Sie sind hier:

Anhebung des allgemeinen Satzes - "Brauchen Mindestlöhne auch für qualifizierte Stellen"

Datum:

Vier Jahre nach Einführung ist die Kritik am Mindestlohn leise geworden; zum Jahreswechsel steigt der Satz. Forscher leiten aus dem Blick zurück eine Forderung für die Zukunft ab.

Reinigungskraft
Forderung: Nicht nur Reinigungspersonal soll durch den Mindestlohn geschützt werden. (Archivbild)
Quelle: dpa

Zum Jahreswechsel steigt der allgemeine Mindestlohn von 8,84 Euro auf 9,19 Euro je Stunde. In einigen Branchen liegen die eigenen Mindestlöhne sogar deutlich darüber.

Die Kritik an den Mindestlöhnen ist längst verstummt. Alle Befürchtungen der Arbeitgeberverbände und arbeitgebernaher Institute haben sich nicht bewahrheitet. Die Zahl der Beschäftigten ist in Deutschland auf den höchsten Stand der Wiedervereinigung gestiegen. Ebenso wuchsen die Gewinne der meisten Unternehmen. Auf Gewerkschaftsseite wird der Mindestlohn als "Erfolgsgeschichte" gefeiert. Wenn zum Jahreswechsel der allgemeine Mindestlohn auf 9,19 je Stunde steigt, bedeutet dies, dass Arbeitnehmer bei 40 Wochenarbeitsstunden jeden Monat etwa 1.560 Euro verdienen.

In einzelnen Branchen noch höher

Auch in einzelnen Branchen gibt es zum Teil deutliche Aufschläge. In der Aus- und Weiterbildung erhalten Mitarbeiter zukünftig 15,72 (zuvor: 15,26) Euro. Fachkräfte mit Studienabschluss bekommen sieben Cent mehr. Im Dachdeckergewerbe steigt der Mindestlohn auf 13,20 (12,90) Euro. Im Elektrohandwerk wird die Entlohnung auf 11,40 (10,95) Euro angehoben. In der Pflegebranche steigen die Mindestlöhne auf 11,05 Euro (West) und 10,55 Euro (Ost). Bis zum Jahreswechsel werden in den "alten" Bundesländern 10,55 Euro und in den "neuen" Bundesländern 10,05 bezahlt.

Auch im Baugewerbe steigen die Löhne. Facharbeiter erhalten zum Beispiel ab März 2019 mindestens 15,20 (14,95) Euro pro Stunde. Dass es Branchen-Mindestlöhne gibt, liegt vor allem an der EU-Entsenderichtlinie, durch die entsandten Arbeitnehmern aus der Europäischen Union bestimmte Mindestarbeitsbedingungen des Ziellandes garantiert werden können. "Mindestlöhne sollten Lohndumping verhindern", erklärt Thorsten Schulten, Politikwissenschaftler bei der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung: "Vor allem im Baugewerbe herrschte großer Druck."

Nur noch die Hälfte aller Arbeitnehmer hat Tarifvertrag

Insgesamt gibt es derzeit in zwölf Branchen allgemeinverbindliche Mindestlöhne. Diese werden von Arbeitgebern und Gewerkschaften ausgehandelt und anschließend dem Bundesarbeitsminister vorgelegt, der sie für allgemein verbindlich erklärt. Kein Arbeitgeber kann diese tariflich ausgehandelten Mindestlöhne unter Verweis auf den niedrigeren allgemeinen Mindestlohn kürzen.

Der allgemeine Mindestlohn wird zum Jahreswechsel zum zweiten Mal seit seiner Einführung im Jahr 2015 angepasst. Im Grunde genommen legen alle Tarifverträge Mindestlöhne fest. "Das Problem ist, dass nur noch die Hälfte aller Arbeitnehmer unter diese Tarifverträge fällt", sagt Schulten. Umso wichtiger sei es, möglichst viele Tarifverträge für allgemeinverbindlich zu erklären. Als besonders drängend sieht der Tarifexperte den Bedarf in der Pflege und im Einzelhandel.

Problem: Altenpflege

Die Tariflandschaft in der Altenpflege bezeichnet Schulten als "zerklüftet". Kein Einzelfall. Daraus schließt Schulten, dass der allgemeine Mindestlohn in diesen Fällen nicht ausreicht: "Wir brauchen auch für die qualifizierten Stellen Mindestlöhne." Damit Mindestlohn nicht Billiglohn bedeutet.

Mindestlöhne in anderen Ländern

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Die Website verwendet Cookies, um Ihnen ein bestmögliches Angebot zu präsentieren. Nähere Informationen und die Möglichkeit, die Verwendung von Cookies einzuschränken finden Sie hier.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, können Sie jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigen Sie Ihr Ausweisdokument.

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.