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24 Millionen Dollar Investitionen - Start-up aus Ghana krempelt Afrikas Pharma-Markt um

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Millionen Afrikaner können sich lebenswichtige Medikamente nicht leisten. Das will Gregory Rockson ändern. Der 28-Jährige will ihnen Zugang zu bezahlbarer Medizin ermöglichen.

Medikamente in eiener Apotheke in Afrika
So sollen bald alle Apotheken in Afrika aussehen - wenn Rocksons Idee sich durchsetzt.
Quelle: mPharma

Wenige Tage bevor Barack Obama zum Präsidenten ernannt wurde, zog Gregory Rockson von Ghana in die USA, um zu studieren. Rockson ist dankbar für die Ausbildung, die Kontakte, die er knüpfte, die Chancen, die er bekam - doch er wusste immer: "Eines Tages werde ich zurückkehren und in meiner Heimat etwas verändern."

Der Tag kam fünf Jahre später als Rockson einen Artikel las, der ihn wütend machte. In dem Artikel ging es um einen großen Betrugsfall des ehemals größten Pharmaunternehmens Indiens, Ranbaxy. Das Unternehmen hatte jahrelang AIDS-Medikamente verkauft, ohne sie getestet zu haben. Die Daten wurden gefälscht oder erfunden - um Kosten zu minimieren und Profit zu steigern.

Ein paar Tausend Dollar Startkapital

Doch das war nicht alles. "Eine Managerin von Ranbaxy soll gesagt haben: 'Wen interessiert’s schon? Es sind doch nur Schwarze, die da sterben'." So stand es in dem Text. Rockson schickte den Artikel an die zuständige Behörde in Ghana. Er wartete auf Reaktionen, auf öffentliche Stellungnahme, auf Empörung. Doch er wartete vergebens.

Gregory Rockson
Hat eine Vision: Gregory Rockson
Quelle: ZDF

"Da war meine Entscheidung endgültig: Ich wollte nach Hause gehen und etwas unternehmen." Gregory Rockson überzeugte seine beiden amerikanischen Freunde Daniel Shoukimas and James Finucane mit ihm nach Ghana zu ziehen und mPharma zu gründen. Sie bekamen damals von Bekannten ein paar Tausend Dollar als Startkapital. "Das waren eher Abschiedsgeschenke als ernsthafte Investitionen", sagt Rockson.

Egal mit wem ich sprach, die Leute sagten mir: Das wird nicht klappen. Doch ich war nicht bereit, ein 'Nein' zu akzeptieren.
Gregory Rockson

Heute ist Rockson 28 Jahre alt und CEO von einem der erfolgversprechendsten Start-ups in Ghana. Er trägt Brille und ein lilafarbenes Hemd mit afrikanischem Muster, spricht mit ruhiger Stimme und amerikanischem Akzent. Der Anfang war hart, erzählt Rockson. "Es war wie ein Schlag ins Gesicht. Egal mit wem ich sprach, die Leute sagten mir: Das wird nicht klappen. Doch ich war nicht bereit, ein 'Nein' zu akzeptieren."

Der Startschuss fiel in Sambia

Ein Freund, der beim Roten Kreuz arbeitete, brachte nach rund sechs Monaten den Stein ins Rollen. "Der versprach mir, mPharma in jedem seiner Meetings zu erwähnen." Kurze Zeit später bekam Rockson eine E-Mail: Das Gesundheitsministerium in Sambia habe Interesse. Rockson wurde zu einem Gespräch mit dem Minister eingeladen.

Als das Projekt in Sambia erfolgreich gestartet war und sie von Microsoft gefördert wurden, wurde es auch in Ghana einfacher. "Wir hatten Daten und konnten zeigen, dass wir mit unserer Arbeit etwas bewegen können."

Mehr als 24 Millionen US-Dollar von Investoren

Mittlerweile hat mPharma rund 200 Angestellte - 70 von ihnen arbeiten im Hauptsitz, in Ghanas Hauptstadt Accra. 24 Millionen US-Dollar wurden bereits in mPharma investiert. Im April gewann Gregory Rockson einen mit 1,5 Millionen Dollar dotierten Award der Stiftung des eBay-Präsident Jeffrey Skoll.

Karte von Ghana mit der Hauptstadt Accra
Karte von Ghana mit der Hauptstadt Accra
Quelle: ZDF

"Jeden Tag müssen Millionen Afrikaner die Entscheidung treffen, ob sie Medikamente kaufen oder ihrer Familie etwas zu Essen", sagt Rockson. Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) machen Medikamente 20 bis 60 Prozent der Gesundheitsausgaben in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen aus - in Industriestaaten sind es nur rund 18 Prozent.

Jeden Tag müssen Millionen Afrikaner die Entscheidung treffen, ob sie Medikamente kaufen oder ihrer Familie etwas zu Essen.
Gregory Rockson

Das liegt nicht nur an niedrigeren Einkommen, sondern auch an höheren Preisen. In Ghana und anderen afrikanischen Ländern werden die Preise von Medikamenten nicht staatlich reguliert. Oft entscheiden Zwischenhändler über die Preise. "Deshalb sind Medikamente häufig überteuert und von Apotheke zu Apotheke unterschiedlich", sagt Rockson. Insbesondere Apotheken, die nur kleine Mengen abnehmen können, seien benachteiligt.

mPharma übernimmt Planung und Lieferung

Das Prinzip von mPharma ist simpel: Das Start-up dient Apotheken als Lieferant, übernimmt die Planung und Inventur. Statt neue Apotheken zu eröffnen, arbeitet mPharma mit bestehenden Apothekern zusammen. Durch ein großes Netzwerk an Apotheken kann mPharma die Bestellungen bündeln und so Mengenrabatte mit Importeuren verhandeln. Dadurch können die Medikamente günstiger an Patienten verkauft werden.

Erst wenn ein Produkt verkauft wurde, muss der Apotheker mPharma auszahlen. Das senkt das Investitionsrisiko für Apotheker. Mithilfe einer Applikation informieren die Apotheker mPharma über verkaufte Produkte. Zusätzlich checkt mPharma monatlich den Bestand jeder Apotheke.

Ratenzahlung soll Patienten entlasten

Da laut WHO mehr als 90 Prozent der Menschen in Entwicklungsländern aus eigener Tasche bezahlen müssen, hat mPharma zusätzlich den elektronischen Finanzierungsdienst "Mutti" erfunden. Damit können Patienten teure Medikamente, etwa zur Krebsbehandlung, in Raten abzahlen.

Rockson hofft, eines Tages mit afrikanischen Regierungen zusammenzuarbeiten, um die pharmazeutische Versorgung der Bevölkerung auf dem gesamten Kontinent zu verbessern. Denn Rockson hat eine Vision: Er will jedem Afrikaner Zugang zu bezahlbaren Medikamenten ermöglichen.

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