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Neue Kulturmetropole - Frankreich: Milliardärin baut Arles aus

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Ein Ort der Fotografie ist das Provence-Städtchen Arles schon seit den 70er-Jahren. Nun bekommt es auch noch einen Frank-Gehry-Turm. Der Bürgermeister hofft auf den Bilbao-Effekt.

Auf leise quietschenden Prada-Plateau-Sohlen läuft Maja Hoffmann durch den ehemaligen Lokschuppen. Die in Arles aufgewachsene Milliardärin, Miterbin des Hoffmann-La Roche-Pharmakonzerns, hat das ehemalige Bahngelände in den vergangenen Jahren zu einem hippen Kulturzentrum ausbauen lassen. Und mittendrin baut der amerikanische Star-Architekt Frank Gehry einen seiner verschachtelten Türme, dessen Fassade an zusammengeknüllte Aluminiumfolie erinnert. Hier wird Hoffmanns LUMA-Stiftung ihre Büros haben.

Milliardärin investiert 150 Millionen Euro

Das Provence-Städtchen Arles, das bisher vor allem für seine internationalen Fotoausstellungen in den Sommermonaten bekannt war, wandelt sich derzeit zu einer Kulturstätte, die künftig das ganze Jahr über Besucher aus aller Welt anziehen will. "Ich mag Kultur, ich arbeite gerne mit Künstlern zusammen", erklärt Hoffmann im ZDF-Interview. "Kunst ist eine universelle Sprache, die auch junge Menschen erreicht."

Trotz ihres weltweiten Engagements - vom Londoner Museum Tate Modern bis zu Human Rights Watch - wirkt Hoffmann im persönlichen Gespräch scheu und zurückhaltend. Etwa 150 Millionen Euro hat sie bisher in Arles investiert. Es ist eine der größten privaten Kulturinvestitionen weltweit.

Bürgermeister hofft auf Bilbao-Effekt

In den ehemaligen Werkstätten stellen international bekannte Künstler aus, derzeit gibt es etwa eine Retrospektive des skurrilen Künstler-Paares Gilbert & George. Aber Hoffmann fördert auch Forscher, die Bodenbeläge aus Algen entwickeln und Köche, die Suppen aus selbstgezogenen Kräutern auf Solarkochern zubereiten. Und sie bietet dem ehemaligen Pariser Ballettchef Benjamin Millepied samt seinen Tänzern des L.A. Dance Projects für drei Jahre eine Künstlerresidenz.

Der seit fast zwei Jahrzehnten amtierende, kommunistische Bürgermeister von Arles, Hervé Schiavetti, ist begeistert. "Es ist ein unglaubliches Glück, solche Mäzene zu haben", schwärmt er. "Wir hoffen auf den Bilbao-Effekt", sagt er in Anspielung auf die nordspanische Stadt, die seit Ende der 90er-Jahre mit ihrem von Gehry erbauten Guggenheim-Museum Besucherscharen anzieht. Überhaupt habe die Stunde der Provinzstädte geschlagen, die mit ihren Kulturinstitutionen den Metropolen den Rang abliefen, meint der Bürgermeister. 

Einheimische vorerst skeptisch

Doch nicht alle sehen Hoffmanns Engagement und den damit verbundenen Geldsegen positiv. Der glitzernde Gehry-Turm passe nicht zu Arles mit seinen römischen Amphitheatern und mittelalterlichen Gassen, meinen manche Einwohner. Es sei nicht klar, was Hoffmann mit ihrer Stiftung eigentlich bewirken wolle, kritisieren andere. 

Offiziell ist die LUMA-Stiftung Partner der "Rencontres d’Arles", einem der bedeutendsten Fotofestivals, das seit den 70er-Jahren jeden Sommer Museen, Kreuzgänge und historische Gebäude der Stadt in Ausstellungsorte verwandelt. Festivalchef Sam Stourdzé spricht von einer "guten Konkurrenz" zwischen Festival und Stiftung. "Es ist gut, zwei mächtige Spieler in der Stadt zu haben", meint er. 

Dieses Jahr widmet sich ein Teil der Foto-Ausstellungen dem Thema "America Great Again!", eine unverhohlene Anspielung auf den Wahlkampf-Slogan von US-Präsident Donald Trump . "Wir wollen zeigen, dass die USA ihr Image auch ausländischen Augen verdanken", erklärt Stourdzé. Zu sehen sind etwa Arbeiten des Schweizers Robert Frank, der in den 50er-Jahren durch die USA reiste, sowie des Franzosen Raymond Dépardon. Ein Bild, das im Gedächtnis bleibt: Eine Handvoll Schulmädchen in Harlem, die gemeinsam über ein Springseil springen und vor Freude lachen. 

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