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Folgen der Geldpolitik - Minuszinsen knabbern an Rentenrücklage

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Den Sozialversicherungen fällt es schwer, ihre Rücklagen lukrativ anzulegen. Unter dem Strich verbucht die Rentenversicherung für 2017 ein Minus. Ist die Rente noch sicher?

Rentenbescheid
Rentenbescheid Quelle: Jens Kalaene

In der  verrückten Zinswelt sind nun auch die Rentenversicherungen angekommen: Wo eigentlich ein Gewinn in der Bilanz stehen sollte, verbucht die Deutsche Rentenversicherung 49 Millionen Euro Verlust. Denn auch sie treffen die Minuszinsen, die die Europäische Zentralbank von den Banken  verlangt.

"Das tut weh!"

So gibt die Rentenversicherung an, dass Geldhäuser bei kurzen Anlagezeiträumen von bis zu 12 Monaten überwiegend negative Verzinsungen anböten. Mit anderen Worten: Weil die Rentenversicherung Geld unter diesen Konditionen anlegt hat, bekam sie am Ende weniger Geld wieder heraus. Und eine Besserung ist erst einmal nicht in Sicht: "Entsprechend der nahezu von allen Fachleuten vertretenen Meinung, dass eine Zinswende allenfalls im kommenden Jahr kommen könnte, gehen wir von einer unveränderten Situation in den verbleibenden Monaten dieses Jahres aus", sagte eine Sprecherin der Rentenversicherung.

Dass ein Minus bei Zinszahlungen überhaupt möglich ist liegt daran, dass die Europäische Zentralbank nicht nur die Leitzinsen auf null Prozent gesetzt hat. Sie hat überdies Strafzinsen eingeführt: 0,4  Prozent Zinsen müssen Banken bezahlen, wenn sie bei der Zentralbank Geld deponieren. So möchte die Notenbank die Kreditinstitute dazu bringen, das Geld in Form von Krediten auszureichen, statt es bei der Zentralbank zu parken. Diese Negativzinsen sind es, die nun auch die Rentenversicherung treffen. "Das tut weh", sagt Max Herbst, Experte der FMH-Finanzberatung in Frankfurt. "Es fehlt Geld. Geld, das im Moment an die EZB fließt."

Norbert Blüm: Die Rente ist (noch immer) sicher

Sorgen machen müsse man sich angesichts dieser Entwicklung allerdings nicht, meinen Experten. "Deswegen wird nun keine Beitragserhöhung stattfinden", meint Max Herbst. Und auch andere Experten geben was diesen Punkt betrifft Entwarnung. Eher gehe es um Fragen der langfristigen Stabilität, auf die Antworten gefunden werden müssen. "Das Versorgungsniveau der Rentenversicherung bei vernünftigen Beitragssätzen ist das Kernproblem der Rentenversicherung im demografischen Wandel", sagt Johannes Geyer, Rentenexperte beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin. Mit anderen Worten lautet die Gretchenfrage: Wie kann man das Rentensystem fortführen, während die Gesellschaft altert und dank moderner Medizin ein längeres Leben im Alter verspricht?

Angesichts dieser Frage gewinnt der berühmte Ausspruch des ehemaligen Bundesarbeitsministers Norbert Blüm immer wieder an Aktualität. Blüm prägte den Satz "Die Rente ist sicher!" Und zu diesem Satz steht Blüm bis heute, auch wenn er aktuelle Entwicklungen in der Rententhematik kritisiert. "Wenn man vier Prozent abzweigt, um sie in die Kasse von Privatversicherungen zu geben, dann fehlt das Geld in der Rentenkasse", kritisiert Blüm. Er meint damit den Anteil von vier Prozent des sozialversicherungspflichtigen Einkommens, das Arbeitnehmer in die staatlich geförderte Riester-Rente stecken sollen.

Negativ-Zinsen knabbern an mächtiger Reserve

Die Minuszinsen jedenfalls sind auch aus seiner Sicht kein wirkliches Problem, im Gegenteil: Sie zeigten, dass die Befürworter einer ausschließlich am Kapitalmarkt finanzierten Rente auf dem Holzweg seien. "Das zeigt doch nur, dass eine Alterssicherung, die auf Kapital fußt, eine unsichere Sache ist. Wer es jetzt noch nicht kapiert hat, dass die Kapitaldeckung nicht die Rettung der Rentenversicherung ist, dem ist nicht zu helfen", sagte Norbert Blüm.

Dass die verrückte Zinswelt die umlagenfinanzierte Rente in der Tat nicht ins Wanken bringen kann, liegt auf der Hand. So knabbern die Minuszinsen zwar an der so genannten Nachhaltigkeitsrücklage, die dem Ausgleich von Schwankungen im Verlaufe eines Jahres dient. Allerdings beträgt diese Rücklage derzeit 34,3 Milliarden Euro, was 1,6 Monatsausgaben entspricht. Der Gesetzgeber sieht eine Höhe von 1,5 Monatsausgaben vor, die Reserven sind also höher als vorgesehen. Das negative Zinsergebnis schlägt nur mit rund 0,15 Prozent zu Buche.

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