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Explosionen in Harare - Militär übernimmt in Simbabwe Kontrolle

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Das Militär hat in Simbabwe die Macht übernommen - zeitweise zumindest, wie es heißt. Ein Putsch soll es nicht sein. Westliche Botschaften warnen jedoch ihre Staatsbürger.

Die Armee Simbabwes hat Spekulationen über einen Militärputsch zurückgewiesen. Sie gibt an, gegen Kriminelle im Umfeld von Staatschef Mugabe vorgegangen zu sein.

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Gepanzerte Fahrzeuge am Stadtrand von Harare und Schüsse in der Nähe des Wohnsitzes von Präsident Robert Mugabe haben in der Nacht zum Mittwoch Spekulationen über einen Putschversuch in Simbabwe befeuert.

In einer im Staatsfernsehen verlesenen Erklärung teilte ein General jedoch mit, es handele sich nicht um einen Militärputsch gegen die Regierung. Vielmehr sei die Armee gegen "Kriminelle" im Umfeld von Mugabe vorgegangen. Es gehe darum, eine "sich verschlimmernde politische, soziale und wirtschaftliche" Krise zu überwinden, hieß es in der Ansprache.

Die Lage war am Mittwochmorgen noch unübersichtlich. Insbesondere war zunächst unklar, ob Mugabe oder einzelne Minister vom Militär in Gewahrsam genommen wurden. Mugabe selbst hat sich bislang nicht öffentlich geäußert. Einer seiner Mitarbeiter hatte am Dienstag noch erklärt, der Staatschef gehe wie gewohnt seinen Amtsgeschäften nach.

Mugabe und seine Familie seien gesund und in Sicherheit. "Sobald wir unsere Mission beendet haben, hoffen wir, dass die Situation sich wieder normalisiert", sagte General Sibusiso Moyo im Staatsfernsehen.

US-Botschaft mahnt Staatsbürger in Simbabwe zur Vorsicht

In den frühen Morgenstunden war nach Angaben eines Anwohners in der Nähe des Wohnsitzes von Mugabe anhaltendes Gewehrfeuer zu hören gewesen. "Aus Richtung seines Hauses haben wir rund 30 oder 40 Schüsse gehört, die kurz nach 2.00 Uhr morgens innerhalb von drei oder vier Minuten abgegeben wurden", sagte ein Anwohner, der anonym bleiben wollte, der Nachrichtenagentur AFP. Weitere Angaben machte er nicht.

Karte von Afrika - Simbabwe mit Harare
Die frühere britische Kolonie im südöstlichen Afrika ist mit 390.000 Quadratkilometern etwas größer als Deutschland. Quelle: ZDF

Die US-Botschaft in Harare hatte zuvor ihre Staatsbürger in Simbabwe zur Vorsicht aufgerufen. Wegen der "anhaltenden politischen Unsicherheit" sollten die US-Bürger "bis auf weiteres zuhause bleiben", teilte die Botschaft mit. Die Botschaft selbst bleibe geschlossen.

Machtkampf zwischen Präsident und Militär

In den vergangenen Tagen hatte sich ein Machtkampf zwischen dem 93 Jahre alten Herrscher Mugabe und Armeechef Constantino Chiwenga zugespitzt. Chiwenga hatte Mugabe wegen der Entlassung von Vizepräsident Emmerson Mnangagwa kritisiert und ihn gewarnt, nicht noch mehr erfahrene Mitglieder der Regierungspartei abzusetzen. Vor Journalisten sagte er am Montag, "wenn es um unsere Revolution geht, wird das Militär nicht zögern, einzugreifen".

Die Regierungspartei Zanu-PF warf dem Armeechef daraufhin "verräterisches Verhalten" vor. Chiwengas Haltung ziele klar darauf ab, "den Landesfrieden zu stören" und "einen Aufstand anzustacheln", erklärte ein Parteisprecher. Das Schicksal Chiwengas war am Mittwochmorgen zunächst unklar.

Militär bisher wichtige Stütze Mugabes

Am Dienstag waren gepanzerte Fahrzeuge auf den Hauptstraßen außerhalb der Hauptstadt beobachtet worden. Die Armee war in den den vergangenen Jahrzehnten immer eine wichtige Stütze Mugabes, der das Land seit der Unabhängigkeit von Großbritannien im Jahr 1980 regiert.

Der 75-jährige Mnangagwa war zuletzt mehrmals mit der 52-jährigen Präsidentengattin Grace Mugabe aneinander geraten, die ihrem Mann im Präsidentenamt nochfolgen will. Grace Mugabe wird bereits seit längerer Zeit als mögliche Nachfolgerin für ihren Ehemann gehandelt. Die als prunksüchtig geltende frühere Sekretärin des Staatschefs hält bei Kundgebungen in Simbabwe regelmäßig Ansprachen.

Vizepräsident ist aus Simbabwe geflohen

Auch der geschasste Vizepräsident galt lange als möglicher Kandidat für die Nachfolge Mugabes. Er war lange einer der engsten Wegbegleiter des Präsidenten. Nach seiner Amtsenthebung in der vergangenen Woche floh er außer Landes, er hält sich vermutlich im Nachbarland Südafrika auf.

Mugabe ist Afrikas ältester Staatschef und regiert Simbabwe seit 37 Jahren mit harter Hand. In letzter Zeit war er bei seinen Reden nur noch schlecht zu verstehen und machte lange Pausen. Trotz seines hohen Alters weigerte er sich bisher jedoch, einen Nachfolger zu benennen. Für die Präsidentschaftswahl im kommenden Jahr hat seine Partei ihn erneut aufgestellt.

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