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Sturmtief "Friederike" - Orkan verursacht Millionenschäden am Schienennetz

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Der Sturm ist vorbei, die Bilanz ist heftig: Mindestens acht Menschen verlieren durch "Friederike" ihr Leben. Die Bahn spricht von Millionenschäden auf 200 Streckenabschnitten.

Nicht überall in Deutschland hat Sturmtief "Friederike" so mächtig zugeschlagen wie in Nordrhein-Westfalen, Mecklenburg-Vorpommern oder Brandenburg. Aber überall stand der Fernverkehr still.

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Hunderte Mitarbeiter sind laut Bahn durchgehend im Einsatz, um die teilweise schwer zugänglichen Strecken zu räumen und wieder befahrbar zu machen. Nachdem die Bahn am Donnerstagnachmittag den Fernverkehr bundesweit eingestellt hatte, rechnet der Konzern für das Wochenende mit einer weitgehenden Normalisierung.

Noch erhebliche Einschränkungen

Die Bahn hat den Betrieb im Nah- und Fernverkehr seit dem Morgen wieder aufgenommen. Da viele Strecken noch gesperrt waren, mussten Reisende erhebliche Einschränkungen in Kauf nehmen. Mit der Einstellung des Fernverkehrs am Donnerstag habe die Bahn sichergestellt, dass keine Menschen zu Schaden kamen und Schäden an Zügen vermieden wurden, erklärte das Unternehmen. "Die Entscheidung, die Sicherheit unserer Fahrgäste und Mitarbeiter über alles zu stellen, war richtig", erklärte Berthold Huber, DB-Vorstand Personenverkehr.

Auf die Bahn kommen zusätzlich hohe Kosten für Entschädigungen wie Taxifahrten und Hotelübernachtungen zu. Noch ließen sich die Kosten dafür aber "nicht kalkulieren", sagte ein Sprecher. Das liege unter anderem daran, dass Taxifahrer, die auf Kosten der Bahn Gäste transportierten, dies erst im Nachhinein abrechnen. Außerdem haben Fahrgäste ein Jahr Zeit, um ihren Anspruch auf Entschädigungen geltend zu machen.

Hotelzüge bereitgestellt

An großen Bahnhöfen hatte die Bahn Hotelzüge auf den Gleisen bereitgestellt, gestrandeten Passagieren musste die Bahn nach der Fahrgastrechteregelung unter bestimmten Umständen eine Übernachtung zahlen. Außerdem stellte sie Taxi-Gutscheine bereit - etwa für Fahrten von Hannover nach Berlin, die im Schnitt rund 500 Euro pro Strecke kosten.

Entscheidend dabei sei, mehrere Fahrgäste mit dem selben Ziel zusammenzubringen, führte der Sprecher aus. Deshalb mussten die Taxis voll besetzt sein. Die Kulanz bei Taxifahrten auf Kosten der Bahn habe aber Grenzen, hieß es weiter, so wird etwa keine Fahrt ins Ausland bezahlt. Generell würden die Bahnangestellten jeweils vor Ort abwägen, ob eine Übernachtung oder ein alternatives Fahrmittel geeignet sei, betonte der Bahnsprecher.

Böen bis zu 203 Kilometer pro Stunde

"Friederike" war einer der stärksten Stürme in Deutschland seit dem Orkan "Kyrill", der genau vor elf Jahren über Deutschland fegte. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) sprach von einem "Orkan der Königsklasse". Der Wintersturm war am Donnerstag vor allem über den Westen, Norden und die Mitte Deutschlands hinweg gezogen und hatte große Schäden verursacht.

Der Orkan erreichte Spitzengeschwindigkeiten von knapp 138 Kilometern pro Stunde im thüringischen Gera und sogar 203 Kilometer pro Stunde auf dem Brocken. Mindestens acht Menschen starben. In Sachsen-Anhalt erlagen am Donnerstagabend zwei Männer ihren schweren Verletzungen, einer war bei Sicherungsarbeiten von einem Hausdach abgestürzt, ein 34-Jähriger von einem umstürzenden Baum getroffen worden.

Im Osten Deutschlands sind noch Tausende Haushalte ohne Strom. Wie der Netzbetreiber Mitnetz Strom mitteilte, betraf dies noch rund 14.000 Kunden in Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Brandenburg. Teilweise konnten die Mitarbeiter die Leitungen und Anlagen noch nicht erreichen, weil Straßen und Waldgebiete weiterhin blockiert oder gesperrt waren.

Schnee und Glatteis im Norden

Nach dem Abzug des Sturms machten vor allem dem Norden noch Schnee und Glatteis zu schaffen, es gab zahlreiche Unfälle. In der Gemeinde Treia in Schleswig-Holstein verlor der Fahrer eines mit Getränkekisten beladenen Sattelzugs die Kontrolle über sein Fahrzeug. Der Auflieger des 40-Tonners landete in einem Wohn- und Geschäftshaus, das schwer beschädigt wurde. Eine Wand stürzte ein.

Auch andernorts rutschten Lastwagen von den Straßen, fuhren sich fest oder kamen an Steigungen nicht mehr weiter. In Thüringen berichtete die Autobahnpolizei am Freitagmorgen von zehn Unfällen binnen einer Stunde, weil Autofahrer trotz Schneefalls zu schnell fuhren. Im Landkreis Gotha geriet am Morgen ein mit sieben Schulkindern besetzter Transporter auf winterlicher Straße auf die Gegenfahrbahn und stieß dort mit einem Auto zusammen. Die Kinder sowie die Fahrer beider Wagen wurden verletzt.

Stabile Tiefdruckwetterlage

Für die Häufung von schweren Stürmen in Deutschland seit September macht der DWD eine seit dem Herbst vorherrschende Westwetterlage verantwortlich. Dabei ziehen Tiefdruckgebiete in rascher Abfolge vom Nordatlantik meist von Island kommend über die Nordsee nach Südskandinavien und beeinflussen mit ihren Ausläufern Mitteleuropa. An ihrer Südflanke bilden sich bei großen Temperaturgegensätzen immer wieder Randtiefs, die sich dann zu Sturmtiefs entwickeln können.

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