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Microsoft Office - 30 Jahre Büro-Monopoly

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Textverarbeitung, Tabellenkalkulation, Mail, Präsentationen – 1989 schnürte Microsoft das Office-Paket. Der Erfolg war überwältigend, muss aber gegen die Cloud verteidigt werden.

Die Icons der Programme von Microsoft Office auf einem Computer-Screen
Die Icons der Programme von Microsoft Office
Quelle: picture alliance / NurPhoto

Die Software für die OfficeSuite war teilweise schon seit Jahren verfügbar. Anderes war recht frisch zugekauft, so etwa der Presenter von der Forethought Incorporated, die Microsoft im Jahr 1987 für schlappe 14 Millionen US-Dollar erworben hatte. Aus dem Presenter wurde PowerPoint, die Version 2.01 Bestandteil der OfficeSuite.

Zukaufen als Erfolgsstrategie

Excel etwa startete als Electronic Paper, wurde in Multiplan umbenannt und stieß in der Version 2.2 zur OfficeSuite. Word war das dienstälteste Programm, das Charles Simonyi entwickelte, eine der Textverarbeitungskoryphäen der PARC-Denkfabrik, der 1981 zu Microsoft wechselte. Word 4.0 fand sich dann in der ersten OfficeSuite.

Das jüngste Kind der Office-Familie hieß Microsoft Mail, war gerade mal ein Jahr alt und lief nur auf Apple-Talk-Netzwerken. Version 1.37 von Microsoft Mail soll auch einer der Gründe gewesen sein, das Office-Paket zuerst für Apples Macintosh auf den Markt zu bringen.

Microsoft Office für Windows gab es dann erst ein Jahr später. Vor allen Dingen die Anpassung der Mail-Software machte immer wieder Probleme. Den Durchbruch erzielte Microsoft hier erst im Jahr 1991 nach der Übernahme des kanadischen Unternehmens Consumers Software.

Die hatten nämlich einen ziemlich leistungsfähigen Mail Server unter dem Produktnamen Network Courier im Angebot. Damit konnte Windows ab der Version 3.0 betrieben werden. Danach etablierte sich das Office-Paket dann auch in der Windows-Welt.

Start mit Kampfpreis

Die Marketingexperten von Microsoft verkauften das Office-Paket zu einem Kampfpreis. Alle vier Programme zusammen kosteten zum Office-Start fast 1.400 US-Dollar, das Office-Paket ging für unter 900 Dollar über den Ladentisch.

Weitere Sonderpreise für Schulen und Universitäten sorgten dafür, dass die PC-Benutzer schon früh an Office herangeführt wurden. Und der Software, die man in der Schule oder an der Uni benutzt hat, bleibt man auch im Arbeitsleben gern treu.

Es entstand zudem eine bunte Zeitschriftenszene im Computerbereich, die sich den Office-Programmen dann sehr intensiv widmete. Schon früh veröffentlichten die Nerds in diesen Blättern Tipps, wie Daten per Drag and Drop von einem Office-Anwendungsprogramm in ein anderes herübergezogen werden konnten. Microsofts Produktentwickler beobachteten die Szene mit Argusaugen.

Assistent als Nervensäge

Ab Office 3.0 gehörten offizielle Drag- and Drop-Funktionalitäten dann zum Lieferumfang der Suite und wurden von den Anwendern geliebt. Weniger beliebt war der ab 1996 ausgelieferte Office-Assistent Clippy. In Deutschland drängte sich der kleine virtuelle Bürohelfer unter dem Namen Karl Klammer zu jeder Gelegenheit auf den Bildschirm, um seine Hilfe anzubieten und überhaupt nicht gestellte Fragen zu Office zu beantworten.

Die Zeitschrift Time wählte Clippy alias Karl Klammer 2010 zu den schlechtesten Erfindungen der Geschichte. Wieviele Office-Anwender Clippy durch seine Penetranz beim Anbieten von Hilfe radikalisiert hat, darüber gibt es nur Schätzungen. Aus der Office-Version 2007 wurde Clippy dann verbannt.

Das Internet-Zeitalter hatte Microsoft ja zunächst ein wenig verschlafen. Das wirkte sich auch auf die OfficeSuite und deren Vertriebs- und Anwendungsmodell aus. Relativ spät erst, nämlich ab 2010 finden die Office-Programme mit den Office Web Apps ihren Weg in die Cloud.

Der bestand zunächst auch aus einer Holperstrecke. Immer wieder kam es zu Serverstörungen, so dass Office-Anwender ihre Dokumente, Tabellen und Präsentationen unterwegs nicht bearbeiten konnten. Die Cloud-Anwendung basiert auf der Business Productivity Suite, die ausschließlich für kleinere Unternehmenskunden angeboten wurde.

Aufholjagd in Richtung Cloud

Office 365 startete dann im Sommer 2011 als reguläre Cloud-Lösung, wurde aber schwerpunktmäßig im Geschäftskundenbereich vermarktet. Erst mit der Office-Version 2013 bietet Microsoft auch Privat-Anwendern Speicherplatz in der Cloud. Da sind aber schon viele Office-Anwender zu Google Docs und anderen kostenlosen Angeboten abgewandert.

Microsoft hält auch hier wieder einmal mit seiner schieren Marktmacht dagegen. Ende 2013 startet das Student Advantage-Programm, das Schülern, Studenten und anderen Angehörigen von Bildungseinrichtungen die kostenlose Nutzung von Office 365 erlaubt. Die Nutzerzahlen der Cloud-Lösung steigen rapide an.

Mit der Cloud-Lösung bietet Microsoft mit Office Graph auch einen persönlichen Assistenten, der dem Nutzer bei der alltäglichen Arbeit mit Office helfen soll. Im Wesentlichen werden bei Office Graph Methoden maschinellen Lernens eingesetzt, die das Arbeitsverhalten der Anwender mit den einzelnen Office-Routinen genau analysieren.

Auf der Grundlage der dabei erstellten Muster und Profile schlägt Office Graph Dateien für die weitere Arbeit vor und gibt Anwendungstipps. Microsoft engagiert sich sehr stark in der Open-Artificial-Intelligence-Initiative, um Methoden maschinellen Lernens und Assoziativtechniken stärker in die Office-Produkte integrieren zu können.

Auch hier greift der Softwaremulti auf ein altbewährtes Modell zurück: Er kauft Know-How, Entwickler und Produkte in Bereichen ein, deren wachsende Bedeutung das Management eine Zeit lang übersehen hatte, aber dann als zukunftsträchtig erkennt. Damit hat Microsoft ein faktisches Office-Monopol in Büros, Schulen und Universitäten aufgebaut und will es mit dieser Strategie auch verteidigen. 

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