Sie sind hier:

Minicar Egypt - Ein Auto aus dem Schatten der Pyramiden

Datum:

Ägypten liebt seine Tuk Tuks. Fast 250 Millionen Euro überweist das Land jedes Jahr nach China, wo die dreirädrigen Rikschas produziert werden. Ein junger Unternehmer will das nun ändern. Er produziert den ersten Kleinstwagen "made in Egypt" - und die Nachfrage wächst.

Es regnet kaum in Ägyptens Hauptstadt Kairo, fruchtbares Ackerland wird zugebaut und die Preise für Obst und Gemüse steigen. Immer mehr Menschen bauen deswegen auf kleinstem Raum ihr eigenes Grün an.

Beitragslänge:
14 min
Datum:

In Ägypten, wo viele Menschen unter wirtschaftlichen Problemen leiden, hat ein 35-jähriger Unternehmer die Initiative ergriffen. In einem kleinen Dorf nicht weit von den Pyramiden von Gizeh entfernt hat Ahmed Saidal-Feki eine eigene Werkstatt eingerichtet, um den ersten Kleinstwagen zu schaffen, der in Ägypten jemals hergestellt wurde: das Minicar Egypt.

Die Idee sei ihm zur selben Zeit gekommen, als Präsident Abdel Fattah al-Sisi im November vergangenen Jahres die Wechselkurse für das ägyptische Pfund freigegeben habe, um die Währungs- und Wirtschaftskrise im Land zu bekämpfen, schildert Al-Feki. "Da haben wir uns entschieden, außerhalb der Schubladen zu denken und ein örtliches Produkt zu schaffen, das Chinas Tuk Tuk ersetzt."

Praktischer als das Tuk Tuk

Das Tuk Tuk ist ein dreirädriges Motorfahrzeug, das als Taxi eingesetzt wird und in Ägypten populär ist. Al-Fekis Miniauto, das wie ein Golfcart aussieht, unterscheidet sich sowohl im Design als auch in der mechanischen Effizienz von diesem Vehikel. Sein Hubraum liegt mit 300 Kubikzentimetern über dem des Tuk Tuk mit 175 Kubikzentimetern, und die Karosserie ist mit vier Millimetern mehr als fünf Mal so dick wie die des chinesischen Fahrzeuges. Mit seinen vier Rädern ist das Minicar Egypt auch sicherer als der dreirädrige Kontrahent und spart mehr Benzin.

"Es ist dem Tuk Tuk ähnlich, aber ich habe das Gefühl, dass es praktischer ist, wenn ich in meinem Dorf fahre", sagt der 25-jährige Hossman Gamal al-Halawani, der seit wenigen Tagen Besitzer eines Minicar ist. "Ich kann mehr Passagiere transportieren, ungefähr fünf zusätzlich zum Fahrer."

Al-Halawani sorgt sich aber, dass die neuen kleinen Autos wie die Tuk Tuks nur für einen begrenzten Bewegungsspielraum zugelassen werden könnten. "Ich hoffe, eine Genehmigung für das Minicar zu bekommen, die es mir erlaubt, mich um die ganze Stadt herum und nicht nur in meinem Dorf fortzubewegen", sagt er.

Erste Interessenten aus Nachbarländern

Millionen Ägypter, vor allem in ländlichen und dicht bevölkerten Gebieten, sind bisher auf Rikscha-Taxis angewiesen, weil die Fahrt wenig kostet und die Fahrzeuge ideal fürs Navigieren durch enge Gassen sind. Ägypten importiert Tuk Tuks aus China, zum Kostenpunkt von umgerechnet 247 Millionen Euro im Jahr, wie Al-Feki sagt.

Er hat nach eigenen Angaben seit dem Tag, als die Wechselkurse freigegeben wurden, davon geträumt, dabei zu helfen, die Wirtschaft des Landes zu unterstützen. Die Zahl der Minicar-Bestellungen sei am Wachsen, und sie kämen nicht nur von ägyptischen Geschäftsleuten und Unternehmen, sondern auch aus benachbarten afrikanischen Staaten, sagt er draußen vor seiner Werkstatt im Dorf Kerdassa.

Von einer interessierten Partei sei er eingeladen worden, sein Fahrzeug in Mosambik zu produzieren, was er abgelehnt habe. Für ihn hat das Startup-Unternehmen eine nationalistische Dimension: Er hofft, damit den ägyptischen Markt zu fördern, Arbeitsplätze zu schaffen und die Exportkapazitäten seines Landes zu steigern.

Kaufpreis: 1.600 Euro

Al-Feki arbeitet nach eigenen Worten jetzt hart daran, seine bisher handgefertigte Ware zu verfeinern und zu verbessern. Er hat bisher eigenständig 30 bis 40 Fahrzeuge im Monat hergestellt, aber jetzt einen Deal mit der Regierung über die Herstellung von Autoteilen in vom Militär betriebenen Fabriken geschlossen. Die Teile werden an ihn geliefert, und er baut die Fahrzeuge dann auf einem getrennten Fabrikgelände zusammen. Damit kann er die Produktion beschleunigen. Das Auto ist derzeit für umgerechnet gut 1.600 Euro zu haben, preisgünstiger als ein Tuk Tuk mit etwa 1.810 Euro.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.