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Karawane von Honduras in die USA - "Kein Kind sollte eine solche Wanderung mitmachen"

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Jeden Tag legen sie Dutzende Kilometer zurück, bei sengender Hitze und ohne gesicherte Nahrungsversorgung. Für Kinder ist die Karawane in die USA besonders anstrengend.

Migranten auf einem Laster in Loma Bonita, Mexiko
Viele Kinder der Karawane von Honduras in die USA sind erschöpft von den Strapazen.
Quelle: ap

Kleinkinder liegen schlaff in Buggys, die über rauen Asphalt ruckeln. Babys, zum Teil erst wenige Wochen alt, schlafen in den Armen ihrer erschöpften Eltern. Auch die, die eigentlich schon laufen könnten, müssen oft getragen werden. Für sie ist der lange Marsch durch Mittelamerika nicht nur anstrengend. In erhöhtem Maße drohen vor allem ihnen auch Krankheiten, Dehydrierung und andere Gefahren.

Laut Schätzung der Vereinten Nationen waren in der vergangenen Woche etwa 2.300 Kinder Teil der Karawane, die in den USA zu einem zentralen Wahlkampfthema geworden ist. Die Zahl könnte sich inzwischen leicht verringert haben, da die Gruppe der Migranten, die auf die US-Grenze zustreben, auch insgesamt etwas kleiner geworden ist. Doch noch immer sind es sehr viele. Und die Belastung hat für sie nicht nachgelassen - im Gegenteil.

Perspektivlosigkeit treibt Eltern zur Flucht

"Eigentlich sollte kein Kind eine solche Wanderung mitmachen müssen", sagt die 28-jährige Pamela Valle. Aber in ihrer Heimat Honduras habe sie für sich und ihre Tochter keine Perspektive mehr gesehen. Am Ende sei ihr nichts anderes übrig geblieben, als mit der fünf Jahre alten Eleonor aufzubrechen. Jeden Tag, wenn die Karawane eine neue Stadt erreiche, suche sie zunächst nach einem geschützten Platz zum Schlafen, sagt die Mutter. Dann bemühe sie sich um etwas zum Essen.

An diesem Tag schlägt Valle in Tapanatepec ihr Lager auf. Einige ihrer Begleiter haben eine Plane ausgebreitet, auf der sie und Eleonor sich niederlassen können. "Es ist wohl kaum möglich, Kinder psychologisch auf so etwas vorzubereiten", sagt sie. Ein Stück weit könne man den Eindruck vermitteln, das Ganze sei eine Art Urlaub. "Ich weiß, es ist nicht richtig. Aber in manchen Situationen hat man eben keine Wahl."

Trump nutz Flüchtlinge für Wahlkampf

Eine Wahl haben am Dienstag die Bürger der USA. Und ihr Präsident Donald Trump wird nicht müde ihnen einzureden, dass die wenigen Tausend Migranten im Süden von Mexiko für ihr Land eine massive Bedrohung seien. Um eine Mehrheit der Republikaner im Kongress zu wahren, hat er etwa angekündigt, 15.000 amerikanische Soldaten an die Grenze zu schicken - schwer bewaffnet sollen sich diese dort den rund 4.000 Migranten in den Weg stellen. Trump kündigte zudem ein Dekret an: Allen, die zwischen den offiziellen Grenzübergängen aufgegriffen werden, soll das Asyl verweigert werden. Nach bisherigen US-Gesetzen können alle Migranten einen entsprechenden Antrag stellen.

Karawane von Migranten aus Mittelamerika wurden in Mexiko von Polizisten bei Arriaga gestoppt.
Die Karawane - gestoppt in Mexiko von Polizisten
Quelle: ap

Bis die aktuelle Karawane die US-Grenze erreicht, dürften aber ohnehin noch Wochen vergehen. Es sei denn, die Migranten erhalten Hilfe, sich schneller fortzubewegen. Die mexikanische Regierung zeigt bisher dazu keine Neigung. Tausende haben deswegen bereits aufgegeben. Einige haben in Mexiko einen Asylantrag gestellt, andere haben das Angebot einer kostenlosen Busfahrt zurück in die Heimat angenommen.

Nach Tapanatepec steuern die Migranten die Stadt Matías Romero an. Vom nächstgelegenen US-Grenzposten in Texas sind sie dann noch immer etwa 1.350 Kilometer entfernt. Für Valle und die anderen ist ein Ende der Mühen daher noch lange nicht in Sicht. Und viele sind schon jetzt, nach nur etwa zwei Wochen, vollkommen erschöpft. Meist stehen die Mitglieder der Karawane um drei Uhr morgens auf, um die kühleren Temperaturen der Nacht für ihre Wanderung zu nutzen. Pro Tag laufen sie dann oft mehr als 50 Kilometer.

Kinder suchen sich Beschäftigung

Die Kinder haben nur selten Gelegenheit zum Spielen. Die siebenjährige Evelin Flores, ebenfalls aus Honduras, darf auf dem Marktplatz von Tapanatepec einigen Mitreisenden die Frisuren "stylen". Während der langen Fußmärsche singe sie oft das spanische Volkslied "La Cucaracha", um sich die Zeit zu vertreiben, sagt das Mädchen. "Das Laufen ist sonst so langweilig." Unter einer schwarzen Zeltplane läuft die vierjährige Eipril Arguijo Gonzalez vergnügt im engen Nachtlager der Familie umher. "Sie benimmt sich, als wären wir in den Ferien", sagt ihr 17-jähriger Bruder. Der Zwillingsbruder Jordy stimmt ihm zu.

Zwei Männer waten mit einem Kind durch einen Fluss, im Hintergrund sind weitere Menschen zu sehen, Ciudad Hidalgo, 03.11.18
Auch durch Flüsse müssen sie waten.
Quelle: reuters

Jonny und Jordy sind mit dem Vater bereits seit August unterwegs. Die Banden, die ihr Viertel in der honduranischen Hauptstadt Tegucigalpa kontrollierten, hätten sie zum Drogen-Verkauf zwingen wollen. Nach dem Aufbruch hätten die Banden ihre Mutter und die jüngeren Geschwister bedroht. Also seien sie umgekehrt, um die Familie nachzuholen. Falls sie es bis in die USA schaffen, wollen die Zwillinge wieder eine Schule besuchen. In Honduras hatten die Eltern sie kurz vor ihrem Abschluss aus Sicherheitsgründen zu Hause behalten. "Als Erstes brauchen wir einen Ort, an dem wir bleiben können", sagt Jordy. "Danach verdienen wir etwas Geld, um ein Haus zu kaufen und mit der Familie ein ganz normales Leben führen zu können."

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