger, Sänger der Rolling Stones, wird 75.

Archiv: Mick Jagger am 29.05.2014 in Lissabon
Rockstar, Uropa, Unermüdlicher: Mick Jagger ist jetzt 75 Jahre alt. Quelle: epa

Anzahl und Alter seiner Kinder sind Beweis genug für sein ausschweifendes Leben, Inbegriff von Sex, Drugs und Rock'n'Roll: Rockstar Mick Jagger, Frontmann der Rolling Stones seit mehr als einem halben Jahrhundert, hat seinem Ruf als Playboy immer Ehre gemacht. Mit 72 zeugte er noch ein Kind mit seiner derzeitigen Lebensgefährtin, der Ballerina Melanie Hamrick. Heute feiert er seinen 75. Geburtstag.

Urgroßvater, Großvater, Vater

Die Hassliebe zwischen Stones-Gitarrist Keith Richards und Jagger hat in den gemeinsamen Jahrzehnten nicht nachgelassen; Richards lästerte bereits im "Wall Street Journal Magazin": "Es ist Zeit für eine Vasektomie - du kannst in diesem Alter kein Vater mehr sein. Die armen Kinder!" Später entschuldigte er sich auf Twitter. Inzwischen ist die Rocklegende mit den prägnanten Lippen Urgroßvater, fünffacher Großvater und Vater von acht Kindern, die zwischen einem und 47 Jahre alt sind.

Obwohl es regelmäßig zwischen Jagger und Richards kracht, schreiben sie wie ein altes Ehepaar seit über einem halben Jahrhundert einen Hit nach dem anderen, darunter Klassiker wie "Satisfaction", "Sympathy For The Devil", "Honky Tonk Women" und "Jumpin' Jack Flash". Die Musik kittet sie zusammen - sowie die Interventionen von Gitarrist Ron Wood und Schlagzeuger Charlie Watts. Bald bringen die vier Rock-Dinosaurier gemeinsam 300 Jahre auf die Bühne.

Eine Stimmer, lauter als die Sirene

Mick Jagger wurde angeblich nur deshalb in dem Londoner Vorort Dartford geboren, weil es seine Eltern 1943 während der Luftangriffe nicht mehr nach London hinein schafften. Laut einem Biografen war seine Stimme schon damals durchdringender als die Luftschutzsirenen. Er kam aus einer Lehrerfamilie, Vater, Mutter und Großvater unterrichteten. Aber das kam nie für ihn in Frage. "keine Geduld!", sagte er dem irischen Sender RTE.

Die Emanzipation der Frauen, die Vielfalt heutiger Lebensformen, die Lockerung der Umgangsformen gäbe es nicht ohne die Rebellion der studentischen Jugend in den 60er Jahren.

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Der junge Mick testete seine Bühnenpräsenz mit Zwölf heimlich bei Auftritten mit örtlichen Rockbands, sang und tanzte bei Familienfesten. Am 17. Oktober 1961 traf er seinen früheren Schulkameraden Keith Richards auf Gleis zwei des Dartforder Bahnhofs wieder. Der Rest ist Geschichte: Auftritt im legendären Marquee-Club in London, ihre erste Single als Rolling Stones, dann der erste weltweite Hit mit "Satisfaction" 1965. Seither haben sie mehr als 300 Millionen Platten verkauft und spielen in ausverkauften Stadien auf der ganzen Welt.

Anti-Beatle statt Studium

Trotzdem war es ein Schock für Jaggers Eltern, als er ihnen eröffnete, dass er sein Studium an der renommierten London School of Economics gegen eine Karriere als provokanter Anti-Beatle eintauschen wollte. "Damals war es wirklich kein Beruf, in einer Rockband zu sein. Das war etwas, was man machte, wenn man aus einem relativ armen Hintergrund stammte", erzählte er dem irischen "Independent". "Natürlich machten Leute Karriere im Showbusiness, aber nicht in dem Genre."

Neben den Stones gab es für Jagger auch immer eigene Musik-Projekte. 1985 erschien sein erstes Soloalbum "She's The Boss". Beim Live-Aid-Konzert 1985 trat er an der Seite von Tina Turner auf, später veröffentlichte er mit David Bowie "Dancing In The Street". Doch der Stones-Sänger machte nicht nur Musik, er war auch auf der Leinwand zu sehen. So spielte er zum Beispiel in Nicolas Roegs Kultthriller "Performance" (1968) mit.

45 Stimmübungen vor jedem Konzert

Mick Jagger und Keith Richards stehen auf der Konzertbühne. Jagger singt mit ausladender Geste, während Richards Gitarre spielt. Beide werden von Scheinwerfern beleuchtet.
Geliebt, gehasst: Mick Jagger und Keith Richards. Quelle: Kevin Mazur

Keith Richards warf ihm einmal vor, dass er nie den Mund aufmache und alles für sich behalte. Eine Art Schutzschild sozusagen. Jagger wehrte sich dagegen im "Independent": "Wenn du auf der Bühne stehst, behältst du nichts für dich. Du zeigst alles nach draußen. Und damit verdiene ich meinen Lebensunterhalt." Allerdings gibt er selten Interviews; er hat nicht viel übrig für Publicity.

Touren wie die kürzlich beendete Europatour No Filter übersteht er mit strikter Routine: Ein frühes Abendessen, ein letzter Check auf der Bühne, damit nichts während des Auftritts herunterfallen kann. Dann wärmt er sich auf, bevor er 45 Minuten lang Stimmübungen macht, damit er die zweistündige Show durchsteht.

"Man kann Songs nicht einfach runtersingen"

Aufhören wird er noch lange nicht, im Gegenteil: "Ich schreibe gerade", gestand er dem "Independent". Songs, hauptsächlich für die Stones. "Ich denke nicht wirklich viel darüber nach, was ich geschrieben habe. Ich ackere mich einfach immer weiter durch, wirklich." Obwohl er seit 56 Jahren der Frontmann der Stones ist, reißt er sein Millionenpublikum immer noch mit. Harte Arbeit, verrät er dem irischen Sender RTE: "Man kann die Songs nicht einfach runtersingen. Du musst dich wirklich reinverbeißen. Du siehst die Leute, für die du sie singst, du hast diesen Austausch an Gefühlen. Darum geht es."

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