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Flüchtlingszahlen steigen - Migrationsforscher warnt: "Griechenland am Limit"

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Auf den griechischen Inseln wächst der Zustrom von Migranten - in den Camps herrschen miserable Zustände. "Die Situation ist unerträglich", sagt Migrationsforscher Knaus im ZDF.

Die Lage in der Ägäis spitzt sich zu. Immer mehr Geflüchtete kommen aus der Türkei nach Griechenland. Der türkische Präsident Erdoğan droht damit, die "Tore zu öffnen".

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Hunderte Migranten setzen täglich aus der Türkei zu den griechischen Inseln über. Im August kamen nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR 8.103 Menschen aus der Türkei zu den griechischen Ägäis-Inseln. Im August 2018 waren nur knapp 3.200 gewesen. Die Registrierlager auf den Inseln Lesbos, Chios, Samos, Leros und Kos sind restlos überfüllt.

"Blamable und wirklich beschämende Zustände"

"Für Griechenland ist die Situation auf den Inseln unerträglich", sagt Gerald Knaus, Migrationsforscher und Vorsitzender der Europäischen Stabilitätsinitiative, im ZDF-Morgenmagazin über die steigenden Flüchtlingszahlen. "Es war immer schon am Limit. Wir haben zu wenig Ärzte, zu wenig Sicherheit, zu wenig Versorgung - für Europa blamable und wirklich beschämende Zustände." Trotzdem hätten die Griechen pro Kopf die meisten Asylanträge in der EU. "Das heißt, die Griechen können das alleine nicht schaffen, diese Anträge schnell zu bearbeiten", so Knaus.

"Für Griechenland ist die Situation unerträglich", sagt Gerald Knaus, Migrationsforscher und Vorsitzender der Europäischen Stabilitätsinitiative, über die steigenden Flüchtlingszahlen.

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Seit dem Flüchtlingsabkommen der EU mit der Türkei im Frühjahr 2016 habe sich die Zahl der Migranten zwar deutlich reduziert, sagt Knaus. "Vor dem Abkommen im Februar 2016 kamen im Schnitt 2.000 Leute am Tag nach Griechenland - in diesem Jahr kommen im Schnitt 119 Leute am Tag aus der Türkei nach Griechenland."

Jetzt seien die Zahlen aber wieder gestiegen. "Die Situation auf den griechischen Inseln war immer schlecht und jetzt hat sich der Zustrom verdreifacht im Vergleich zum letzten Jahr. Und die Griechen merken, wenn sie nicht mehr Unterstützung bekommen, dann bricht ihr Asylsystem in den nächsten Monaten vollkommen zusammen", warnt Knaus.

Karte: Lesbos, Chios, Samos, Leros und Kos
In den für insgesamt rund 6.300 Menschen ausgelegten Registrierlagern auf den Inseln Lesbos, Chios, Samos, Leros und Kos leben mittlerweile mehr als 20.000 Menschen.
Quelle: ZDF

UN: 40 Prozent der Flüchtlinge minderjährig

Angesichts der steigenden Migrantenzahlen auf den griechischen Inseln forderte auch die Menschenrechtsorganisation Pro Asyl von Griechenland und den anderen EU-Staaten eine Entschärfung der Situation. "Flüchtlinge in der Ägäis drohen zum Spielball der Machtinteressen der Türkei, Griechenlands und der EU-Staaten zu werden. Ihr Rechtsanspruch auf Schutz wird systematisch ignoriert", kritisierte Pro-Asyl-Geschäftsführer Günter Burkhardt.

Auf den griechischen Inseln harren laut Pro Asyl derzeit mehr als 25.000 Menschen aus; rund 40 Prozent von ihnen sind nach Angaben der Vereinten Nationen minderjährig. Pro Asyl forderte die Aufnahme Schutzsuchender von den griechischen Inseln sowie den Zugang zu einem fairen Asylverfahren innerhalb der EU. Besonders Minderjährigen müsse die Weiterreise in andere EU-Staaten ermöglicht werden.

Kritik übte die Organisation an laut Medienberichten geplanten Verschärfungen des griechischen Asylrechts und dem Vorhaben, auch vom Festland aus Schutzsuchende in die Türkei zurückzubringen. Eine Abschiebung in die Türkei könne eine Kettenabschiebung in die Herkunftsländer nach sich ziehen, kritisierte Pro Asyl. Die Türkei habe die Genfer Flüchtlingskonvention nur mit geografischem Vorbehalt ratifiziert und biete für afghanische und syrische Flüchtlinge keinen Schutz.

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